Die  Zimmerleute  sind Bauarbeiter und arbeiten Hand in Hand mit Steinmetzen und  Maurern
– er erledigt die Holzarbeiten beim Rohbau von Gebäuden, z.B die Holzkonstruktion von Fachwerkhäusern, und sie sind auch am Innenausbau beteiligt. Zuvor behauen sie das dazu benötigte Holz und schneiden es zu.

Indien, Charpentier, Zimmermann

Indien 1782

“Wenn ein neues Haus aufgerichtet wird, setzt mancherorts der Zimmermann nach altem Brauch ein Tännchen auf den Dachstuhl und sagt seinen Richtspruch auf. Das Aufsetzen des Dachstuhles ist eines der wichtigsten und häufigsten Tätigkeiten des Zimmermanns, aber er macht auch Treppen und Treppengeländer, schlägt einfache Türen und Tore an und legt rohe Böden. Dazu kommen das Erstellen von Gerüsten, das Anlegen von Schalungen bei grösseren Betonierungsarbeiten, das Aufstellen von Hilfsgerüsten zu den verschiedensten Zwecken. Das Zahnen und Stemmen, Hobeln und Auskehlen, Schneiden und Sägen und viele andere Tätigkeiten kennzeichnen seine Arbeit. Beil, Axt, Säge, Winkel, Hammer, Hobel und andere sind dabei wichtige Werkzeuge, auch mit verschiedenen Maschinen wird das Holz heutzutage geschnitten und zugerichtet. Kräftige, gesunde Konstitution, entschlossenes Zupackenkönnen, Sicherheit in praktischen Arbeiten, gute Beobachtungsgabe und räumliches Vorstellen sind wichtige Eigenschaften. Lehrzeit in Industrie und Handwerk 3 Jahre.”
[W. Leber / B. Burges: Der junge Mann vor der Berufswahl, Stuttgart 1966]


Berufsbezeichnungen

Zimmermann,   Zimmerer,   Zimmerleute  –   (veraltet)  Cimberman,  Timmerlü,  Timmerman,  Zimberman,  Zimparman
timberman (engl.), Charpentier,

 Zunftzeichen der Zimmerleute

Innungszeichen, Handwerk, Zimmerleute, Zimmermänner

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Zimmermann, Kindergedicht, Text

1865 [Oskar Pletsch]

Zimmermann
Es ist wohl keiner schlimmer dran,
Als unser Meister Zimmermann.
Er schleppt und sägt,
Er schlägt und trägt,
Und schafft mit nimmer ruh’nder Hand
In Regen, Sturm und Sonnenbrand.
Doch seht! da kommt als süßer Lohn
Sein allerliebestes Gretchen schon:
“Papa, heut giebt’s die Menge
der wunderschönsten Gänge:
Rüben mit Würstchen – ganz nach Belieben!
Oder bestehlst du Würstchen mit Rüben?”

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China, Zimmermann, Handwerker, Chinese

China 1800

Ein ZimmerMann
Dieser wandernde HandWerker trägt sein ganzes HandWerkZeug, seine Säge ausgenommen, in einem Kasten auf der Schulter. Sein Stock dient ihm als WinkelHaken. Und was den Kasten anlangt, so vertritt ihm bald die Stelle eines Stuhles, bald einer ArbeitsBank.


Der Zimmermann muß das Bauholz wohl abzurichten, und aus demselben entweder ganze Häusser, oder einen Theil derselben auszuführen wissen. Ganze Häusser werden entweder aus lauter Holz, von übereinander gelegten Bolen, welches man ein Schurzwerk nennent, oder allein mit Stielen, die in gewisser Weite von einander auf die Schwellen gesezt und unter einander mit Riegeln und Bändern bevestiget, die ledigen Fächer aber hernach mit Leim oder Steinen gefüllet und ausgeflochten werden, aufgeführet, welches ein Fach- oder Riegel-Werk heisset. An aufgemauerten Gebäuden hat der Zimmermann allein die balken zu strecken, und das Dachwerk aufzusezen. Das Bauholz wird im Wald gefället, an einem geraumen Orte mit der Bindaxt ausgeschlagen, mit dem Schlichtbeil geschlichtet, mit der Creuzaxt gelochet, abgebunden, das ist, die Stücke mit ihren Zapfen in die Fugen gerichtet, alsdenn der Bau gehoben. Wenn er völlig aufgesezt oder gerichtet ist, wird von dem Bauherrn den Zimmerleuten ein Hebmahl gegeben, oder wie es anderswo heisset, der Kranz (welchen einer von den Zimmergesellen mit besondern Ceremonien oben auf die First des Baues gestecket ) verschenkt. Ausser den schon benannten Werkzeugen braucht ein Zimmermann noch: Sägen, Meiseln, Klammern, ein Winkelmaaß, Maaßstab, Meßschnur und Rötel, die nöthigen Zeichen zu machen.
Ueberdieß hat der Zimmermann viele Arbeit bey Brücken, Dämmen, Mühlen, welche von Holz gemacht werden. Bey diesen werden die Pfähle, die in dem Wasser stehen müssen, vermittelst der Ramme oder Hoye in den Boden getrieben. Er macht auch viele Arbeit aus Brettern, die auf der Säge- oder Schneid-Mühle dazu geschnitten werden, insbesondere Fußboden, Wände und dergl.
(aus: Hrsg. J.S.Stoy. Bilder-Akademie für die Jugend. Nürnberg 1784)


Werkzeuge

Äxte: Zimmeraxt, Quer- bzw. Zwerchaxt, Kreuzaxt, Stoßaxt
Beile: Handbeil, Breitbeil
Beitel: Lochbeitel
Bohrer:
Dollenbohrer, Schlangenbohrer
Bund- oder Stoßart
Dechsel
Haken: Winkelhaken, Klamm(er)haken
Hammer

Hobel: Schlichthobel, Füghobel
Holzschlegel
Säge: Handsäge. Schrotsäge, Spannsäge, Zimmersäge
Schmiege
Schnur
Schnürtrog

Winkeleisen (=Winkelmesser)
Waagen: Bleiwaage, Setzwaage
Wendering
Zirkel
Zugmesser


heiliger Schutzpatron der Zimmerleute

Joseph



Ehrenlied der Zimmerleute

In dem deutsch und welschen Land
Ist das Handwerk wohl bekannt.
Manchen Bau tun wir aufführen.
Unser Handwerk tut florieren.

Gehen wir in den grünen Wald,
Hauen Bäume jung und alt,
Messens ab, wie es der Brauch,
Schlagen dann die Schnur darauf.

Haut brav darauf der Zimmermann
Mit dem Fallbeil was er kann,
Mit dem Breitbeil haut mit Fleiß
Das Zollmäße gleicher Weis.

Weiht der Bauherr das Holz ein
Mit einer guten Flasche Wein,
Sind wir Zimmerleut bedacht,
Zimmern darauf bei Tag und Nacht.

Bund- und Zwergaxt zum Geschirr,
Mit der Säge schneiden wir,
Daß man sagt zu dieser Zeit:
“Redlich sind die Zimmerleute.”

Mit dem Rötel macht ein Zeichen,
Braucht den Neper auch dergleichen.
Manches Schloß, ja manche Stadt
Hat der Zimmermann gemacht.

Zimmerleut tun viel ausstehen:
Müssen schier vor Hitz vergehen,
Muß allzeit geduldig sein,
Fällt oft Kält und Regen ein.

Ach was wollt man fangen an,
Wenn nicht wär der Zimmermann!
Müßte mancher bald erfrieren:
Zimmerleut die Bäu aufführen.

Ich find ihresgeichen nicht.
Zimmerkeut verachte nicht!
Wenn ein mancher stieg so hoch,
Wird er zittern mit dem Loch.
(aus einem fliegenden Blatt, Anfang des 19.Jh.)


In Montabaur/Rheinland Pfalz mussten die Zimmerleute 1698 als Meisterstück
1. “eine welche Haube”, 20 Schuh lang,
2. ein Kreuzdach, “das oben an der First gleich ist”,
3. einen Spitzhelm von 40 Schuh Länge vorweisen.
(aus: Landschaftsmuseum Westerwald, 1993)


Redewendungen und Sprichwörter

  • Die schlechtesten Zimmerleute machen die meisten Späne.
  • Einem ungeschickten Zimmermann taugt kein Beil.
  • Bei einem faulen Zimmermann rostet das Beil.
  • Auch einem alten Zimmermann kann das Beil einmal abfahren.
  • Die ungeschicktesten Zimmerleute brauchen die schärfsten Beile.
  • Kommt ein schlechter Zimmermann in den Wald, so zittern alle Bäume.
  • Es stimmt nicht um ein Zimmermannshaar.
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