Die Seidenzüchter.
Seidenraupe, Seidenfaden, Seidenzucht


Berufsbezeichnungen

Seidenzüchter
silkgrower (engl.)
verwandte Berufe:
Seidenspinner, Seidenweber

Seidenzucht in Niedersachsen.
Wie in anderen Gegenden Deutschlands, so war man auch bei uns in Niedersachsen im achtzehnten Jahrhundert auf den Gedanken, Seidenzucht zu treiben.
In Herrenhausen bei Hannover, in Celle, Coldingen, Pattensen und anderen Orten pflanzte man zunächst in größeren Mengen Maulbeerbäume, mit deren Blättern man die Raupen des chinesischen Seidenspinners füttern konnte. Die zahlreichen Eier der Seidenspinner wurden während des Winters in besonderen Kühlräumen aufbewahrt. Im Frühling aber, sobald die Maulbeerbäume ausschlugen, brachte man die Eier in Brutzimmer, deren Temperatur von 0 Grad allmählich bis auf etwa 25 Grad gebracht wurde. Nach zwei Wochen waren die jungen Raupen ausgekrochen, die nun mit Maulbeerblättern aufgehoben und im eigentlichen Aufzuchtsraume auf sogenannte Hürden gelegt wurden. Diese Räume und alle ihre Gegenstände mußten stets recht sauber gehalten werden, um Krankheiten unter den Raupen vorzubeugen. Abgesehen von den Häutungsperioden mußte alle zwei bis drei Stunden gefüttert werden mit Maulbeerblättern, die weder durch regen noch durch Tau feucht sein durften, sonst hatte man ein größeres Sterben unter den Raupen zu befürchten.
nach der ersten Häutung wurden täglich die ‘Betten’ gewechselt, das heißt, die Lager mußten von Blattresten und Kot gereinigt werden, dies geschah mit Netzen oder durchlöchertem Papier. Der Kot fand früher in der Färberei Verwertung. Nach einem Monate waren die Raupen ausgewachsen. Nun bereitete man ihnen ‘Spinnhütten’ aus losen, zwischen zwei Hürden aufgerichteten Bündeln von trockenem Stroh oder Reisig. Nachdem sich alle Raupen in den Spinnhütten eingesponnen hatten, nahm man diese auseinander, sammelte die Kokons und brachte sie in besondere Öfen, in welchen die Puppen durch heiße Dämpfe oder Luft von 60 Grad getötet wurden. Nun wurden die Kokons in heißem Wasser entleimt, wieder getrocknet und dann abgehaspelt. Die Länge der Fäden war ganz verschieden; denn während manche Fäden von 100 Meter Länge liefern, sind andere sogar bis zu 300 Meter lang.
In Spinnereien und Webereien wurde die Seide dann weiter verarbeitet, und zahlreiche Leute hatten auf diese Weise ihren Lebensunterhalt. Besondere Förderung erfuhr die Seidenkultur bei uns in Niedersachsen besonders durch die Landwirtschaftsgesellschaft in Celle und durch das Hannoversche Kammerkollegium.
Aber den erhofften Aufschwung fand die Seidenzucht bei uns trotzdem nicht. das kam einmal daher, daß die Aufzucht der Raupen schwierig war. Etwas Unaufmerksamkeit brauchte nur vorzuliegen, und bald brachen allerlei Krankheiten aus, wie z.B. Körperchenkrankheit, Schlafsucht, Fett- oder Gelbsucht, Schwindsucht usw. dann waren ganze ‘Zuchten’ vernichtet, womit natürlich allerlei Geldwerte verloren gingen.
Ferner wirkten auch die unruhigen Kriegszeiten zu Ausgang des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts lähmend auf die Seidenindustrie ein.
Allmählich schlief die Seidenkultur wieder ganz ein. Nur hier und dort erinnern noch einzelne Maulbeerbäume, Gebäude oder Flurbezeichnungen an jene interessante Zeit.”
(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)


Die Entwicklung der Seidenraupen


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