Die Salzarbeiter

Foto: Salzkrümel in Nahaufnahme

Die Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung von Natriumclorid. Salz wird hauptsächlich in der Industrie benötigt und nur zum geringen Teil für die Gesundheit und die Küche. Z.B. zum Würzen und zum Konservieren.
Das Meer beherbergt das größte natürliche Salzvorkommen. Durch das stete, jahrtausendlange Verdunsten vom Meereswasser entstanden riesige Salzlagerstätten in der Erdkruste.
Bereits vor unserer Zeitrechnung wurde Salz von den Salzarbeitern gewonnen, in dem man es beispielsweise auf Steinen und in Tongefäßen austrocknen ließ.
Salz war so kostbar, dass es vielerorts als Zahlungsmittel verwandt wurde. Vor rund 100 Jahren wurde in Äthiopien noch mit aus Salz hergestelltem Geld bezahlt. Und auch im mitteleuropäischen Raum fand schlug sich das Salz namentlich in einem kleinen Geldstück, dem “Heller” (Häller) wieder. Abgeleitet von hal, dem Salz.
Schon immer haben Salzarbeiter eine große Rolle gespielt.

Saline, Landschaft, Meer

Berufsbezeichnungen

Salzarbeiter, Salzbauern

>> in anderen Sprachen
Albanisch:punëtor i kripës
Bulgarisch:солен работник
Dänisch:salt arbejdstager
Englisch:salt worker
Esperanto:sallaboristo
Estnisch:soolatööline
Finnisch:suola työntekijä
Französisch:Paludier, Sauner
Griechisch:εργάτης αλατιού
Isländisch:saltverkamaður
Italienisch:salinaio
Latein:salis opificem
Niederländisch:zout werker
Norwegisch:saltarbeider
Polnisch:solniczka
Portugiesisch:trabalhador do sal
Rumänisch:muncitor de sare
Russisch:солеварен
Schwedisch:saltarbetare
Slowakisch:pracovník soli
Slowenisch:solnik
Spanisch:trabajador de la sal
Tschechisch:solný pracovník
Türkisch:tuz işçisi
Ungarisch:só munkás

Spezialisierungen:   Salinist (Fachmann für Salzgewinnung), Haspeler (Radtreter), Stürtzer, Zäpper, Salzsieder, Salzwirker (Hallore), Zustörer, Gruder, Läder, Stöpper
Die Arbeiter, die in der Siedehütte arbeiteten nannte man Köthner, Käthner oder Kötiger.
Die Salzhauer arbeiteten im Salzbergwerk.

verwandte Berufe:   Salzhändler (Salzkrämer): handelten in Salzhäusern: ihre Verkausstände wurden auch Salzhocken genannt


Spezialisierungen der Salzarbeiter

Fliesenwandbild: Mann schiebt Salz zusammen
2020, Portugal, Aveiro – [Foto: Sulamith Sallmann]
  • Der Pfänner (Salzjunker) besaß das Siederecht und durfte eine Salzsiederei betreiben
  • Der Haspeler auch Radtreter genannt, förderten die Sole aus den Solbrunnen
  • Stürtzer füllten volle Eimer in die Tröge
  • Zäpper füllten die Holzbottiche
  • Träger brachten die Bottiche zu den Siedehütten und entleerten sie dort in ein Solfass; später brachten sie das in den Salzkörben getrocknete Salz auf den Wagen der Salzkunden
  • Der Salzwirker war der Meister der Salzsiederei, auch Hallore genannt; ihm halfen der Salzknecht, die Zustörerin und der Gruder
  • Die Läder zerkleinerten die Salzstücke
  • Die Stöpper verpackten das Salz anschließend
  • Der Salzmesser misst den Käufern das Salz zu
  • Der Bornknecht ist ein Salinenarbeiter, der die Sole fördert und transportiert
  • Köt(h)iger: Salinenarbeiter
  • Pfänner: Inhaber von Salzgütern (Salzkoten), herrscht über die Knechte


Salzgewinnung

  • durch die Gewinnung aus dem Meereswasser
  • Salzbergbau

Salzarten

  • Erdsalz
  • Industriesalz
  • Meersalz (Seesalz)
  • Mussalz
  • Speisesalz (Tafelsalz, Kochsalz)
  • Steinsalz
  • Siedesalz (auch Sudsalz)
  • Viehsalz (Lecksalz/Leckstein, Pfannenstein)
  • Wüstensalz

sw-Zeichnung: altes Salzhaus am Hafen
1858, USA, Boston, Salzhaus am Hafen

Fachbegriffe aus der Welt der Salzarbeiter

  • Abeufen: Bohrlöcher niederbringen, um tieferliegende Salzlager zu erschließen
  • Brodemfang: Dunstfang
  • Coctur: Sudstätte, Salzbereitungsstättte
  • Gezähe: Handwerkszeug des Bergmanns, auch im Salzbergbau
  • Gradierung: Konzentration sowie Reinigung der Sole
  • Hallore: im engeren Sinne Bezeichnung für die Salzarbeiter, die der Brüderschaft im ‘Thal zu Halle’ angehörten
  • Haufwerk: das durch Sprengung gewonnen Salz
  • Inkrustation: Überkrustung der Gradiermittel – wie Schwarzdorn – durch Verunreinigungen, die in der Sole enthalten sind
  • Kandeln: offene Soleleitungen, die stückweie aus je drei Brettern zusammengefügt sind
  • Kote / Kothe: Siedehäuser, Siedehütten
  • Pfannenstein: Salzabfälle der Saline (Ablagerungen)
  • Püschelkünste: durch Wasserräder angetriebene Solehebemaschinen
  • Repetiergefälle: Wiederholung des Solekonzentrationsvorgangs mit Hilfe des Gradierwerkes
  • Röhrenfahrten: Soleleitungen aus geschlossenen, aneinandergefügten Röhren
  • Saline: Salzwerk, in dem mittels Konzentration der Sole Salz gewonnen wird
  • Salzdebit: Absatz von Salz
  • Salzschleifen: Salzverkauf, der nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprach
  • Salzfesten: Pfeiler zum Abstützen in den Salzbergwerken
  • Salzgäste: Fuhrleute
  • Salzhocken: Verkaufstände für Salz
  • Salzspahnen: Geschäfte mit Salzhandel betreiben
  • Skip: Fördergefäß von gebrochenem Steinsalz
  • Soggperiode: hier kommt es zum Ausscheiden des Salzes aus der gesättigten Sole

Werkzeuge, Maschinen, Zubehör

sw-Zeichnung: verschiedene Werkzeuge
um1860, Frankreich – [Diderot]
  • Salztrockengefäße
  • Salzfass
  • Salzwaage, Salzspindel, Salzprobe, Sohlwaage, um den Solegehalt zu bestimmen
  • Salzkorb (spitz zulaufend; hier wird das grobe Salz reingeschlagen, damit das Wasser ablaufen kann)
  • Siedepfannen, Salzpfannen, aus Bleiblechen, meistens viereckig – hierin wird das Salz bis zu einer bestimmten Dichte durch Kochen eingedickt
  • Hallein = kleine Salzpfanne
  • Salzscheibe, eine Art halbes Holzfass, in dem das Salz verführt wird
  • Salzschrape, eine Art Striegelbürste, mit der die angekrusteten Verunreinigungen am Salz abgebürstet wurden.
  • Gradiermaschinen
  • Göpelwerke: Hand-Göpel, Pferde-Göpel
  • Salzschiff (hallasch)

Arbeitsorte

sw-illu: Innenansicht einer Saline
1857, Sachsen/Zwickau
  • Kochsalzfabriken
  • (Salz)Kot(hen), Sülzhaus, Sölde, Nappe = Salzsiedehaus (hier wurde das Kochsalz aus der Salzlauge gewonnen)
  • Salinen
  • Salzbergwerk, Salzminen
  • Salzöfen
  • Salzhaus = Salzniederlage – hier wurde das Salz, was zum Verkauf bestimmt war, gelagert)
  • Saunerie
  • Salzmarkt
  • Salzamt (Hallamt)
Einblick in die Salzmanufaktur
1899, Belgien

Salzbergwerk in der Eisenzeit

Sammelbild: drei Arbeiter in einem Salzbergwerk
[Erdal / Abb. G. Beuthner]
Text vom Sammelbild
[Erdal]

“Die ältere Eisenzeit (von 750 bis 500 vor unserer Zeitrechnung) wird die Hallstattzeit genannt, nach dem Städtchen Hallstatt im Salzkammergut. Die Silbe ‘Hall’ in Ortsnamen weist immer auf das Vorkommen von Salz hin, wie etwa in Halle, Reichenhall, Schwäbisch Hall usw.; so auch hier. Schon in früher Zeit entdeckte man bei Hallstatt gewaltige Salzlager, aus deren Abbau sich ein ausgedehnter Salzhandel entwickelte, dessen hauptweg nach dem Süden ging. Unser Bild zeigt einen Schacht in den Hallstätter Salzbergwerken, in denen aus Kernsalzbänken das Salz gebrochen wurde. Wir sehen, daß hier schon ein rein bergmännischer Abbau vorliegt, da das Steinsalz eben nur unter Tage, das heißt mit Hilfe von Schächten und Stollen, zugänglich gemacht werden kann. Die Blöcke, die man losbrach, wurden dann gleich in der Grube zerkleinert und in Ledersäcken über Tag geschafft. Bergwerksgeräte und Werkzeuge hat man gefunden, die uns einen Einblick in die damalige Bergbautechnik gewähren. Bei aller Einfachheit der Hilfsmittel steht sie doch schon auf einer hohen Stufe, wie zum Beispiel die in Überresten noch vorhandenen Verzimmerungen der Schächte und Stollen zeigen.”
(Abschrift vom nebenstehendem Sammelbild-Text)


Einfahrt ins Salzbergwerg

sw-Sammelbild: Arbeiter werden am Seil in Bergwerk hinabgelassen

“Die Bergleute saßen in Seilschlingen und hielten Fackeln in den Händen. Die Unternehmer, die nur darauf bedacht waren, möglichst viele Gewinne zu erzielen, trafen nicht die erforderlichen Schutzmaßnahmen.”
(Sammelbildtext: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 1955, DDR, VEB Volkskunstverlag Reichenbach i.V.)


Das Gradierverfahren

  • Dachgradierung
  • Dorn(en)gradierung
  • Eisgradierung
  • Pritschengradierung
  • Sonnengradierung
  • Springröhrengradierung
  • Staffelgradierung
  • Tafelgradierung
  • Tröpfelgradierung
technische Abbildung
um 1830

Salzgewinnung

Salzgewinnung in Europa

alte Darstellung: Salzfelder
16.Jh. – [nach Agricola]

“Es giebt solche ‘Meergärten’ hauptsächlich an den Küsten des salzreichen Mittelmeeres: in Italien namentlich auf Sizilien, in Frankreich in Languedoc und in der Provence, aber auch in den französischen Küstenbezirken am Atlantischen Meere, zu Croisic, Marennes, bei Ars auf der Insel Ré (Department Rieder-Charente) u.s.w.
Auch Oesterreich gewinnt in Dalmatien auf den Salinen zu Capo d’Istria und Pirano und zu San Felice bei Venedig Seesalz.
Für das Alter dieser Industrie spricht, daß die Arbeiter in diesen Meersalinen vielfach einen von der übrigen Bevölkerung völlig abweichenden Typus darstellen und sich auch, ähnlich wie früher die Halloren in Halle, von jener kastenartig abgeschlossen halten. So behaupten zum Beispiel die fast ganz aus Salinenarbeitern bestehenden Bewohner von Bourg-de-Batz, zwischen Croisic und Pouliguen in der Rieder-Bretagne, daß sie sächsischen oder skandinavischen Ursprungs seien. Die Männer, wie die meist als Salzträgerinnen thätigen Frauen und Mädchen, durchweg große und kräftige Gestalten, haben auch ihre eigene Tracht. Sie verheiraten sich fast niemals mit Auswärtigen, und so kommt es, daß von den 3000 Einwohnern fast die Hälfte zu sieben bis acht Familien gehört, von denen eine nicht weniger als 500 Mitglieder umfaßt. Dadurch wird die die Namensverwirrung eine so große, daß fast jedermann Spitznamen erhält, an dem er mit Sicherheit erkannt werden kann.
Die Einrichtung solcher “Meeresgärten” ist im allgemeinen die, daß man auf einer flachen und ganz ebenen Küste, deren Boden aus wasserdichten Thonschichten besteht, und möglichst fern von den Mündungen der Wüßwasserläufe eine große Verdampffläche herstellt, diese in Abteilungen teilt, so daß man ein System von vierseitigen und sehr flachen Bassins erhält. Aus einem sehr großen und flachen Sammelteich, der entweder mittels Pumpen oder bei der Flut durch Schleusen gefüllt wird, werden die Salzgärten nach Bedürfnis gefüllt. Mit dem Sammelbassin steht zunächst ein Klärbassin, wo Sand, Muscheln u.s.w. sich ablagern, in Verbindung. Dann wird das Wasser durch kleine Kanäle in die weiten Bassins geleitet, wo sich zuerst kohlensaurer, dann schwefelsaurer Kalk ausscheidet, und aus denen die 27prozentig gewordene Sole durch Pumpen oder Schöpfwerke in die Krystallisationsbassins gelangt. In diesen scheidet sich das Salz in unzähligen Würfelchen ab, die in drei bis sechs Monaten jedes dieser Bassins bis zum Rande füllen. Man legt dann die Krystallisationsbassins trocken, wirft das Salz auf Haufen und läßt die Luftfeuchtigkeit darauf wirken, bis es von der Mutterlauge (aus der man verschiedene andere Salze und zuletzt Brom gewinnt) befreit ist. Soll es freilich ganz rein werden, dann muß es umkrystallisiert oder raffiniert werden.

sw-Zeichnung: Salzfelder beim Meer
1897


Natürlich giebt es auch noch andere Methoden, das Salz aus dem Seewasser auszuscheiden, so zum Beispiel durch Destillation, wie bei dem Apparat zur Trinkbarmachung des Meerwassers, den vielfach die Schiffe mit sich führen. Hierbei benutzt man die sonst verloren gehende Hitze der Maschinen und der Küche, um Seewasser zum Verdunsten zu bringen. Die Dünste läßt man sich hierauf in einem gewundenen Kühlrohr kondensieren, das immer von einem Strome kalten Wassers umspült wird. Es ist nämlich unterhalb der Wasserlinie in einem Raume angebracht, der durch zwei Oeffnungen mit der See in Verbindung steht. Durch die untere tritt das kalte Wasser ein, erwärmt sich, indem es der Flüssigkeit in dem umspülten Kühlrohr die Wärme entzieht, und fließt dann infolge seiner verminderten Dichtigkeit durch die obere Oeffnung ab, während durch die untere wieder neues kaltes Wasser einströmt. Auf diese Weise erfolgt die Destillation ganz von selbst: das Wasser, welches sich in einem Behälter am ende des Kühlrohr sammelt, ist genießbar, nachdem man eine Weile starkt bewegte Luft […]

(Auszug, von Justus Brandt, um 1897)


Salzgewinnung in Afrika

“[… ] Einziges Werkzeug ist ein Pickel. Damit wird zuerst rund fünf Meter in die Tiefe gegraben. Stößt man auf eine Salzader, wird sie waagerecht abgebaut. 30 bis 40 Meter tief reicht der Stollen in den Fels hinein. Das hochwertige Steinsalz wird in Blöcken aus dem Fels geschlagen und zum Stollenausgang  gerollt. Hier bekommt es die richtig Form. Ein handelsüblicher Block mißt 150 mal 50 Zentimeter und wiegt rund 30 Kilogramm.
[…] Das Salz zerbricht leicht, denn die Platten sind kaum 10 Zentimeter dick. […]”

(aus dem Artikel: Salzkarawane: Durch die Hölle der Sahara. Fleur Levene, 1991)


Salzgewinnung in Asien

Briefmarke: Berge
1956, China

Salzgewinnung in Australien


Mit Salz experimentieren

alte französische Schulbuchseite zum Thema Salz
1957, FR
  • 1) Eigenschaften der Salzkörner untersuchen
  • 2) Salz in Wasser auflösen
  • 3) Salz erhitzen
  • 4) Salz verdunsten lassen

Geografische Namen, die auf den Salzabbau hinweisen

Orte

  • Bad Reichenhall
  • Halle
  • Hallein
  • Hallstatt (Salzkammergut)
  • Salzburg
  • Salzgitter
  • Salzwedel
  • Salzungen
  • Soltau
  • Salt Lake City

Flüsse

  • Saale
  • Sale
  • Saline
  • Salzach
  • Salzbach
  • Silge

englische Textanzeige für Salz
1879, GB, Brimingham – Salzreklame

Sprüche und Redewendungen

sw-illu: zwei Arbeiter mit Werkzeug und Last
1885, Ungarn – Salzarbeiter im Salzwerk
  • Wo du Salz gegessen hast, darfst du Salzfass nicht zerschlagen.
  • Salz ins Trockene gestreut, bringt Freude.
  • Das Salz muss sich nicht selber loben.
  • Salz in die Wunde streuen
  • Man kann nicht alles Salz aus dem Meer ziehen.
  • Mit Salz und Spaß darf man es nicht übertreiben.
  • Man nimmt Salz zum Brot, aber nicht Brot zum Salz.
  • Salz und Rat soll man nur dem geben, der darum bittet.
  • Wer Salz isst, bekommt Durst.
  • Wer Salz sehr mag, ist verliebt.
  • Wer wird sein Salz verkaufen und Asche essen.
  • Das Salz bringen, wenn die Eier gegessen sind.
  • Wie man’s sich gesalzen hat, so muss man’s essen.
  • Ohne Salz ist das Leben nicht süß. (russisches Sprichwort)
  • Er hat kein Körnchen Salz im Leib.
  • Jemandem Salz in die Augen streuen.
  • Nicht das Salz zum Brot haben (arm sein)

Buchempfehlungen

  • Helga Schmiedel: Rund ums Salz. VEB Fachbuchverlag Leipzig. 1986
  • Freiherr Josef Ottokar von Buschman: Das Salz, dessen Vorkommen und Verwertung in sämtlichen Staaten der Erde. Österreichische Akademie der Wissenschaften. 1906
  • Victor Hehn: Das Salz: eine kulturhistorische Studie. 1901
  • Matthias Jakob Schleiden: Das Salz, seine Geschichte, seine Symbolik und seine Bedeutung im Menschenleben. 1875
Postkarte: zwei Arbeitern auf den Salzfeldern
FR, Île de Ré – Salzarbeiter

Scroll to Top