Die Aufgabe der Pechler bestand darin, Baumharze zu sammeln.

Pechler, Baumharz, Harzer, Harzlachten

„Harzlachten“, Brandenburg 2016 [ Sulamith Sallmann]

Dazu eigneten sich am besten Nadelbäume wie Fichten und Föhren. Die Harzer pachteten sich von den jeweiligen Waldeigentümern ein gegeignetes Stück Wald, versahen die Stämme mit schräg verlaufenden eingeritzten Kerben, anschließend mit hölzernen Pechscharten und befestigten ein Auffanggefäß daran. Das sogenannte ‚Anhauen‘. Im Sommer trat dann das Harz aus den Kerben, den ‚Harzlachten‘ aus. Diese mussten immer wieder neu mit einer Dechsel geschlagen werden, damit neues Harz nachfließen konnte. Allerdings mussten die Pechler aufpassen, dass sie nicht zu viel Rinde entfernten, da das sonst die Nutzungsdauer des Baumes verkürzt hätte. Das gesammelte Harz wird in Pechhütten geläutert, eingesotten und  zu Siedepech verkocht, wobei sich die Reste von der Baumrinde und anderer Schutz absetzen.
Das schwarze, teerartige Pech wird hauptsächlich als Schmier-und Dichtungsmittel benutzt. So benutzen es die Bierbrauer zum Abdichten ihrer Fässer und für die Wagner wurde Wagenschmiere hergestellt. Und auch bei den Schuhmachern, Seilern und Bürstenbinder kommt es zum Einsatz.


Berufsbezeichnungen

Harzsammler, Harzer, Harzscharrer, Harzschaber, Pechbauer, Pecher, Pechhacker, Pechhauer, Pechler,  Pechlerknechte, Picher, Pöchler, Pechthetzer, Pechkratzer, Pechreißer, Pechmacher, Pechschaber
verwandter Beruf: Pechsieder

Pecharten und Produkte:

Blattbindenpech
Gummipech
Harzpech
Harzseife
Kittpech
Klebpech
Kompositionspech
Paraffinpech
Polierpech: zum Schleifen und Polieren von Präzisionslinsen
Sattlerpech: zum Abdichten der Nähte und Imprägnieren der Fäden
Schiffspech: zum Abdichten im Holzschiffsbau
Schusterpech: zum Abdichten der Nähte und Imprägnieren der Fäden
Siedepech
Terpentinöl
Treibpech: zum Treiben von Kupferblechen
Schmiermittel: Wagenschmiere
Webstuhlvergußpech


Werkzeuge und Utensilien der Pechler

Anschlageisen
Griebenherd
Hacken:
Dechsel (auch: Dechseleisen, Dexel), Häckl (auch: Pechhäckl oder Pechhäkel), Schrotthakl (Mondhakl), Anzeschhacke, Fürhackdexel, Fürhackhacke, Plätzdexel
Hammer: Anschlaghammer
Hobel: z.B. Schartenhobel, Stangenhobel, Wiener Hobel
Hochtopfaushebler
Pechkrickel
Pechnagel
Pechofen
Pechschereisen
Rintel
(Röteleisen)
Risser
Ritzer

Rowisch
Schaber: Bügelschaber, Pechschaber
Schleifsteine
Schöpflöffel

Spachtel
Vorbohrer


Methoden zur Harzgewinnung

  • Zeschen/Röten
  • senkrechtes Ritzen (wenig Ertrag)
  • Grandlmethode
  • Zapfbechermethode
  • Choriner Verfahren
  • Splettstößersche Fischgrätverfahren
  • Reizmittelharzung
  • Stimulationsharzung
  • Flaschenharzung

Das Pechhauen

Harzgewinnung, Pechler, Harzer, Waldarbeiter

Frankreich [Foto: Cap]

„Mit dem Pechhauen wird also verfahren: man pletzet erstlich die Fichten und thut in die Scheiben herum in die Schelfen 3, 4 oder 5 Schnitt, die ohngefehr I Spannen lang sein müssen, wann man starcke Bäume vor sich hat; dann welche nicht starck und ausgewachsen sind, die werden auch nicht so scharf angegriffen, und einer Hand breit voneinander zu stehen kommen.
Wann dann diese angeschnittene äussere Rinden oder Schelfen herunter ist geschälet worden, so fangt alsobald das Pech an durch das Holtz heraus zu dringen; dieses nehmen und schaben sie mit ihrem krummen Messerherunter, und fangen es in ihren hölzernen Kübeln sorgfältig auf.“
(Franz Phillip Florinus, 1702)



sonstige Fachbegriffe

auspecheln
auspichen

Baumsaft = Baumharz
einsotten
Harzlachten = Kerben, die in den Baumgeritzt werden; Tropfrinnen
Harzung
Kolophonium

Pech = wird aus dem Harz hergestellt
Pecherhof
Pechhütte
Pechlerei = Harzgewinnung
Pechlerstift
Pechlerzunft
pichen
Röten/Zeschen
Schöpfen
= Leeren der Harztöpfchen
Siedepech
Stänker
Stimpler/Stümpler
= Raubpechler
Terpentinöl



weitere Informationen zur Pechlerei

Meistens wurde bestimmte Gebiete an die Pechler verpachtet. Das Pecheln wurde von Männern, Frauen und auch Kindern ausgeführt.
Die Pechbauern bearbeiteten ihre eigenen Bäume; die Pachtpechler hingegen arbeiteten von April bis September als Saisonarbeiter in fremden Wäldern.


Das Pechlermandat von 1763

Im Pechlermandat wurden Alter und Umfang der Bäume festeglegt, die ‚gepechelten‘ werden durften. Außerdem gab es eine genaue Vorschreibung, mit welcher Art Pechhäkel gearbeitet werden musste.

 

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