Die Schellenmacher stellen Glöckchen und Schellen für das Vieh, für Fuhrwerke und Schlitten her. Außerdem als modische Assecoires an Gürteln, der Kleidung und den Schuhen.

“Schellenmacher, Fr. Sonnettier. Sie bilden in Deutschland, sonderlich zu Nürnberg, ein besonderes gesperrtes, und außerhalb dieser Stadt in Deutschland wenig bekanntes, nicht zünftiges Handwerk. Zum Beweis, daß sie des Namens eines Meisters würdig sind, müssen die Gesellen, die nach erstandener Zeit dazu gelangen wollen, ein gewisses Meisterstück verfertigen, nämlich drei Paar Schellen, davon jedes aus zwei halbrunden Theilen, jeder Theil aber mit einem breiten Borde versehen, so daß man das Löth nicht davon sieht, und meinen sollte, sie wären aus einem Stücke gegossen; auch müssen die Schellen, wenn von jedem Paare eine in die rechte und die andere in die linke Hand genommen wird, einerlei Klang von sich geben, wovon dann die geschwornen Meister, die dergleichen Stücke beschauen, genau Acht haben. Man findet sie schon im Jahre 1413 in Nürnberg, wo sie eine Zunft bildeten. Die Verfertigung dergleichen Schellen ist sehr mühsam; sie werden erstlich aus dem geschlagenen Metalle, woraus sie verfertigt werden sollen, vermittelst der hierzu gebräuchlichen Formen heruasgeschlagen; dann gelöthet, auf der Drehbank abgedreht, und nachdem der Klang derselben erfordert wird, gestimmt, und zuletzt geschäuert und glänzend gemacht, und zum Theil versilbert oder vergoldet. … Außer dem Behange der Pferde mit diesen Schellen, gebraucht man sie auch bei dem Weidevieh und Lastviehe, als Esel, Maulthiere etc. Auch Hunden, Schafen, etc. werden sie angehangen, auch den Kindern an ihr Spielzeug. Man hat auch gläserne Schellen, die aus dickem Glase gemacht sind.”
(Quelle: J. G. Krünitz: Oeconomische Encyclopädie [1773-1858])


Berufsbezeichnungen

Glöckchenmacher, Schellenmacher, Schellenslager, Schellenschläger, Schellengießer, Schellenschmied, Sonnettier

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Sammelbild: Junge läutet Mann hinterm KopfDer Schellenmacher.
Im 15. Jahrhundert hat man an Schuhe und ans Kleid, aus Mode und aus Eitelkeit,
sich kleine Glöckchen angenäht.
Des Schellenmachers Tätigkeit erlebt ihre goße Zeit, sie war nicht lang von Dauer.
Was solch ein Meister fernerhin mit seiner Hände Fleiß verrichtet,
erzählt er selbst in einem Reim, wie uns Hans Sachs berichtet:
“Ich aber bin ein Schellenmacher /
Zu Preng und Narrnweiß ein ursachr /
Mach Zimmbel Schellen / groß und klein /
Zum Schlittenzeug /
sauber und rein /
Auch wol gestimbt auff die Stech Bahn /
Darzu Schelln für den Prittschenmann /
Auch Schellen an die Narren Kappn /
Darmits zu Fastnacht umbher jappen.”
(Tengelmann-Sammelbild. Wahrhafftige und Eigentliche beschreibung von den Ständen, Zünften und Handwercken um 1575.)

 


Ein in gleichem Metall [Messing – Anmerkung] arbeitender Handwerker war der im Mittelalter viel begehrte Schellenmacher (Schellenslager) oder Schellengießer, der Schellen und kleine Glöckchen verfertigte, die hauptsächlich im 14. und 15. Jahrhundert als Besatz und Schmuck der Kleidung allgemein und in Massen im Gebrauch waren. Wir machen uns von dieser Mode-Narrheit oder -Krankheit heute kaum mehr einen Begriff und noch weniger eine Vorstellung von dem unausgesetzten Gebimmel und Lärm, den diese Schellentracht in den engen Gassen der Städte unausbleiblich verursachen mußte. Die Form solcher Schellen, mit denen besonders Arme und Beine reichlich besetzt waren, zeigen uns am besten die “Schellen”-Blätter der ältesten deutschen Spielkarten. Ein Überbleibsel des spätmittelalterlichen Schellenschmucks der Kleidung bildete lange noch die Narrentracht und schließlich — der kirchliche Klingelbeutel! Mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts verschwanden die Schellenmacher oder gingen in dem Riemer- und Gürtlergewerbe auf, für das sie Schellen zu Pferdegeschirren, Beschläge u. dergl. anfertigten.
(aus: Erwin Volkmann: Alte Gewerbe und Gewerbegassen. Gebrüder Memminger Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1921)

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