Der Hutmacher

drei Hutmacher fertigen Hüte an
Hut

Die Hutmacher machen selbstverständlich Hüte, darüber hinaus jedoch auch diverse andere Kopfbedeckungen. Huter, wie sie vielerorts genannt wurden, sind höchstwahrscheinlich aus dem Weberhandwerk hervorgegangen.

sw-Zeichnung: Hutmacher mit mehreren verschiedenen Herrenhüten vor sich auf dem Tisch

Traditionell waren Hutmacher männliche Hersteller von Herrenhüten.
Für Damenhüte hingegen waren Modisten zuständig, die – obgleich überwiegend – nicht ausschließlich weiblichen Geschlechts sein mussten.
Hüte aus Leder oder Fell wurden vom Kürschner hergestellt.
Zulieferer für alle drei Berufssparten war der Hutformenbauer.
Filzermeister werden seit dem 14. Jahrhundert erwähnt.  2 bis 3 Jahre Lehrzeit und ebenso viele Jahre für die Wanderschaft waren den Gesellen vorgeschrieben.


Berufsbezeichnungen

Hutmacher, Hutmacherin, Huter, Hüter (nieders.), Huterer, Hutaufstutzer, Hutschmucker, Hutwirker, Hutwalker, Loderer
veraltet: hudemecher, hoeymeckers, hoidmecher, hudmacher, hothmaker, huetmacher, huttmacher

Berufsfamilie: Textilbranche
Spezialisierungen: Filzhutmacher (Filzer, Filzermeister), Strohhutmacher
verwandte Berufe: Hutformenbauer, Modist

Foto: zwei Hutmacher mit einem Stapel Hüte
1928, Luton

Zunftzeichen der Hutmacher


Die Herstellung der Hüte

Vier Hutmacher arbeiten in der Werkstatt und streichen Hüte glatt
Im Bügelsaal, 1892 – [Horstig]

Als Filzrohstoffe dienten Wolle, Hasen-, Kaninchen-, Otter- und Biberhaar.
Zur Gewinnung einer Filzmasse gab man das Haar zuerst in einen sog. Fachbogen. Dieser wurde zum Schwingen gebracht, wodurch die Haare aufgewirbelt und durchgepeitscht wurden. Nach und nach bildeten die Haare eine flaumige Schicht, die durch ausgeübten Druck einen ersten Zusammenhalt bekam. Diese Masse wurde in eine dreieckige Form gebracht und weiter verdichtet. Anschließend erfolgte das eigentliche Filzen mittels Feuchtigkeit, Wärme und Druck.
Aus dem so gewonnenen Filzstumpen wurde durch Walken, Rollen und Bürsten der Hutrohling geformt. Dieser wurde dann mehrfach gefärbt und getrocknet … nochmals gekocht und rein gestrichen … durch Leim gesteift und wasserdicht gemacht … wieder getrocknet, gebügelt und gebürstet. Zu guter Letzt konnte dann das Futter eingenäht, die Krempe gesäumt und der Hut mit einem Band und ggf. mit Federn oder anderem Zierrat versehen werden.

Das Färben der Hüte

In der Werkstatt eines französischen Hutmachers
1783, Frankreich [Benard Direat]

Das Pressen

zwei Hutmacher stülpen den Filz über Hutformen
Pressen der Hüte, 1892

Das Anpassen der Strohhüte

Der vorbereitete, bereits geflochtene, Hutrohling wird lose auf die passende Hutform gesetzt und mit einem Lappen befeuchtet, um das das Stroh weich und flexibel zu machen. Anschließend wird das Hutmodel fest über die Hutform gezogen. Der Rand des zukünftigen Hutes wird mit Nadel an der Form festgesteckt, um ihn richtig zu spannen. So wird er getrocknet und erhält danach noch ein hübsches Hutband.


Werkzeuge und Hilfsmittel

Hutspanner, Hutmodel (meist aus Holz), Maßring

Materialien:  Filz, Stoff, Leder, Pelz oder Stroh


Berufskrankheiten

Das im Scheidewasser enthaltene Quecksilber und Arsen führte zu typischen Berufserkrankungen wie Gliederzittern und Lähmungen.


Hutarten und Hutformen

Baseballcap, Baskenmütze (Barett, Berett), Chapeau Claque, Damenhut, Fez, Filzhut, Gartenhut, Herrenhut, Jägerhut, Kalabreser, Kappe, Klapphut, Matrosenmütze, Melone, Panamanhut, Pelzmütze, Schlapphut, Strohhut, Tirolerhut, Zipfelmütze, Zylinder


Hutanprobe


Hutmacher in Asien

kolorierte alte Postkarte: koreanischer Hutmacher
Korea

Zeitungsartikel


Sprüche und Redewendungen

  • Wenn er ein Hutmacher geworden wäre, so kämen die Leute ohne Kopf zur Welt.
  • Alte Hüte lieben das Grüssen nicht.
  • Besser den Hut ziehen als den Beutel.
  • Einen neuen Hut zieht man gern.
  • Mag der Hut zum Teufel gehn, bleibt der Kopf nur stehn.
  • Für jeden Hut gibt’s einen Kopf.
  • Alles unter Einen Hut bringen.
  • Besser den Hut verloren als den Kopf.
  • Den Hut schlägt man, und den Kopf meint man.
  • Der Hut will klüger sein als der Kopf.
  • Ein Hut passt nicht auf alle Köpfe.
  • Unter einem runden Hut schmeckt der Kuss noch mal so gut.
  • Wer einen zu grossen Hut aufsetzt, dem fällt er in die Augen.
  • Er nimmt den Hut vor jedem Laternenpfahl ab.
Werbefigur Hutmacher
1923
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