Der Uhrmacher

Kupferstich: verschieden Arbeitsschritte der Uhrmacherei - 16. Jh

Ein  Uhrmacher  ist ein Konstrukteur und Hersteller von Uhren,
speziell von mechanischen Uhrwerken und deren Zubehörteilen.
Bei ihm kann Uhren auch reparieren oder inwendig reinigen lassen.

Hervorgegangen ist dieser Handwerksberuf aus den Reihen der Glockengiesser, Orgelbauer, Schlosser und Schmiede, die sich zu speziellen Mechanikern entwickelten, die sich der Herstellung von Uhren widmeten. Die Uhrmacherei zählte zunächst zu den Künsten, später zum Kunsthandwerk, v.a. aber gelten die Uhrmacher als Pioniere der Feinmechanik.

Zeichnung: kleines Mädchen schaut Uhrmacher bei der Arbeit zu - 1878

“Der Uhrmacher, das ist ein gar geschickter Mann. Mit den niedlichsten Werkzeugen setzt er Räder und Rädchen, Zapfen und Zäpfchen, Glocken und Glöckchen, Scheiben und Scheibchen zu künstlichen Uhren zusammen. Goldene und silberne Taschenuhren, Stutzuhren mit schönen Säulen, große und kleine Wanduhren sieht man in seiner Arbeitsstube. Die machen ein merkwürdiges Geräusch: tick, tack, tick, tack geht das immer, tief und hoch, stark und schwach. Und wenn nun gar eine Stunde vorüber ist, das solltet ihr das Schnurren und Schlagen hören. Da ruft eine große Wanduhr nach jedem Schlage: Kukuk! und eine Spieluhr fängt gar ein lustiges Stücklein an zu spielen. […] “

[G. Brumder  ‘Volksschul-Lesebuch’ – 1896]


Berufsbezeichnungen

Uhrmacher und Uhrmacherin  –   (veraltet)   Uhrenmacher,   Urleinmacher 
(noch älter)   Auer,   Auermacher,   Orglockner,   Ormeister
sowie   Seigermacher,   Seyermaker,  Zeygermaker,   Zitgloggener

in anderen Sprachen
Bulgarisch:часовникар
Dänisch:urmager
Englisch:clockmaker, watchmaker
Esperanto:horloĝisto
Finnisch:kelloseppä
Französisch:horloger
Griechisch:ωρολογοποιός
Isländisch:úrsmiður
Italienisch:orologiaio
Kroatisch:sajdžija
Latein:horologiarium, horologiarius
Niederländisch:horlogemaker
Norwegisch:urmaker
Polnisch:zegarmistrz
Portugiesisch:relojoeiro
Rumänisch:ceasornicar
Russisch:часовщик
Schwedisch:urmakare
Slowakisch:hodinár
Slowenisch:urar
Spanisch:relojero
Tschechisch:hodinář
Türkisch:saatçi
Ungarisch:órás

Berufsfamilien:         Instrumentenbauer,   Mechaniker
Spezialisierungen:   Grossuhrmacher,   Kleinuhrmacher,   Spieluhrmacher
verwandte Berufe:   Sanduhrmacher,   Sonnenuhrmacher,   Wasseruhrmacher


Zunftzugehörigkeit & Schutzpatron

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts organisierten sich Uhrmacher in Vereinigungen und Zünften; 1540 in Dresden, 1544 in Paris und 1631 in London. Im 18. Jahrhundert erfolgte Trennung der Großuhrmacher- und Kleinuhrmacherzünfte.

Großuhren: größere, ortsfeste Räderuhren; sprich Uhren, die nicht unmittelbar am Körper getragen werden
Kleinuhren: tragbare Uhren, wie Taschen- und Armbanduhren

Sammelbild: Uhrmacher ~1575 arbeitet an hüfthoher Räderuhr - 1934

Text zum Sammelbild:

Um das Jahr Tausend kamen die Uhren mit Räderwerk auf. Sie waren groß, von Gewichten getrieben und wurden in Klöstern zuerst hergestellt. Mönche haben das Handwerk gelehrt, das dann durch Kleinschmiede, Schlosser vermehrt, auch in den Städten zu hoher Gunst gelangten als zünftige Uhrmacherkunst.
Die Taschenuhr wurde in Nürnberg erdacht, um 1500 von Henlein gemacht.
Der Schutzpatron der Uhrmacher war Petrus mit dem Hahn, das Tier dabei wohl, weil es stets den Morgen kündet an.


Tengelmann-Sammelbild – 1934
‘Darstellung eins Uhrmachers von ca. 1575’

Skulptur: Petrus mit Hahn, Pfarrkirche Lermoos - Österreich

Simon Petrus stammte wie Jesus aus Galiläa und gehörte zu den ersten Jüngern, die Jesus in seine Nachfolge berief. Petrus als einer der wichtigsten katholischen Heiligen und gilt als Schutzpatron für verschiedene Orte und Handwerke; in Kombination mit einem Hahn dargestellt als Schutzheiliger der Uhrmacher.

‘Petrus mit Hahn’ – Figur über Beichtstuhl in der Pfarrkirche in Lermoos, Österreich


Uhrmacher bei der Arbeit

Holzschnitt: arbeitende Uhrmacher hinter zur Straße offenem Bogenfenster - 1568
Originaltext

Ich mache die reysenden Uhr /
Gerecht und glatt nach der Mensur /
Von hellem Glaß und kleim Uhrsant /
Gut / daß sie haben langen bestandt /
Mach auch darzu Hültzen Geheuß /
Dareyn ich sie fleissig beschleuß /
Ferb die Gheuß grün / graw / rot und blaw
Drinn man die Stund und Vierteil hab.

1568 – [Jost Amman / Hans Sachs]

Kupferstich:: vornehmer Herr schaut Uhrmacher bei der Arbeit zu - 1698
Originaltext

Seyd bereit, weil es Zeit.
___________________________________
Laßt un die guldne Stunden kauffen,
weil noch das Lebens=Uhrwerk geht,
eh die Bewigter schnell ablauffen,
und der bezirckte Zeiger steht;
dann an dem Blick der Zeit
hangt Wol und Weh der Ewigkeit.

1698 – [Christoph Weigel]


Uhren – Zeitreise

Im 14. Jahrhundert kamen grosse Räderuhren auf, und aus Italien setzte sich der automatische Stundenschlag durch. Diese Uhren waren in Kirchtürmen und städtischen Gebäuden zu finden. Als Hemmung dienten Foliot oder Waag (Balkenunruhe) mit Spindel, die in das Steigrad eingriff. Dieser Uhrentyp fand auch bei kleineren Uhren, Glockenspielen und Figurenautomaten Verwendung.

Bei der Federzuguhr wurde zur Egalisierung des Drehmomentes bei abnehmender Federspannung die Schnecke eingesetzt. Das Nürnberger Ei als transportable Taschenuhr wurde seit 1610 gefertigt. Die Gangdauer betrug etwa 40 Stunden.
1657 wurde durch Christian Huygens das Pendel als Gangregler für Standuhren eingeführt. Von ihm stammt auch 1675 die Federuhr mit Unruhe. Seit 1759 finden wir die freie Ankerhemmung, und 1840 kam der Kronenaufzug in Gebrauch. Uhrmacher werden bereits 1341 in Magdeburg und Stralsund erwähnt. Neben den ortsansässigen Zunftmitgliedern gab es wenige zunftlose Spezialisten, die von Stadt zu Stadt zogen. Seit dem 15. Jahrhundert wurde zwischen Grossuhrmachern und Kleinuhrmachern unterschieden. Die Kleinuhrmacher fertigten Tisch- und Reiseuhren, die auf Vorrat hergestellt und direkt verkauft wurden. Im 16. Jahrhundert kam die am Körper zu tragende Halsuhr in Mode, und im 17. Jahrhundert gründeten die städtischen Kleinuhrmacher eigene Zünfte.

Die Lehrzeit betrug 4 bis 6 Jahre, wobei die Lehrjungen das teure Werkzeug auf eigene Kosten anschaffen und ein hohes Lehrgeld zahlen mussten. Lehrlinge und Gesellen wohnten im Haus des Meisters, und die Gesellen erhielten einen relativ hohen Lohn. In England und der Schweiz wurden Uhren in Heimarbeit und Manufakturen in grosser Stückzahl hergestellt. Diese Uhren kamen auch auf den deutschen Markt. So war das städtische Handwerk seit etwa 1830 nur noch mit Reparaturen und Kleinhandel beschäftigt.
1824 wurde in Genf eine Uhrmacherschule gegründet. In der Schweiz betrug die Lehrzeit 2 Jahre und 6 Monate. Auch das Königreich Sachsen gründete 1878 mit den beteiligten Firmen 1878 eine Uhrmacherschule in Glashütte. Dort musste eine 4jährige Ausbildung absolviert werden.


Uhren
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