Der Zirkelschmied

alter Zirkel

Der Zirkelschmied stellt Zirkel – also Messgeräte – her.

Mann in prachtvoller Kleidung mit großer Fahne
1834 – [Carl Heideloffs]

Berufsbezeichnungen

Zirkelschmied, Reißzeugmacher, Circkelschmidt

in anderen Sprachen
Bulgarisch:
Dänisch:
Englisch:Dividers Maker
Esperanto:
Französisch:
Isländisch:
Italienisch:
Latein:circinorum faber
Niederländisch:
Norwegisch:
Polnisch:
Portugiesisch:
Rumänisch:
Russisch:
Schwedisch:
Slowakisch:
Slowenisch:
Spanisch:
Tschechisch:
Türkisch:
Ungarisch:

Oberbegriff:   Schmied
verwandte Berufe:   Zeugschmied, Werkzeugmacher -(schmied)


Zirkelschmied im 16. Jahrhundert

alter Zirkelschmied zeigt Jungen etwas
[Sammelbild Tengelmann]

Zwischen dem Grobschmied
und dem Kleinschmied
stand einst der Zeugschmied,
der Werkzeuge machte,
ja Küchengeräte sogar.
Langsam verfeinernd,
verbessernd das Handwerk,
wurde der Zeugschmied zum Zirkelschmied dann,
der sich verstand auf das Meßzeug, die Zirkel.
Zum hohen Ansehn gelangten die Meister in Nürnberg,
der kunstreichen Stadt,
in deren Mauern um 1600 man
Einhundertundzwei zu zählen hat.


(Tengelmann-Sammelbild. Wahrhafftige und Eigentliche beschreibung von den Ständen, Zünften und Handwercken um 1575.)


Zirkelschmied im 18. Jahrhundert


Zirkeltypen

  • Federzirkel
  • Haarzirkel
  • Schneidezirkel
  • Einsatzzirkel
  • Stangenzirkel
  • Bogenzirkel
  • Scharnierzirkel
  • Ellipsenzirkel
  • Doppelzirkel
  • Nullenzirkel
  • Volutenzirkel
  • Dreispitzzirkel
  • Trisektionszirkel
  • Reduktionszirkel
  • Proportionaltzirkel
  • Dickzirkel
  • Zapfenzirkel
  • Lochzirkel, Hohlzirkel

Werkzeuge

Werkzeuge des Zirkelschmieds
1761 – [Johann Samuel Hallens]

Zum Zirkelschmiede. 1761

  1. Die Schmiedezange.
  2. Der Spannring dazu.
  3. Der stälerne vierekkige glatte Eisenborer.
  4. Die Schränkklinge, in deren Spalten man die Zähne einer Säge einzeln auf die Seite überbiegt, welches die Zähne schränken heist.
  5. Der furchige senkkloben, Löcher im eisen weiter aufzuboren.
  6. Der Durchschlag, Löcher im eisen auszuhauen.
  7. Der Schmiedehammer, mit dessen Finne man im Schmieden einen Borer windet.

sechs verschiedene Zirkel
USA

Anekdoten

Der Zirkelschmied

„In einer schwäbischen Reichsstadt galt zu seiner Zeit ein Gesetz, daß wer sich an einem verheirateten Manne vergreift und gibt ihm eine Ohrfeige, der muß fünf Gulden Buße bezahlen und kommt 24 lang in den Turm. Deswegen dachte am Andreastag ein verarmter Zirkelschmied im Vorstädtlein: Ich kann doch auf meinen Namenstag ein gutes Mittagessen im ‚Goldenen Lamm‘ bekommen, wenn ich schon keinen roten Heller hier und daheim habe, und seit zwei Jahren nimmer weiß, ob die bayerischen Taler rund oder eckig sind. Daraufhin läßt er sich vom Lammwirt ein gutes Essen auftragen und trinkt viel Wein dazu, also daß die Zeche 2 Gulden 15 Kreuzer ausmachte, was damals auch für einen wohlhabenden Zirkelschmied schon viel war. Jetzt dachte er, will ich den Lammwirt zornig machen und in Hitze bringen. „Das war ein schlechtes Esser Herr Lammwirt,“ sagt er, „für ein so schönes Geld. Es wundert mich, daß Ihr nicht schon lang ein reicher Mann seid, wovon ich doch noch nichts habe rühmen hören.“ Der Wirt, der ein Ehrenmann war, antwortete auch nicht glimpflich, wie es ihm der Zorn eingab, und es hatte ihn schon ein paarmal im Arme gejuckt. Als aber der Zirkelschmied zuletzt sagte: „Es soll mir eine Warnung sein, denn ich habe mein Leben lang gehört, daß man in den schlechtesten Kneipen, wie eurer Haus eine ist, am teuersten gehalten wird,“ da gab ihm der Wirt eine entsetzliche Ohrfeige, die zwei Dukaten unter Brüdern wert war, und sagte, er solle jetzt sogleich seine zeche bezahlen, oder er lasse ihn durch die Knechte bis in die Vorstadt hinausprügeln. Der Zirkelschmied aber lächelte und sagte. „Es ist nur mein Spaß gewesen, Herr Lammwirt, und euer Mittagessen war recht gut. Gebt mir nur für die Ohrfeige, die ich von Euch bar erhalten habe, 2 Gulden 45 Kreuzer auf mein Mittagessen heraus, so will ich Euch nicht verklagen. Es ist besser, wir leben im Frieden miteinander als in Feindschaft. Hat nicht Eure selige Frau meiner Schwester Tochter ein Kind aus der Taufe gehoben?“ – Zu diesen Worten machte der Lammwirt ein paar kuriose Augen; denn er war sonst ein gar unbescholtener und dabei wohlhabender Mann und wollte lieber viel Geld verdienen, als wegen eines Frevels von der Obrigkeit sich strafen lassen, oder nur eine Stunde des Turmhüters Hausmann sein. Deswegen dachte er, 2 Gulden 15 Kreuzer hat mir der Halunke schon mit dem Essen und Trinken abverdient; besser, ich gebe ihm noch 2 Gulden 45 Kreuzer darauf, als daß ich das Ganze noch einmal bezahlen muß und werde beschimpft dazu. Also gab er ihm die 2 Gulden 45 Kreuzer, sagte aber: „Jetzt komm‘ mir nimmer mehr ins Haus.“
Drauf, sagte man, habe es der Zirkelschmied in anderen Wirtshäusern versucht, und die Ohrfeigen seien noch ein- oder zweimal al pari gestanden, wie die Kaufleute sagen, wenn ein Wechselbrief soviel gilt als das bare Geld, wofür er verschrieben ist. Drauf seien sie schnell auf 50 Prozent heruntergesunken, und am Ende, , wie die Assignaten in der Revolution, so unwert geworden, daß man jetzt wieder durch das ganze Schwabenland hinaus bis an die bayerische Grente so viele unentgeltlich ausgeben und wieder einnehmen kann, as man ertragen mag.“

(aus: Johann Peter Hebel: Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes.)