Der Baumwollarbeiter

altes Foto: Baumwollernte auf Martinique

Die Arbeit der Baumwollarbeiter.

[…] Der Baumwollenbaum (nicht die Baumwollenstaude, wie einige meinen), wächst in Surinam, wenn er ingutem Boden steht, zu einer Höhe von 8-10 Fuß. Sein Stamm erreicht nicht völlig die Stärke eines Caffeebaums, auch sind seine Zweige nicht niederhängend, sondrn ausgebreitet mit langstieligen, fast ahornförmigen Blättern. Die Blüthe ist bey ihrer Entwicklung purpufarbig, dem Verblühen nahe blaßgelb.

Die Frucht wächst eyförmig, ist an beyden Enden zugespitzt, glatt, kurzstilig, von Farbe grün wie die Nüsse, aber größer und weicher von Schale; in letzterer liegen 8 bis 10 länglichrunde, zugespitzte schwarze Kern, von der Größe einer Erbse und einem gelben Mark inwendig, von der Baumwolle umschlossen. Bey der Reife wird die Schale der Frucht schwärzlich, spaltet sich vorn, wie die Buchnüsse voneinander, die Baumwolle drängt sich heraus und zeigt so ihre Reife an. Man pflanzt die Kern zwey bis drey in ein Loch und einen Zoll tief in gut zubereitetes Erdreich, in einer Entfernung von zehen Fuß von einander, und deckt sie leicht mit Erde. Wenn nach einigen Tagen die jungen Pflänzchen hervorbrechen, so läßt man blos eins davon, und zwar das vollkommenste stehen.
Binnen 6 Monaten zeigen sich die Früchte, und es gewährt dem Auge einen angenehmen Anblick, zu gleicher Zeit Blüthen, halb und ganz reife Früchte zu sehen. Die Erndte fällt gewöhnlich in die Trockenzeit und vorzüglich in die große: die Baumwolle wird dann durch Sclaven von ihrer Schale befreyt und in Pasquite gesammlet, nach hause geschafft. Sie wird eben so wie der Caffee an der Sonne getrocknet, die sie lockerer macht, dann auf den Boden getragen und nach beendigter Erndte auf sogenannte Trappmühlen gebracht. Ihren Namen haben sie daher, weil sie getreten werden, sie sind vier Schuh hoch, oben an jeder Seite mit einer hölzernen Scheibe, in deren jeder eine kleine hölzerne Welle von 2 Fuß Länge und 1 Zoll Dicke befestigt ist; letzte lassen nur einen kleinen Zwischenraum zwischen sich und wenn unten getreten wird, so drehet sich die eine rechts, die andere links um. Zwischen diese Wellen nun wird die Baumwolle gesteckt und durch das Umdrehen bald von ihren Kernen befreyet, welche neben den Wellen auf einem angebrachten Brete liegen bleiben; die Baumwolle fällt auf der andern Seite in ein darunter befestigtes Tuch. Diese Art Mühlen sind jedoch kostspielig und wegen des unaufhörlichen Tretens für den Arbeiter sehr ermüdend. Die auf der Colonie gebräuchlichen und auch da erfundnen vereinigen dagegen den Vorzug der Einfachheit, der Wohlfeilheit und Zeitersparnis in sich. Der ganze Apparat besteht aus einer Packkiste, an deren einen Seite 3 einen Fuß hohe, oben mit runden Löchern versehene Docken befestigt sind; durch die Löcher werden 2 runde Wellchen von der Dicke eines Zolls und 6 Fu0 Länge, welche die der Kiste ist, gesteckt; die Wellen lassen nur wenig Raum zwischen sich und werden ebenfalls, die eine rechts, die andre links herumgedreht. Zu diesem Geschäft bedarf man blos 4 bis 5 kleine Creolen von 8 bis 10 Jahren, wovon die einen die Baumwolle zwischen die Wellchen stecken, und die andern den Drehling handhaben. Auf diese Art braucht man den Tag über keine erwachsenen Sclaven, wie bey den Trappmühlen, zum mahlen, sondern der Direkteur läßt diese blos des Abends, wenn sie aus dem Felde kommen, ein paar Stunden mit dieser Arbeit beschäftigen. Nach geschehenem Mahlen wird die Baumwolle von einigen Negerinnen mit Stöcken geschlagen, von dem gelben und schwärzlichen Unrath gereiniget, von 2 bis 300 Pfund in Säcke gepackt, und abgeliefert. […]
(aus: J.D.Kunitz: Surinam und seine Bewohner. 1805)


Berufsbezeichnungen

Baumwollarbeiter, Baumwollbauer

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Die Baumwollpflanze


Die Arbeit auf der Baumwollplantage

Im 18.Jh. war Amerika durch sein günstiges Klima und seine ausgedehnten Anbauflächen, der Hauptlieferant für Baumwolle. Abertausende von schwarzen Sklaven mussten den Massenanbau bewältigen, der noch enorm anstieg, als der mechanische Webstuhl und die Spinnmaschine in England erfunden wurden. Drei bis viermal im Jahr muss die Baumwolle geerntet werden. Was zu dieser Zeit am längsten Aufhält ist das Entkörnen der Baumwolle. Mitunter dauert es so lange, dass der Samen zwischenzeitlich verfault und die Baumwolle somit verdirbt.
Große Farmen benötigen zur Bewältigung der Arbeit 300 Arbeiter.
Zum Glück erfand Elie Withney 1793 eine Entkörnungsmaschine – technisch ausgedrückt: Egreniermaschine, engl. Cotton Gin. Diese verhalf nun der Baumwollfaser zur bedeutendsten Textilfaser der Welt.

“Das Prinzip seines Entkörners ist dabei so einfach: zwei Walzen, mit Eisennägeln bespickt, ziehen als Greifer die Baumwolle über eine Art stumpfe Säge. Die Fäden werden vorübergezogen, die Körner und Schalen bleiben an den Zähnen hängen.”
(aus: Hans Hoffmann: Rohstoff Baumwolle. Wilh. Gottl.Korn Verlag, Breslau – um 1940)

Der Transport der Baumwolle


Die Bearbeitung der Baumwolle

“Ein Baumwollenreiniger

Baumwollreiniger, China, Baumwolle
Baumwollreiniger, China, 1800

Dieses Blatt stellt eine Erfindung dar, deren man sich zur Reinigung der Baumwolle von den Körnern häufig bedient. Indem er mit einem kleinen Hammer die Darmsaite schlägt, die an dem Stück Holz, das der Mensch in der linken Hand hat, angemacht, und woran wieder eine dünne Schnur befestigt ist, welche mit einem elastichen Stück Bambusrohr, das er sich auf dem Rücken angebunden hat, zusammen hängt, lockert er, die Baumwolle auf, und bringt vermittelst dieses Rüttelns und Schüttelns die Körner und alle fremde Bestandtheile heraus.
Die baumwolle wächst in China in großen Ueberfluß. Die beste Sorte kommt von einer Frucht, welche ziemlich viel Ähnlichkeit mit einem gewöhnlichen Apfel hat, wenn sie ganz reif ist aufspringt, und die Wolle sehen läßt.”

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China, Baumwolle
Baumwolle wird dreht, China, 1800

“Eine alte Frau, welche Baumwolle dreht
Eine Weibsperson, welche hier dargestellt ist, beschäftigt sich sehr emsig, Baumwolle auf einen gekrümmten Brettchen, welche sie auf den Knien hält, so daß die auswärts gekrümmte Seite oben sich befindet, zu Faden zu drehen. Sie windet die gedrehte Wolle in kleine Knäuel zum weitern Gebrauch. Die Chinesen sind ihrem Charakter nach so thätig, daß selbst die Schwächsten jedes Geschlechts und Alters, irgend ein einträgliches und nützliches Gewerbe treiben; so können sie größtenheils der Unterstützung von den Jüngern und Stärkern entbehren, welche sonst nicht nur das hohe Alter schätzen, sondern ihm auch durch die Anweisung der obersten Plätze und des Vortritts ihre Hochachtung zu erkennen geben.”


Import

England
Jahr  =  Ballen Rohbaumwolle
1800 =       73000
1801 =     108000
1810 =     178000
1820 =     335000
1830 =     732000
1835 = >1000000
1850 =   2500000

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