Der Nagelschmied

Foto: rostige Nägel

In der Nagelschmiede werden Nägel aller Größen und verschiedener Arten hergestellt.

Die Nagelschmiede in Niedersachen, 1926

“Zu einer Nagelschmiede ist nur ein Flächenraum von etwa 10 Quadratmetern erforderlich; denn Maschine und viele Werkzeuge, wie sie in eine andere Schmiede gehören, braucht sie nicht aufzunehmen. Eine kleine Esse und hinter oder über ihr ein kleiner Blasebalg, ein Amboß mit einem hineingesteckten Schrotmeißel, ein paar Hammer und einige Zangen und Nageleisen sind ihre sämtlichen Werkzeuge.
Wer schon einmal einen Nageschmied bei seiner anstrengenden Arbeit beobachtet hat, der hat ihn sicherlich nicht beneidet.
Will er nur einigermaßen verdienen, so muß er unaufhörlich mit Händen und Füßen tätig sein. Mit der linken Hand wendet er nach jedem Schlag den Eisenstab, aus welchem er den Nagel fertigt, solange, bis die Form  durch das bestimmte Nageleisen geht. Ist das der Fall, so wird die für einen Nagel erforderliche Länge mit dem Schrotmeißel abgehauen und dann der Nagelkopf in dem Nageleisengelenke geformt.
Mit dem linken Fuße hat er unterdes eine zweite Eisenstange ‘hitze’ gemacht. Schnell wird nun auch von dieser eine bestimmte Länge zum Nagel geformt. So geht es ohne Unterbrechung von morgens früh bis abends spät. Die angefertigten Nägel muß der Nagelschmied dann bei den verschiedenen Kunden abzusetzen versuchen.
Maschinen, die viel billiger und schöner arbeiten, haben die Fortsetzung dieses Berufes bereits unmöglich gemacht.”
(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926 – Text von E. Bähre-Ahlem)


Berufsbezeichnungen

Nagelschmied, Nagler, Naler, Neilschmieder, Nelschmieder

in anderen Sprachen
Bulgarisch:
Dänisch:
Englisch:nailsmith
Esperanto:
Französisch:
Isländisch:
Italienisch:
Lateinisch:
Niederländisch:
Norwegisch:
Polnisch:
Portugiesisch:
Rumänisch:
Russisch:Ногтевой мастер
Schwedisch:
Slowakisch:
Slowenisch:
Spanisch:
Tschechisch:
Türkisch:
Ungarisch:szögkovács

verwandte Berufe:   Nadler


Werkzeuge und Geräte

Esse mit Blasebalg (wurde mitunter von einem abgerichteten Hund bewegt, der im Tretrad laufen musste)
Nagelstock
kleiner Amboss
Docke (Stappe)
Nageleisen
Hammer
Zange
Schrotmeißel


Abb. Werkzeuge des Nagelschmieds
1761 – [Johann Samuel Hallens]

a Das Nageleisen, worinnen b der Nagel mit einer erhabnen Krone stekkt. In dieser Krone wird der Kopf auf den Nagel mit dem Hammer umgeschlagen oder gestampft. Darunter, neben dem Ambosse, heist der eiserne Stift Lüster, an dem man den Nagel von unten wieder aus seiner Krone heraus stöst, und weil er noch heis ist, auf die erde fallen läst. c ist der Schmiedeambos. d ist der Blokkmeissel, darauf ein Nagel vom übrigen Eisen abgebrochen wird. e ist der Schmiedehammer zum Nagelschmieden. f die Nagelkluft. g der Schrotmeissel. h eben dergleichen, eine Stange Eisen zu Nägeln der Länge nach zu zerspalten. i der gemeine Nagelhammer von fünfviertel Pfunde, den Nagel zu schmieden.


Produkte der Nagelschmiede

Brettnägel * Sparrennägel * Speichernägel * Lattnägel * Decknägel * Plattnägel * Radnägel * Hufnägel * Schuhnägel * Vollnägel


Nagelschmied

Der Nagler, Niederlande 1568, Amman
“Der Nagelschmid bin ich genannt
Mach eysern Negel mit der Hand
Allerley art’ auff meim Amboss
Kurtz vnde Land, Klein vnd auch Groß
Bühnegel, Schloßnegel’ darzu
Faßnegl, Schuchzweck/ ich machen thu/
Halbnegel/ pfeninnegel starck
Find man bey mit/ an offnem Marck.”


Der Nagler, 1921

Auf der Grenze zwischen Grob- und Kleinschmieden steht der Nagler oder Nagelschmied, faber clavarius, auch Nel-, Neilschmieder und Naler genannt, der Nägel aller Art, bisweilen auch gröbere Haken und Ösen verfertigte und in dieser Tätigkeit auch zum Nadler wurde. In Bayern unterschied man weiße und schwarze Nagler, weil erstere ihre Ware verzinnten oder den Nägeln einen weißen oder gelben Kopf (Hut) auflöteten, während letztere den Nägeln die Eisenfarbe beließen, also dunkele oder schwarze Ware lieferten. In der Rolle der Schmiede der Jungstadt Danzig (von 1387), deren verschiedene Arten alle in einer gemeinsamen Zunft vereint waren, bestand das Meisterstück der “Buthelores” darin, einen “Tengel” (d.h. wohl ein gedengeltes Sichelblatt), einen Voll- und einen Plattnagel zu liefern.
Die in den Augen fallende und für den Zuschauer hübsch anzusehende Tätigkeit des Naglers hat m.M.n. viel dazu beigetragen, daß öfters Gassen besonders nach diesem Gewerke benannt worden sind, obwohl es sich nie einer sonderlich starkenBesetzung erfreut hat. So begegnen wir u.a. einer Nagelschmiedegasse in Hagenau (Elsaß) und in Wasserburg a.I., einem Nagelschmiedegang in Lübeck, der jetzt allerdings eingegangen ist und in Braunsberg einem Nagelschmitstor (1635). Zahlreicher noch sind die Naglergassen, die durch das häufige Schwanken ihres Namens in früher Zeit uns auf die enge Verwandtschaft des Nagler- und Nadlergewerbes hinweisen.

aus: Erwin Bolckmann: “Alte Gewerbe und Gewerbegassen”, 1921

Nagelschmied
1699 [Weigel]

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Patente

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