Der Leinweber webte in früheren Tagen am Webstuhl Leinentücher in unterschiedlichen Größen aus Leinenfäden. Im 19.Jahrhundert fing man an, das Leinen in Manufakturen industriell zu fertigen. Die Leinenweber wurden mitunter dazu verpflichtet, beim Aufbau des Galgens zu helfen.

Leinenweber, Handwerk, Textilhandwerk

1717, Niederlande [van Luyken]


Berufsbezeichnungen

Leinenweber, Leineweber, Leinweber, Leinenreider, Linnenweber, Leinentuchmacher, Leinentuchweber, Leinenwebersche, Leinenweberin, Leinwanderin, Leinwandweber
linenwever (veralt.), lininweber (veralt.), linnenweuer (veralt.), linweber,  lynewefer, leynweber, leyninweber
Linnewever (niederl.), linen weaver (engl.), tessitore di lino (ital.)
verwandte Berufe: Weber

Leinweber, Leineweber

1820

“Mit berechtigtem Stolz stand die fleißige Bäuerin vor ihrem gefüllten Leinenschrank. Sie mußte die schneeweißen handgewebten Leinenrollen anders hinpacken, um Platz für neue Packen zu schaffen. Die Garnstücke dazu lagen bereits abgezählt da. Nur ließ der alte Leinweber aus dem Nachbardorfe wieder lange auf sich warten. Fast ungeduldig darüber spricht die Bäuerin für sich: ‘Wenn de olle Himmelsfechter doch nu Wort holen wolle!’
Energisch durfte sie ihm gegenüber nicht werden, sonst ließ er sie mit ihrem Garn sitzen. Denn seit die meisten seiner Kollegen ihre Webstühle abgebrochen und sich lohnenderen Beschäftigungen zugewandt, hatte der alte Meister Arbeit in Hülle und Fülle. Wenn er darum seine Kundschaft etwas warten ließ, so wurde ihm das weiter nicht übelgenommen. Schon in der Abendzeit des nächsten Tages erschien der hagere Leinweber mit seinem großen leinenen Sacke, den er gewöhnlich zum Abholen des Garns benutzte. […] Leinweber und Bäuerin hatten sich bald über die Art des zu fertigenden Gewebes verständigt. Mehr als einmal hatte er ihr laut und deutlich gesagt: ‘To’n Packen hört 6 Stiege, un 1 Stiege gisst 20 Ellen!’ Daß er allein zum Scheren eines Gewebes von 3/4 Ellen Breite und 120 ellen Länge 70 Stück Garn gebrauchte, wußte sie aus früheren Jahren noch. Zwei Packen sollten diesmal angefertigt werden. Da der alte Mann alles Garn dazu nicht auf einmal tragen konnte, mußte ihm die Großmagd das übrige am nächsten Morgen zutragen. […] Er ließ es sich nicht nehmen, der wißbegierigen Magd alle Teile des großen altmodischen Webstuhles zu zeigen. Das Gestell bestand aus 4 starken Säulen, die durch Längs- und Querriegel miteinander verbunden waren. Die Kammlade, die an den Längsriegeln aufgehängt war und die sogenannten Geschirre, Schäfte oder Kämme, Breithalter oder Spulen und Schützen bildeten wohl die wesentlichsten Teile am Stuhl.
Auch den Vorgang des Webens erklärte er: Zunächst hatte er die einzelnen Garnstücke nacheinander auf die Winde zu spannen, um dann das Garn von dort auf die Rollen, Pfeifen oder Spulen des Scherrahmens laufen zu lassen. Von den Spulen werden die einzelnen Fäden auf den sogenannten Scherbaum gebracht und zur Kette verarbeitet. Die Kette wird dann aufgebäumt. Sie bildet die Fadengruppe, welche in der Längsrichtung läuft. Die Geschirre, Schäfte oder Kämme tragen zum ordnungsmäßigen Laufen der Kettenfäden bei; denn sämtliche Kettenfäden sind durch sie gezogen und auf sie gleichmäßig verteilt. Mittels eines Trittbrettes werden die Schäfte abwechselnd gehoben und gesenkt und damit zugleich die Kettenfäden für den Durchgang des Schützen oder Schiffchens mit dem Schußfaden auseinandergebreitet. Bei gewöhnlicher Leinwand läuft jeder Schußfaden abwechselnd über oder unter einem Kettenfaden. Der sogenannte Breithalter, ein zweiteiliger verstellbarer Holzstab, dessen Enden Haken zum Einspießen in das Gewebe besitzen, sorgt, wie schon der Name sagt, zur Einhaltung einer gleichmäßigen Breite des Gewebes. Sind etwa 2 Ellen fertig gewebt, so werden zwecks Schlichtens des Gewebes Kammlader und Geschirre zurückgeschoben. An einem Tage kann wohl ein fleißiger Leinweber, je nanch der Güte des Garns, 10-15 Ellen fertigstellen. Um 1870 wurden für die Elle 15 Pfennig gezahlt.
[…]”
(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)

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industrielle Herstellung

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