Der Weber gehört zu den ältesten Grundberufen unserer Zivilisation
– er stellt aus verschiedenen Garnen verschiedene Gewebe her.

Relief, Weber

Berlin, Martin-Gropius-Bau – [Sulamith Sallmann]

Wann begann das Weben?

 

In ägyptischen Gräbern sind Zeichnungen gefunden worden, die den Anbau von Flachs und die Herstellung von Flachsfasern zum Weben von Leinen darstellen. Leinen wurde damals reichlich verwendet. Die Bandagen, in welche die Mumien der Pharaoengräber eingewickelt sind, bestehen aus diesem Material. Der Flachs war also schon in früher Zeit bekannt.

 

Seit etlichen Jahrtausenden werden auch Gewebe und Taue aus Hanf hergestellt. Die Hanfpflanze wurde wegen ihrer Fasern in China schon 2800 v.Chr. gezogen. Die Fasern sind rauher als die des Flachses und häufig auch stärker; deshalb werden sie vor allem für Taue und Matten und andere strapazierfähige Gewebe gebraucht.
Hanf ist eine buschig ausssehende, etwa zwei Meter hohe Pflanze mit gezackten Blättern. Die Blüten sind entweder männlich oder weiblich.

[Jugendbuch, ca. 1970-80]


Berufzbezeichnung

Weber, Weberin
(englisch) weaver, webster, (französisch) tisserand,
vefari (isl.), tessitore (ital.), textor (lat.), wever (niederl.), tkacz (poln.), tecelão (port.), vävare (schwed.), tekedor (span.), dokumacı (türk.), takács (ung.),

Spezialisierungen :
Cottunweber (Baumwollweber), Damastweber, Deckenweber, Leinenweber (Tuchweber), Posamentierer (Band- und Bortenwirker), Samtweber, Seidenweber, Strumpfweber (Strumpfwirker), Tapetenweber, Teppichweber,  Wollweber, Zeugweber
verwandte Berufe:  Brettchenweber

 


Zunftzeichen der Weber

altes Zunftwappen der Weber

1898


Werkzeuge

Holzschiffchen fürs Weben

Holzschiffchen fürs Weben


Der Webstuhl


Die Webmaschine

Weber, Webmaschine

Webmaschine, um 1930


Genaueres über die Arbeit der Weber:
[…]
1. Die Vorbereitung:
Beim Weben werden so viele Fäden, als es zur Breites eines Zeuges gehören, parallel nebeneinander aufgespannt; sie sind so lang wie das zu webende Zeug und bilden zusammen die Kette. Rechtwinklig werden andere Fäden durch sie geführt, der Einschuß, von denen jeder abwechselnd einen oder mehrere Kettenfäden über und unter sich hat, so daß ein dichtes Geflecht entsteht. Ehe aber dieses Durchflechten, Weben, vorgenommen werden kann, müssen Kette und Einschuß dazu vorbereitet werden. Die Art, wie die Kettenfäden abgemessen und gelegt werden, heißt das Scheren oder Schweifen der Kette. Zunächst wird das Garnb auf Spulen gewickelt, was im Kleinen auf dem Spulrade, im Großen auf Spulmaschinen geschieht, welche viele Spulen auf einmal bewegen; 20 solcher Spulen oder auch mehr steckt man nun in zwei oder auch mehr Reihen auf ein Gestell, die Scherlatte, Schweifgestell oder Kanter. […]
Es werden nun die Enden der 20 Fäden durch einen Knoten verbunden und um einen langen Stift am untern Teil des daneben stehenden Scher- oder Schweifrahmens geschlungen. Der Umfang dersselben beträgt stets mehrere Ellen, so daß, wenn er 5 Ellen ausmachte und man ein 60 Ellen langes Stück weben wollte, man den Scherrahmen nur 12mal umzudrehen hätte, um von der Spule 20 Fäden von 60 Ellen Länge abzuwickeln. Die Welle des Scherrahmens läuft in Pfannen, so daß das Ganze leicht mit der Hand oder der Rolle, Schnur und Kurbel gedreht werden kann. Das Aufwickeln erfolgt in Spirallinien, wobei die Fäden entweder durch die Finger der Hand oder durch das Lesebrett ausgebreitet werden, damit sie sich nicht übereinander legen und ungleiche Längen herbeiführen; hauptsächlich aber, damit sie, um später Verwirrung zu vermeiden, so in zwei Teile getrennt werden, daß stets zwei benachbarte Fäden zu verschiedenen Abteilungen gehören. Dies wird dadurch erreicht, daß man z.B. die Fäden 1,3,5,7 u.s.w. zwischen Daumen und Zeigefinger, die Fäden 2,4,6 u.s.w. zwischen Zeige- und Mittelfinger legt, oder bequeme, daß man die Fäden in genannter Ordnung durch ein Brettchen, Lesebrett, führt, worin 20 Löcher in zwei waagerechten Reihen sind, oder auch durch 20 glatt durchbohrte Messingstifte, die in zwei Reihen und abwechselnd hintereinander stehen und von denen jede Reihe von einer rahmenartigen Umfassung besonders gehoben werden kann. damit man auch die Mühe erspart, beim Aufwinden die Fäden mit der Hand nachzuführen, bringt man die erwähnte Vorrichtung in ein Behältnis, welches an dem Pfosten mittelst einer Schnur gehoben und gesenkt werden kann. […]
(Quelle: Johann Friedrich Geist, Klaus Kürvers: Das Berliner Mietshaus. 1740-1862. Prestel-Verlag München, 1980)


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… ein iedes Gewebe besteht aus Zettel und Eintrag: Zettel heissen die langen gedrehten Fäden, welche auf dem grossen Zettelhaspel und Zettelstuhle angezettelt, und sodann auf dem Weberstuhle, oder Webergerüste aufgezogen werden, davon einige in die Höhe, einige herabwechseln, zwischen deren leeren Raume ein anderer Faden, der Eintrag oder Einschuß genennet, durch Hülfe des Weberschützens, gezogen wird. Dieß Werkzeug hat die Gestalt eines Schiffgens mit zweyen spitzigen Enden, darinn die Spule laufft, auf welcher der Faden zum Eintrag gewickelt ist. Stuhl und Schiff sind also die Hauptwerkzeuge aller Arten von Weber, die erstern aber findet man immer, ie nachdem es zu ieder Art der Zeuge erfordert wird, in Nebendingen abgeändert. Die vornehmsten Theiles eines Weberstuhls sind: Die Walze, oder der Brustbaum, der Garnbaum, der Streichbaum, der Zeugbaum, die Queerstangen, die Kämme, die Lade; dazu noch der Siz, der Tritt, der Anschlag, der Spanner, die Bürste und der Theiler gehören. …
(aus: Hrsg. J.S.Stoy. Bilder-Akademie für die Jugend. Nürnberg 1784)

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