Kürschner

Jubiläumsdekoration, Leipzig, 1904

Der Kürschner verarbeitet Tierfelle zu Pelzbekleidung
und anderen Pelzprodukten – er ist sozusagen ein Pelzschneider.
Der Kürschner hat seinen Namen vom althochdeutschen Wort kursinna (Pelzrock). Er verarbeitete rohe Felle zu Pelzen (Rauh- oder Rauchwerk). Die Felle wurden vor der Verarbeitung gegerbt (das Haarkleid musste erhalten bleiben), gefärbt (geblendet) und wasserundurchlässig gemacht (gegerbt). Bei der Verarbeitung wurden spezielle Zuschneidemesser, Nähhaken und Fingerhüte benutzt. In Kleiderordnungen war festgelegt, welche Pelze die einzelnen Stände tragen durften. Der Pelz wurde mit der Haarseite nach innen getragen, auch stellten Kürschner Pelzmützen und Handschuhe her. Zur Verarbeitung gelangten Felle von Bär, Dachs, Fuchs, Hamster, Hermelin, Iltis, Kaninchen, Lamm, Luchs, Otter, Schaf, Wolf und Zobel.
Durch den Umgang mit toten Tieren und die Geruchsbelästigung bei der Fellzubereitung durften sich Kürschner nur am Rande der Städte in speziellen Kürschnerhäusern niederlassen. Andererseits gehörten sie als wohlhabende Händler zu den angesehenen Mitgliedern des Stadtrates.
Auf den Märkten in Leipzig, Frankfurt am Main und Braunschweig wurden Rauchwaren gehandelt. Über Breslau wurden böhmische, polnische und russische Pelze importiert. Nordische Pelze gelangten über Danzig und Hamburg nach Deutschland.


Berufsbezeichnungen

Bundmacher, Buntfoder(er), Buntfütterer, Curtzenwerter, Grauwerker (oberdtsch.), Kirschner, Korssenmeister, Körtzner, Kürschner, Kursener, Kürsner, Neyer, Pelzer (nieders.), Pelzmacher, Pelnesser (nieders.), Pelzwerker, Pilser, Pilster (nieders.), Pölter, Wildwerker

Pelletier (franz.), Furrier (engl.), Vaiai (ital.)

verwandte Berufe: Schneider , Gerber


Kürschner


Kürschner

1820


Zunftzeichen der Kürschner

Kürschner, Zunftwappen

Zunftwappen, 18.Jh.

Zunftwappen, Zunftzeichen, Kürschner

1898


„Der Kürschner verarbeitet die oft kostbaren und teuren Pelze zu Jacken und Mänteln, zu Capes, Stolen, Kragen und Krawatten, zu Muffen, Mützen und anderen Kleidungsstücken und Zutaten. Das Schneiden der Felle erfordert viel Erfahrung, das Füttern und Ausführen von Reparaturen und Änderungen muss erlernt werden. Vieler Fachkenntnisse bedarf es auch, um die Eigenart der verschiedenen Fele (zum Beispiel Bisam, Persianer, Nerz, Nutria, Skunks, Marder) zu erkennen, sie richtig behandeln und lagern zu können.
Es braucht einen betonten Sinn für Formen und Flächen, zeichnerische Begabung, Schönheitssinn, daneben geschickte und eher feine Hände, um es in diesem Beruf zu etwas zu bringen. Für den, der ein eigenes Pelzwarengeschäft führen will, sind auch kaufmännische Begabung und ein freundliches Wesen von Vorteil. Lehrzeit in Industrie und Handwerk 3 Jahre.“
(Leber, Willi / Burges, Bernhard: Der junge Mann vor der Berufswahl. 400 Männerberufe. Stuttgart 1966)


Kürschner

1568 [Amman]

Wol her/ich fütter Rock und Schauben/
Mach schürtzbelz/brustthuch/Rehehaubn/
Von Zobel/Marder/Rehe und Luchsen/
Von Hermlein/Ilter/Wolff und Fuchsn/
Von Welschen Kröpffen und Geißseln/
Von Wassien/Rücken/Klawn und Keln/
Wer mir thut seines Geltes gönnen/
Der thut mich allzeit willig finden.


Werkzeuge der Kürschner

Zuschneidemesser, Nähhaken (zum Nähen), Fingerhüte (Fingerringe)


Materialien

Bär, Kanincen, Lamm, Eichhörnchen, Fuchs, Dachs, Hamster, Hermelin, Iltis, Otter, Schaf, Wolf, Zobel


Pelzmode

Große Kunstfertigkeit legten die Kürschner an den Tag, als Pelzkleider Anfang des 20. Jahrhunderts eine Renaissance erlebten. Unendlich viele Arbeitsstunden brauchte es, um solch edlen Stücke zu fertigen – für das (links) abgebildete Nerzkleid wurden z.B. 200 Stunden Gesellenarbeit und 1000 Stunden Näharbeit veranschlagt. Entsprechend teuer, konnte sich solche Kleidung natürlich nur die Oberschicht leisten.


Reklame

Kürschner, Reklamemarke

Reklamemarke, Wien, um 1900/18

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