Der Schneider verarbeitet textile Stoffe zu Bekleidung.

Schneiderberuf alt und modern auf einer Briefmarke
Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts
wurde Kleidung meist in Klöstern hergestellt
oder bei den einfachen Leuten von Familienmitgliedern selbst.

Erst dann kam nach und nach der spezifizierte Beruf des Schneiders auf und gehört heute zu den handwerklichen Berufen der Textilverarbeitung.

 

 


Berufsbezeichnungen

Schneider,   Kleidermacher   –   veraltet:   Schrader,   Schnyder,   snyder,   snider,   snidir
(schweizerisch)   Schnider,   Nater,   Schröter

Spezialisierungen: Damenschneider, Herrenschneider, Hosenschneider, Incisor, Kolzenmacher, Änderungsschneider, Zuschneider (Meistergeselle des Schneiders?)
verwandte Berufe: Modedesigner, Näher, Lederschneider, Flickschneider


Illu: Schneiderpuppe

Der Schneidermeister hatte meist Gesellen und/oder beschäftigte Gehilfen, die vor allem nähten, dressierten und bügelten. In Frankreich unterschied man im Mittelalter den Schneiderberuf von dem des Nähers (Nähknecht) – aber auch anderswo entstand die auftragsweise Zuarbeit von Männern wie Frauen, denen ausschließlich das Ausführen des Nähens nach Vorgabe obliegt.

Im 19. Jahrhundert fand eine Differenzierung in Damen- und Herrenschneider statt. Mit der Industrialisierrung entwickelte sich aber auch die Produktion der nicht individuellen ‘Konfektion von der Stange’ – die heutzutage meist an Billiglohnländern wie China delegiert wird. Als Antwort darauf enstanden im 20. Jahrhundert neue kreative Berufszweige wie Modedesigner und Modeschneider. Obgleich zahlenmäßig dezimiert, findet man aber auch immer noch die traditionelle Maßschneiderei, die auf besondere Ausführungs- oder Stoffwünsche, wie auch auf von Normgrößen abweichenden Maße individuell auf Kunden eingehen kann. Daneben gibt es auch sogenannte Änderungschneider, die keine Kleidung neu herstellen, sondern lediglich abändern oder ausbessern … desweiteren Lederschneider, die Lederkleidung nähen und Kürschner, die Pelze zu Kleidung verarbeiten.

 


Zunftwappen und Berufszeichen der Schneider


 

drei Schneider in der Schneiderstube

1635 [Jan van Vliet]

“Ursprünglich wurden sämtliche Kleidungsstücke der Familie durch die Hausfrau gefertigt, die ihre heranwachsenden Töchter im Nähen und Zuschneiden unterwies. Auch Mönche stellten ihre einfachen Kutten selbst her. Im 12. Jahrhundert kamen vielfältigere Formen der Kleidung auf, und es entstand der Beruf des Schneiders. Je nach Mode und individueller Größe wurde das vom Kunden in Auftrag gegebene Kleidungsstück zugeschnitten und aus dieser Tätigkeit die Berufsbezeichnung abgeleitet.Der Beruf wurde vorwiegend von Männern ausgeübt. Frauen und Töchter von Schneidermeistern haben oft als Näherin, Flickerin und Büglerin mitgewirkt. Das Zuschneiden der Stoffe war ihnen untersagt, ebenso den Lehrlingen und Gesellen. Weißnäherinnen als Hersteller von Bett- und Tischwäsche wurden nicht dem Schneiderhandwerk zugerechnet. Ein Meister durfte maximal 4 Lehrlinge und Gesellen beschäftigen. Die Gesellen unternahmen keine weiten Wanderungen und suchten sich einen Meister in der näheren Umgebung, wo sie gegen Kost und Logie beschäftigt wurden. Lehr- und Gesellenzeit dauerten insgesamt 4 bis 6 Jahre, und dann konnte das Meisterstück abgelegt werden.Der Schneider benötigte wenig Werkzeug, um seinen Beruf auszuüben. Die Zuschneideschere finden wir seit dem 14. Jahrhundert als Scharnierschere im Wappen als Symbol des Handwerks. Nadeln verschiedener Größe bezog er vom Nadler, Fingerhüte vom Gürtler, und Bügeleisen vom Zeugschmied. Um den Mittelfinger der Hand zu schützen, wenn die Nadel durch den kräftigen Stoff gestoßen wurde, fand ein aufgesteckter Fingerring Verwendung. Das Gewicht der verwendeten Bügeleisen betrug 10 bis 15 Kilogramm. Es gab Volleisen, die man im Bügelofen erhitzte, und Hohleisen, die mit glühenden Bolzen oder Jolzkohle gefüllt wurden. Mit Schnüren oder Papierstreifen wurden die Kundenmaße abgenommen, und danach der Stoff auf dem Schneidertisch zugeschnitten. Nun hockte sich der Schneider im typischen Schneidersitz auf den Tisch, um die Einzelteile mit Leinen- und Wollfäden, später auch mit Zwirn aus Baumwolle oder Seide, zu vernähen.Den Schneidern waren der Handel mit Rohstoffen und eine Vorratsproduktion untersagt. So mussten die Stoffe vom Kunden zur Verfügung gestellt oder vom Tuchscherer bezogen werden.Von wenigen Meistern mit guter Kundschaft abgesehen, war das arme Schneiderlein oft zutreffend. Auf den Land wurden einfache Arbeitshosen auch von Bauern im Nebenerwerb und Kolzenmachern hergestellt. Duch das Verlagssystem mit Konfektionsware gerieten die Schneider in die Abhängigkeit kapitalkräftiger Händler und Fabrikanten. 1860 wurde die Nähmaschine erfunden, und gedruckte Schnittmuster machen es möglich, dass die Schneiderei als Hobby ausgeführt werden kann. Maschinen für den Zuschnitt und das Nähen der Knopflöcher führten zu einer weitgehenden Verdrängung des Handwerkes. So finden wir heute nur noch wenige kleine Betriebe, die teure Maßbekleidung anfertigen oder einfache Änderungen und Reparaturen ausführen.”



Arbeitsorte

Schneiderstube, Schneiderwerkstatt, Schneiderei

 


Handwerkzeuge und Hilfsmittel der Schneider

Schneiderin mit Nähutensilien

[Zeichnung nach Daga Littafin]

Die traditionellen Handwerkzeuge des Schneiders sind von alters her
Nadel, Faden, Schere und Bügeleisen. Außerdem noch die Schneiderkreide (Talk), das Maßband, der Fingerhut, Nähgarn

 

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Wissenswertes & Lustiges

Zungenbrecher

Schneiderscheren schneidet scharf, scharf schneiden Schneiderscheren

Brauchtum

In einigen Gegenden der Schweiz war es Brauch, dass der Schneider des Bräutigams die Gäste zur Hochzeit einlud.


heiliger Schutzpatron der Schneider

Johannes der Täufer

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