Der Böttcher ist ein Handwerker, der Bottiche, Fässer und diverse andere Holzgefäße für die Nutzung im Haushalt, zur Aufbewahrung und für den Transport herstellt.

Böttcher, Fassmacher, Handwerker, Küfer

1742, Frankreich/Paris

Für die mittelalterlichen Hanse waren die Produkte des Böttchers unentbehrlich. Sie waren eine praktische und stapelbare Verpackung und für den Transport jeglicher fester und flüssiger Ware – wie z.B. Wein, Bier, Butter, Fisch, Fleisch, Getreide, Salz und Zucker – geeignet.

Das Handwerk der Grossböttcher erforderte erhebliche Kraftanstrengung, besonders für das Biegen der Fassdauben und das Binden der Fässer. Aus diesem Berufsstand entwickelte sich die Zunft der Kleinböttcher, die Haushaltsgeräte aller Art herstellten: Becher, Bottiche, Eimer, Kannen, Kübel, Wannen und Waschzuber. Die Ausbildung zum Böttcher dauert sehr lange, da es ein sehr schwer zu erlernendes Handwerk ist. In England betrug die Lehrzeit zuletzt fünf Jahre. Der Böttcherberuf ist ausgestorben, da die Holzfässer von den mit Maschinen zu produzierenden Metallfässern abgelöst wurden. Nur vereinzelt werden noch Holzfässer in Tradionsbetrieben verwendet. Diese nutzen aber die noch vorhandenen und könnten bei Reparaturbedürftigkeit der Fässen schnell in die Verlegenheit kommen, niemand dafür Ausgebildeten mehr vorzufinden.


Berufsbezeichnungen der Böttcher

Bareler, Bättcha, Beitjer, Biener, Binder, Binter, Boddeker, Böker (Nieders.), Börker, Böttcher, Bötjer (Nieders.), Böttjer, Böttker, Bürker, Büttner, Chüafer, Chüeffer, Einleger, Fasser, Fässler, Faßbänger, Faßbenner, Fassbinder, Faßlbinder, Fäßlerod, Fassmacher, Fatmoker, Gantner, Grobbinder, Käfer, Keifer, Kiafer, Kiefer, Kifer, Kimker (Bremen), Kimmer, Kübler, Küfer, Küfner (Würtenberg), Küper, Kymer (Hamburg), Ligelner, Püttner, Schäffler, Scheffler, Schoffner, Sesterer, Staufer, Tünnenbüker, Wahner, Waner,

Cooper (engl.), Bodker (dän.), Tonnelier (franz.)



spezielle Fassbinder

Rotbinder binden Buchenholzfässer
Schwarzbinder binden Eichenholzfässer
Weissbinder binden Nadelholzfässer


Zunftzeichen der Böttcher

Böttcher, Küfer, Fassbinder, Zunftwappen, Handwerk


„Holzverarbeitende Handwerker gab es schon frühzeitig. Anfangs wurden sie in unseren Breiten alle als ‚Zimmermann‘ bezeichnet; ab dem 13. und 14. Jahrhundert unterschied man sie nach und nach. Der Zimmermann führte nur noch Arbeiten aus, die unmittelbar den Hausbau betrafen. Der Schreyner und Kästner stellte Möbel her, der Tischler fertigte alle feineren Holzarbeiten, der Böttcher – regional auch Küfer, Büttner oder Schäffler genannt – die Holzgefäße.
Haus- und Landwirtschaft hatten einen großen Bedarf an Gefäßen aber auch zahlreiche Gewerke, so die Gerber, Färber und die Brauer. Die Kaufleute benötigten Packfässer. In den Weingegenden stellten die Küfer Tragebutten für die Weinernte und Weinlagerfässer her, für deren Pflege sie ebenfalls verantwortlich waren. In jener zeit, als es noch keinen Scheck- und Giroverkehr gab, fertigten die Böttcher auch Geldfäßchen. Mit Münzen gefüllt transportierte man sie sorgfältig versiegelt und oft gut bewacht, in der Postkutsche dorthin, wo große Zahlungen zu erfolgen hatten.
Holz ist der Hauptwerkstoff der Böttcher. In der Vergangenheit suchten sie sich das Holz im Wald selbst aus und richteten es in der Werkstatt für ihre Zwecke zu. Von den einheimischen Hölzern verarbeiten sie vorrangig Eiche, Lärche, Kiefer und Fichte. Zu den großen handwerklichen Leistungen der Böttcher zählen die kunstvoll gearbeiteten Riesenfässer des 18. und 19.Jahrhunderts. Es mutet heute fast unglaublich an, daß sie ohne Maschinen, nur durch handarbeit entstanden. Als das schönste Weinfaß, das je im deutschsprachigen Raum gefertigt wurde, wird allgemein jener Faßriese bezeichnet, den August der Starke für die Festung Königstein erbauen ließ. Es faßte 249838 Liter und hatte obenauf eine geländergefaßte Tanzfläche. Das Faß bestand aus 157 dauben und 54 Bodenstücken sowie 32 Eisenreifen von dener jeder 7 Zentner wog. Der Bau dieses Fasses, das nicht mehr existiert, dauerte 3 Jahre.
Das ebenfalls bekannte Faß der Freyburger Rotkäppchen-Sektkellerei faßt 120000 Liter.
Im Laufe der Zeit mußten die Böttcher viele ihrer althergebrachten Fertigungen stark einschränken oder sogar einstellen, denn Wasserkannen braucht niemand mehr, Melkeimer und Milchkannen bestehen aus Blech, die Brauereien füllen ihr Bier in Metallfässer…. Holzfässer bis zu 200 Liter Inhalt entstehen heutzutage zum größten Teil industriell.
Viele Böttchereien haben sich deshalb die Herstellung raumschmückender Gegenstände aus Holz zugewandt.“
[Bernd Wurlitzer: Historische Werkstätten, Berlin 1989]


Böttcher,  zünftige Handwerker, die 3–5 Jahr lernen, auf der Wanderschaft Geschenk erhalten u. als Meisterstück eine Kufe, ein Faß u. einen Eimer mache

n. Sie sind entweder Groß- (Schwarz) binder (in Weinländern Küfer), welche nur große Bottiche u. Tonnen aus Eichenholz verfertigen u. zugleich die Behandlung des Weins verstehen; od. Faßbinder (Weiß-, Klein-, Rothbinder, Büttner, Kübler, Küper, Fäßlerod. Schäffner), welche nur kleine Gefäße aus weißem, weichem od. rothbuchenem Holze verfertigen. Als Material gebraucht der B. zu seinen Arbeiten das Böttcherholz, dazu gehört das Reif-od. Bandholz u. das Dauben-, Faß-, Stab- u. Bodenholz; die besten Faßstäbe werden aus Eichenholz, geringere aus Eschen-, noch geringere aus Buchen-, Tannen-, Fichten- u. Lerchenholz gefertigt […] Unter Karl d. Gr. scheinen hölzerne Fässer zuerst aufgekommen zu sein, vorher bewahrte man Wein u. Bier in irdenen Gefäßen von mannichfacher Form auf, zum Versenden von Flüssigkeiten bediente man sich lederner Schläuche, die schon in den ältesten Zeiten dazu verwendet wurden. Unter dem Namen Kufner treten die Böttcher 982 zum ersten Male in Strasburg auf, später findet man sie als Büttner (1146) u. Küster (Operarii vasorum) aufgeführt. Nach einem Berichte von 1271 wurden die Küfer damals in Wanner- u. Faßbinder eingetheilt, im 14. Jahrh. führten sie auch den allgemeinen Namen Binder. Im 16. Jahrh. gelangte das Böttcherhandwerk zu einer hohen Vollkommenheit …“
[Auszug aus Pierer’s Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg, 1857]

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Herstellung der Fässer

zur Herstellung eines Eichfasses und zu verwendender Werkzeuge ist Folgendes zu lesen in Pierer’s Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg, 1857:

„[…) Eichenholz wird nach dem Spalten mit dem Veil, weiches mit dem Schnitzmesser bearbeitet. Um ein Faß zu verfertigen, erfolgt zunächst das Behauen der rohen Stäbe od. Dauben mit dem Breitbeil aus dem Groben. Die Dauben sind die einzelnen Stücke, aus welchen die Seitenwand eines Gefäßes zusammengesetzt ist. Das Holz wird erst von dem Kleinklieber mit dem Kliebeisen, einem großen starken Messer, zu Dauben gespalten u. der B. bearbeitet die Dauben dann mit dem Rauh- u. Glatthobel; die innere Fläche wird durch Beschneiden mit dem Krummeisen (Dächsel), einem krummgebogenen Schnitzmesser, auf der Schneidebank ausgehöhlt, diese Aushöhlung aber mit dem Haken, einem runden Brettchen, abgemessen. Wenn die Dauben auf der äußeren Seite convex, auf der anderen concav geschnitten werden, so nennt man das Radschneiden. Die Fugen od. Seitenkanten der Dauben werden auf der Bottichbank durch Abhobeln berichtigt u. später mit dem Glatthobel geglättet. Ist dies geschehen, so beginnt das Errichten (Aufsetzen, Aufschlagen). Dabei werden zunächst 4 Dauben gleichweit von einander senkrecht in einen Kreis gestellt u. diese mit dem Bandhaken, einem auf einer Seite hakenförmig gebogenen Eisenstab, an welchem ein entgegengekrümmter Haken (Läufer) hin- u. hergeschoben werden kann, zusammengehalten. Nun werden von außen die Feuerbänder befestigt u. zwar von oben das Hauptband, mittelst gabelförmiger hölzerner Aussetzkloben (Klampen); dann werden die anderen Dauben noch eingesetzt u. der Reif mit einem hölzernen Schlägel, dem Böttcherschlägel (Bach hain), od. mit einem kleineren, dem Treibhammer, heruntergetrieben, damit die Köpfe, d.h. die Enden derselben, dicht zusammenkommen. Dann wird ein 2. weiterer Reif (Halsband) mehr gegen die Mitte aufgetrieben, auch vielleicht noch ein 3. (Bauchband); hierdurch biegen sich die Dauben der Länge nach u. so entsteht der Bauch des Fasses. Zur Erleichterung dieses Biegens befeuchtet man die Dauben äußerlich mit Wasser u. macht ein Feuer mit Hobelspänen im Innern des Fasses an (Ausfeuern). Kommt vielleicht bei diesem Binden eine od. die andere der Dauben aus der gehörigen Richtung, so wird dieselbe mit dem Binko, einem kleinen hölzernen Hammer mit langem Stiele, wieder hineingetrieben. Nachdem so der obere Theil des Fasses gebunden ist, wird an die unteren Enden der Dauben die Schraubenwinde angebracht. Diese besteht aus einem starken hölzernen Rahmen, in welchem ein Querriegel mittelst einer Schraube verschiebbar ist; an diesem Riegel ist ein starkes Seil befestigt, welches um die Dauben des Fasses geschlungen wird; indem man nun den Querriegel mittelst der. Schraube zurückzieht, wird das Seil straffer angezogen u. die Dauben werden zusammengepreßt; od. man gebraucht auch statt der Schrauben- die Halbemond-(Mond-)winde, welche aus einem halbmondförmigen Stück Holze besteht, an dessen beiden Enden ein Strick angebracht ist, welcher um die Dauben geschlungen wird, u. dessen eines Ende mittelst einer an dem Holze angebrachten Schraube od. Walze straff angezogen werden kann. Das Faß wird nun mit der Winde zugleich umgedreht, u. diese untere, nun obere, Hälfte ebenfalls mit Reifen versehen. Jetzt beginnt das Enden, d.h. die Dauben werden oben u. unten gleich geschnitten; dabei wird das Faß in den Endstuhl, eine Art Schraubestock, gelegt. Das Behauen im Innern geschieht mit dem Beil, das Beschneiden mit dem Krummeisen u. das Abhobeln u. Glätten mit dem Gerbehobel, womit die Stelle, wo die Zarge eingeschnitten werden soll, rund gehobelt wird, u. mit dem Schabeeisen, einem dem Dächsel ähnlichen Schneidemesser, so wie mit der Stockschabe, einer Art krummgebogenem Messer. Der Boden wird nur bei kleinen Gefäßen, z.B. bei Eimern, aus 1 Stück gemacht, bei größeren wird er zusammengesetzt u. dann eingesetzt. Dazu sind die Enden des Bodenkreises von beiden Seiten etwas schräg geschnitten od. glatt u. dünn gehobelt, doch weniger von außen als von innen; dieser dünnere Rand kommt dann in die auf der inneren Seite der Dauben befindliche Furche (bei großen Gefäßen Kimme, bei kleineren Gefäßen Kröse od. Gargel). Um die Dauben in ihrer runden Gestalt zu erhalten, bis der Boden eingefügt ist, dient ein Reif (Spannreif). Jetzt beginnt das Streifen, d.h. die Reisen werden abgenommen u. das Faß wird nun von außen mit dem geraden Streifhobel geglättet; dann folgt das Beschlagen, d.h. die nöthige Zahl Reise wird mittelst des Treibers, eines keilförmigen Stückes Holz, wieder darauf getrieben. Sind die Reise etwas eng, so werden sie mit dem Kloben od. Bandhaken, einem auf einem Stück Holz beweglichen Haken, auf das Faß gezogen. Die hölzernen Reise selbst werden aus Stangen u. Schößlingen von Birken, Weiden, Eschen etc. gemacht; das Ausschneiden geschieht mit einem Schneidemesser, dem Gratheisen. Die innere Seite der Reise wird mit dem Reifmesser, einem Schneidemesser mit gerader od. auch etwas gebogener Klinge, glattgeschnitten, der Einschnitt an beiden Enden eines Reises, mit welchem dieselben zusammengehängt werden, heißt Kerbe (Schloß). Oft geschieht mit dem Beschlagen mit Reisen zugleich das Verrohren (Schilfen), d.h. in die Bodenkimme od. auch zwischen die Dauben der zusammengedöbelten Gefäße wird Rohr, Schilf od. Werrig eingelegt, damit sie durch das Zusammentrocknen nicht so leicht das Wasser durchlaufen lassen. Hierauf erfolgt das Zapfen- (Spund-) lochbohren mit einem großen Centrum- od. Löffelbohrer, od. dasselbe wird auch bei großen Fässern mit einer Lochsäge ausgeschnitten. Manche Gefäße werden auch noch mit Pech ausgegossen (ausgepicht). …“


Fassfabrikation mit Maschinen


Fässer, Böttcher

Produkte der Böttcher

Geldfäßchen, Holzfässer, Holztröge, Kübel, Melkeimer, Milchkannen, Waschbottich, Waschzuber, Wasserkannen, Weinfässer, Weinlagerfässer

Die bauchige Form des Fasses ermöglich, dass das Gefäß dicht abschließt. Außerdem hat dies den Vorteil, dass es, auch wenn es sehr schwer ist, rollend leicht vorwärtsbewegt und mit einer geschickten Bewegung hochgekantet werden kann.

 


Werkzeuge und Hilfsmittel der Fassbinder

 

Arbeitsreifen, Bandhaken, Beil, Centrumbohrer, Gratheisen, Hammer, (Gerbe)Hobel, Kloben, Krummeisen, Löffelbohrer, (Reif)Messer, (Loch)Säge, Schabeeisen, Schnitzbank, Stockschabe, Winde, Zirkel


 


Humor

Fassbinder, Zeichnung, Böttcher

Der kleine Fassbinder, 1883

„Ich bin ein Bütner,
und mach stolz,
Förhen, Tennen,
Eichen Holz,
Badwan, Schmalzkübl
scheffel un geltn,
Die Bütten und Weinfässer
weltn,
Bier Fässer machn,
bichen und binden,
Waschzübr thut man
bey mir finden,
Auch mach ich Lägl,
Fässer und Stübch,
Gen Franckfurt,
Leipzig und Lübig.
(aus Hans Sachs, Das Ständebuch, 1568″

 

 

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