Die Rotfärber

Berufsbezeichnungen

Rotfärber, Rotfärberin, Rotferber, flammearius

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Spanisch:tintorero rojo
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Ungarisch:ruhafestő piros

Berufsfamilie:  Färber
verwandte Berufe: Schwarzfärber, Blaufärber, Stoffdrucker

Gefärbt wurde zum Beispiel mit dem Rotfärberkraut.


Das Rotfärben

„[…] Mit all diesen Umwegen ist aber die Indigofärberei noch fast ein Kinderspiel gegen die schwierige Kunst, ein echtes ‚Türkischrot‘ zu erzeugen. Darunter ist nicht etwa ein bestimmter Farbton oder Farbstoff zu verstehen, sondern ein eigentümliches Verfahren, das allerdings prächtige rote Nuancen ergibt, besonders beliebt für bettinlets, aber auch für Kopf- und Schnupftücher, weil die so gefärbten Gewebe wasch-, licht-, luft-, säure- und alkaliecht sind. Als Farbstoff dient Krapp oder neuerdings künstliches Alizarin. Die Hausfrau, die vielleicht einmal ein Paar Strümpfe oder gar ein Kleid mit den in der Drogerie erhältlichen Stoffarben gefärbt hat, würde sehr verblüfft sein, wenn sie sähe, wie umständlich dagegen ein dem hier aufgeführten Falle vorgegangen wird. Befremdet es schon, daß die Gewebe zuerst mit verseiftem Rizinusöl vorbehandelt werden, so überraschen noch mehr die weiteren Zutaten: Rinderblut oder gar – ja, es muß ausgesprochen werden: Kuhdung (weshalb große Färbereien früher oft eigene Kuhställe unterhielten). Die Meinung über seinen Wert gehen allerdings auseinander; es gibt Neuerer, die den Kuhdung durch andere Stoffe ersetzen, aber alte gewiegte Fachleute schwören noch heute darauf. Im Vorigen Jahrhundert beschäftigte sich sogar die Pariser Akademie der Wissenschaften eingehend mit der Frage und setzte Preise für die beste Beantwortung aus, doch war volle Aufklärung bis heute nicht zu erlangen. Zur Beruhigung empfindsamer Gemüter sei verraten, daß durch die nachfolgenden Bäder, Wäschen und Behandlungen nicht die geringste Spur dieser eigenartigen Naturchemikalie auf der Faser bleibt. Warum sollte man übrigens schaudern vor der industriellen Verwertung eines Grundstoffes, mit dem unsere schmackhaftesten und gesündesten Gemüse gedüngt sind?
Die letzte Brillanz erhält das Türkischrot schließlich indem die Gewebe ‚gedämpft‘ werden, aber eben nur nach der geschilderten Vorbehandlung mit den angegebenen Zutaten. Wobei selbstverständlich jeder Betrieb seine eigenen Kniffe, Pfiffe und Kleinigkeiten dabei beachtet.“

(aus: Bunter Traum aus gewebtem Grund. Aus der Wunderwelt des Stoffdrucks von Karl Kasper, 1937

Farbfoto: roter nasser Stoff
[Foto: Sulamith Sallmann]