Die Nadler

Farbfoto: Stecknadeln in einer Diagonale festgesteckt

Die Nadler waren einen Art Feinmechaniker und stellten Näh-, Strick- und Stecknadeln und kleine Haken – z.B. zum Angeln – und Ösen her. Die Stecknadeln wurden meist aus Messingdraht, Nähnadeln eher aus Eisen- und Stahldraht hergestellt. Durch Ausglühen wurden die Nadeln so gehärtet, dass sie noch elastisch genug blieben. Die Oberfläche wurde durch Beizen und Scheuern geglättet. Seit 1804 werden Nadeln in großen Betrieben verfertigt.

Häufig stellten die Nadelmacher Spezialnadeln für andere Handwerker an. So benötigten die Textilverarbeitenden Nadeln, aber auch Berufe wie Ärzte, Schuster und Sattler.


Berufsbezeichnungen

Nadler, Nadlerin, Nadelmacher, Nodelmacher, Noldener, Noldmacher, Heftelmacher, Gufener, Heftleinmacher, Häftleinmacher (bayr.), Nuldener, Nadelschmied, Spängler (öster.), neteler (veralt.), natteler (veralt.), nodler, netlere, Nätler, Naldener (älteste Form)

in anderen Sprachen
Bulgarisch:игла машина
Englisch:needle maker
Esperanto:kudrilo farinto
Französisch:fabricant aiguille
Isländisch:nál framleiðandi
Italienisch:creatore di ago
Lateinisch:factorem foramen acus transire
Niederländisch:naald maker
Portugiesisch:fabricante de agulha
Rumänisch:filtru de ac
Russisch:игла производителя
Schwedisch:nål kokare
Slowenisch:igle za kavo
Spanisch:fabricante de la aguja
Türkisch:iğne yapımcısı
Ungarisch:tű készítő

Berufsgruppe: Feinmechaniker
Spezialisierungen: Stecknadelmacher (Spener), Nähnadelmacher
verwandte Berufe: Drahtzieher, Drahtschmied, Nagler


Nadler im 17. Jahrhundert

Menschen arbeiten in einer Werkstatt
1694, Niederlande – [Jan van Luyken]

Nadler im 18. Jahrhundert

alter Stich: vier Männer arbeiten in Nadlerwerkstatt
1761 – [Johann Samuel Hallens]

Die Vignette zeichnet den Nadler, wie er sitzend bei der Wippe die Nadelköpfe auf die Nadeln aufstampft. Ein Gehilfe schneidet mit der großen Schere die Köpfe ab; und ein anderer spitzet die Nadeln auf dem Spitzringe zu.


Nadler im 19. Jahrhundert


Der Nadler, 1921

„Der Nadler (acicularius, acufex), auch Nodel-, Bolden-, Nold-, Nadelmacher oder Nätler genannt, verfertigte Näh- und Stricknadeln, aber auch Stifte, Hefteln, Häkchen aus Draht u. dergl. Die älteste Bezeichnungsform dieses Handwerks war übrigens ‚Naldener‘ von nalde di. Nadel (anord. nál, mndl. naelde, ndl. naald), wie denn auch die Nadelbüchse ehemals Naldevas hieß. In Schlesien findet sich im 15. Jahrhundert die Form: navler oder naeler, die allerdings mehr für den Nagelschmied, den Nagler, als für den Nadelmacher gilt. In Ulm werden sogar Panzer- und Nadelmacher (also sozusagen Krieg und Frieden!) zusammen genannt und in Lüeck erteilt der Rat 1356 den ‚Netelern“ eine eigene Rolle. Vereinzelt erscheinen nadler auch unter der Bezeichnung Gufener (Guffer), abgeleitet von gufe oder glufe=Nadel, Heftel.
Die Nadlergasse in Breslau, ein altes, enges Gäßchen zwischen Schmiedebrücke und Oderstraße, hat in der Benennung bis ins 19. Jahrhundert vielfach geschwankt. […]
Die Naglergasse in Wien, eine der ältesten der Stadt, hieß zuerst ‚unter den Nadlern‘, weil die Gilden der Nadler und Nagler nach der Zunftordnung von 1378 dort ihr Gewerbe ausübten. […]
So finden wir z.B. eine Nadlergasse noch in Wernigerode sowie in Stuttgart, einen Nadlergraben in Nürnberg (wo übrigens seit 1365 auch die Stecknadeln verfertigt werden!), dagegen in Köln eine Nedlergasse und in Danzig eine Nätlergasse, die zwischen 1361 und 1367 als platea acuficum (=Nadelschmiedgasse) aufgeführt wird, wobei aber zweifelhaft bleibt, ob dieser Name gerade die heutige, in der Altstadt belegene Gasse bezeichnete. […]
In Lübeck gab es bis vor Kurzem noch einen Nädlerschwibbogen, einen unterhalb des Rathauses belegenen Durchgang zum Markte, in dem (seit 1343) den ‚Natelern‘ ihre Verkaufsstätte angewiesen war. […]“

aus: Erwin Bolckmann: „Alte Gewerbe und Gewerbegassen.“, 1921


Werkzeuge der Nadler

schematische Abbildung von Werkzeugen
1761 – [Johann Samuel Hallens]

Auf der Instrumentenplatte ist
Fig.1. Die Schrotscheere, welche bei unsern Nadlern in einem Klozze fest stekkt und herabhängt.
Fig. 2. Der grosse Schraubestokk.
Fig. 3. Die Fizzange, die Nehnadeln feste zu halten.
Fig. 4. Der Hammer.
Fig. 5. Der Drillborer.
Fig. 6. Schiesklinge oder Dratmaas, die Dickke eines Drates zu suchen.
Fig. 7. Fizzange zu den Nehnadeln, mit dem Ueberwurfe.
Fig. 8. Polirhammer.
Fig. 9. Feile.
Fig.10. Fizzfeile zu den Nehnadellöchern.
Fig.11. Grosse Biezange.
Fig.12. Kleine.
Fig.13. Halszange.
Fig.14. Beizange.
Fig.15. Dergleichen.
Fig.16. Knopfschere, liegend und feste im Klozze.
Fig.17. Senkambos zu den Schnallenzungen.
Fig.18. Ambos, die Haken darauf flach zu schlagen.
Fig.19. Handschraubestokk.
Fig.20. Schaftmodel, alle Nadeln darinnen gleichlang abzuschneiden.
Fig.21. Richtholz, den krummen Drat zwischen den Stiften gerade zu richten.
Fig.22. Knopfrad, worauf man den Drat für die Knöpfe zu Gewinderöllchen spinnt.
Fig.23. Spizzrad, Nadeln zu spizzen, an dem Spizzringe, der von Stal ist.
Fig.24. Knopfholz, zwischen dessen Stiften man den Drat von der Siebe aufs Spinnrad hinleitet.
Fig.25. Hölzernes Model, die Stulfedern darauf zu winden; es kann in der Mitte von einander geschroben werden.
Fig.26. Dergleichen mit der Schienenbank.
Fig.27. Model zu den länglichen Schakenketten.
Fig.28. Model von Holz zu den kleinen Vogelbauern.
Fig.29. Dergleichen zu den Kefigen für die Papagaien.
Fig.30. Siebe oder Dratwinde, von der man den Drat abwindet.
Fig.31. Kamm zum Dratwinden.
Fig.32. Der Dratweberstul, daran a der dräterne Aufzug, b der Kamm mit seinen geschlizzten Augen in der Mitte der Zähne, c ein bereits fertig gewebtes Ende.
Fig.33. Eiserne Pfanne.
Fig.34. Die Verzinnkruke mit der Stürzze bedekkt.
Fig.35. Ein einziger Kartätschenhaken zu den Streichkartätschen.
Fig.36. Die Klopfe, um das Pappier zu den Nadelbriefen in der Spalte dieser Klopfe zu brechen, und die Nadeln längst den Rinnen ins Pappier einzustechen.
Fig.37. Die Wippe, um Knöpfe auf die Nadeln zu stampfen, daran a der Oberstempel, b der untere, der mit einer Grube, worinnen der Nadelkopf zu liegen kömmt; c die Bleikugel, welche mit dem mittleren Queerrame in der Fuge der Ständer auf und nieder steigt, sobald sie durch den Steigbigel d gehoben wird.
Fig.38. Eiserne Kelle.


Produkte der Nadler

  • Nadeln: Heftnadeln, Nähnadeln, Schneidernadeln, Schusternadeln, Stecknadeln, Stricknadeln, Sicherheitsnadeln, Hutnadeln, Haarnadeln, Häkelnadeln, Strickmaschinennadeln, Nähmaschinennadeln, Markiernadeln, Tapeziernadeln, Stopfnadeln, scharfe Nadeln nach Karlsbader Art
  • Drahtgitter: Fliegengitter, für Kellerfenster
  • Haken, Ösen, Schnallen
  • Ketten
  • Vogelkäfige

Stecknadeln

Nähnadeln

Nähnadeln auf Pappkärtchen
DDR

Nähmaschinennadeln

Katalogseite mit vielen Nähmaschinennadeln
1886, USA/Springfield

Stricknadeln

Papiertüten mit Stricknadeln
DDR/Ichtershausen

Hut- und Haarnadeln

Sonstige Nadeln


Sprüche und Redewendungen

  • Eine Nadel kann man nicht unbemerkt in einem Sack behalten.
  • Die die Nadel weiß zu führen, kann sich nach Belieben zieren.
  • Die Nadel ernährt den Schneider.
  • Ein Nadel ist ein gering Ding, wer sich dran sticht, dem thuts weh.
  • Die Nadel bahnt dem Faden den Weg.
  • Wenn die Nadel den Weg verfehlt, so ist der Stich umsonst.
  • Nach einer Nadel ist leicht bücken, man kann damit sein Hemde flicken.
  • Es ist schwer, eine Nadel in einem Heuschober zu finden.
  • Eine Nadel macht keinen Strumpf.
  • Wer eine Nadel im Scheuntor stecken sieht, strauchelt leicht über einen Besen vor den Füßen.
  • Nadeln und Flöhe machen beide oft Wehe.
  • Wer eine Nadel stiehlt, wird auch bald Rock und Mantel stehlen.
  • Eine Nadel ohne Spitz‘ ist nicht viel nütz.
  • Wo die Nadel durchgeht, geht auch der Faden durch.
  • Wie auf Nadeln sitzen.
  • Die Nadel zieht den Faden und der Faden die Nadel.
  • Eine Nadel im Heuhaufen suchen.
  • Hätten wir eine Nadel gesucht, wir hätten sie gefunden.
  • Er hat bei mir noch etwas auf der Nadel.
  • Keine Nadel zwischen Meer und Himmel stecken können.
  • Es ist mit der heißen Nadel genäht.
  • Die Nadel hat eine kleine Spitz‘, macht aber oft ’nen großen Ritz.
  • Die Nadel kleidet die Leute und ist selber nackt.

Nadelfabriken


Bücher


Museum

  • Nadelmuseum und Nadelfabrikation Barendorf in Iserlohn
  • Forge Hill Nadelmuseum in GB, England, Redditch
  • Nadelmuseum Ichtershausen in Thüringen

drei Reklamemarken
Nürnberg – [Norica]