Der  Färber  färbt bzw. durchfärbt  Wolle, Garne und Textilien
– ursprünglich mittels verschiedenster Naturmaterialen und später auch mit Chemikalien.

 

Färberaltar: drei Männer rühren mit Stab in einem Holzbottich

1445, Erfurt – Färberaltar der Barfüßerkirche

Die Färberei galt im Mittelalter als schmutziges Geschäft, weil die Färber u.a. mit übel riechenden Substanzen (wie Urin) umgingen – was ihnen obendrein den Ruf einbrachte, selber unrein zu sein.
Wegen der extremen Geruchsbelästigung waren die Färberküchen am Rande von Ortschaften und, ob des hohen Wasserbedarfs, direkt an fließenden Gewässern angesiedelt. Meist befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft die Viertel der Textilbranche, denn ihre Arbeit war ja eng verbunden und abhängig von der der Weber und Tuchmacher.

Das Färberwesen hat eine lange Tradition, aber erst im Mittelalter fand im Rahmen allgemeiner Spezialisierungen eine Differenzierung und Unterscheidung von verschiedenen Färbern statt.

1482 – Flandrische Färberküche

 

unterschieden nach Farben:

  • Schwarzfärber – waren Spezialisten für das Färben von Schwarz
  • Blaufärber – nutzten v.a. heimischen Waidund und Indigoimport für Blaufärbungen
  • Rotfärber –  fertigten die roten Tuche für Klerus und Adel
  • Buntfärber –  waren die herkömmlichen Färber ohne Begrenzung auf nur eine Farbe
  • Schönfärber – verwendeten v.a. fremdländische Farbmittel und feine Stoffe

 

unterschieden nach Material:

  • Leinwandfärber (auch Schlecht- o. Schlichtfärber genannt) – färbten Flachsfasern
  • Tuchfärber (= Wollfärber) – spezialisiert auf das Färben von tierischer Wolle
  • Baumwollfärber – spezialisiert auf das Färben von Baumwolle
  • Bogolanfärber (auch Schlammfärber genannt) – afrikanisch-asiatische Baumwollfärbetechnik mit Schlamm
  • Seidenfärber – spezialisiertauf das Färben von Seide
  • Garnfärber – spezialisiert auf das Färben fertig gesponnener Garne

 

alter Stich: Färberei

1750 – ‘Färber, Tinctor, Infector’

 


Berufsbezeichnungen

Färber  –  (veraltet)   Ferber
Englisch:
Esperanto:
Französisch:
Italienisch:
Lateinisch:
Niederländisch:
dyer

teinturier
tintore
tinctor, infector
verwer
Polnisch:
Portugiesisch:
Rumänisch:
Schwedisch:
Spanisch:
Ungarisch:
farbiarz

vopsitor
färgare
tintorero
ruhafestő

Spezialisierungen:  Blaufärber, Rotfärber, Buntfärber, Schwarzfärber, Garnfärber, Seidenfärber, Tuchfärber
verwandte Berufe: Batik(färb)er, Bandhani-Färber, Blaudrucker, Bogolanfärber, Rauchfärber (Leder- und Fellfärber)


 

Färber, Färberei

1698 – ‘Der Färber’ [Christoph Weigel]

Färber, Färberei

 

 

 

 

 

Der Färber
Hier ist kein Streit, nur Einigkeit.

Durch Farbe Herz und Seele gantz
Jesus – Blut mit Purpur – Blank,
dem Aug des Nächsten zugefallen;
Daß, (wie die Farbe Schönheit bringt,
wann sie durch bleiche Wollen dringt,
dein Licht u. Schmuck hofft in uns alle.

 


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Zunft-, Innungs-  und Berufszeichen der Färber

 

 

Eigene Zünfte  der Färber entstanden – im Gegensatz zu anderen Zünften – erst gegen Ende des Spätmittelalters. Zuvor waren die Färber sogenannte Lohnwerker (Lohnarbeiter) der anderen tuchverarbeitenden Zünfte.

 


Vorbehandlung des Färbegutes

 

Deutscher Färberkalender 1929Um besonders brilliante oder helle Färbungen zu erzielen bleichte man Stoffe vorab – siehe Bleicher.
Damit  Wolle, Garne und Stoffe überhaupt Farbe annimmt müssen diese zunächst gewaschen und gebeizt werden. Die Beizlösung wird mit Wasser und Beizmitteln angerührt, das Farbgut hinzugefügt und ca. 1 Stunde darin belassen.

althergebrachte Beizmittel:
Alaun,  Ammoniak  (z.B. Pferdeurin),   Chrom,   Eisen,   Essig,  Weinstein,   Zinn

 

 


Färbertürme

Färbertürme dienten dem Aufhängen langer Stoffbahnen zum Trocknen. Leider sind heute nicht mehr viele dieser Türme erhalten. Konnte sich eine Gemeinde keine Färbertürme leisten, wurden die gefärben Stränge und Stoffe auch auf Leinen, Gestellen oder einem Zaun aufgehängt.  Neben den Färbern wurden diese Türme auch von den Bleichern der Stadt benutzt.

 

 


Berufsrisiken und Berufskrankheiten

  • Asthma
  • Brustwassersucht
  • Hautausschlag und -geschwüre
  • Katarrhe
  • Metallkoliken (vom Blei)
  • Rheumatismus
  • Schwindsucht
  • Vergiftungen
  • Wechselfieber

Die Arbeiter in den Färbereien sind vor allem durch die Einwirkung giftiger Farbstofflösungen und Beizen gefährdet. So erzeugt chromsaures Kali besonders am Handrücken Bläschenausschläge und Geschwüre, und ähnlich wirkt Pikrinsäure. Bei Verarbeitung von Zinn-, Zink- und Bleisalzen sind Vergiftungen nicht selten.
Jedenfalls sollten in Färbereien genügende Waschvorrichtungen und besondere Eßräume vorhanden sein, außerdem sind mit Rücksicht auf die vielerlei schädlichen Dämpfe, die sich bei den verschiedenen Färbeprozessen entwickeln, hohe, lufige und gut ventilierte Arbeitsräume zu verlangen. Sehr schädlich wirkt die große Nässe und der jähe Temperaturwechsel; aber auch bei asphaltierten Fußböden, leistungsfähigen Abzügen für den Wasserdampf und zweckmäßiger Kleidung treten Katarrhe und rheumatische Leiden häufig genug auf. Daß die nötigen Vorrichtungen gegen Verbrühungen und gegen die Gefahren, die Waschräder, Zentrifugen, Walzen etc. herbeiführen, zur Anwendung zu bringen sind, ist selbst verständlich.

[Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, 1902–1920]

 


 

altes Sammelbild: zwei Färber in der Färberstube Der Färber.
Grau und blaß sind die Tuche und Leinen ohne des Färbers nützliches Tun. Alle Gewerbe und kostbar und grob, taucht er in dampfende Farbe, in Indigo, Purpur und Scharlach hinein. Hoch ist geachtet die Buntfärberkunst, aber die Zahl ihrer Meister ist klein, denn es gibt keine einzige Stadt, die mehr als ein Dutzend Zunftbrüder hat. Urkundlich wird zuerst die Augsburger Einung genannt, um 1300 aber ist das Handwerk weit bekannt.
[Tengelmann-Sammelbild: Wahrhafftige und Eigentliche beschreibung von den Ständen, Zünften und Handwerken um 1575]

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