Bienen
Die Imker werden auch Zeidler oder Apiaristen genannt und beschäftigen sich mit der Bienenzucht, um Honig zu gewinnen.

Honig als Süßungsmittel ist schon seit tausenden Jahren bekannt, nur wurde zunächst keine Bienenzucht betrieben, sondern der Honig einfach aus den Waben gepult. Dadurch gingen die Waben meist gekaputt. Um nicht gestochen zu werden, versuchte man die Bienen mit Rauch abzulenken.

 


Berufsbezeichnungen

Imker, Imkerin, Apiarist, Apiculturist, Bienenwärter, Bienenzüchter, Zädler, Zeidler
beekeeper, apiculturist, apiarist (engl.),
bletar (alb.)
biavler (dän.)
abelisto (Esperanto)
mehiläishoitaja (finn.)
apiculteur (franz.)
býflugnabóndi (isl.)
apicoltore (ital.)
pčelar (kroat.)
apiarius (lat.)
birøkter (norw.)
bijenhouder, imker, iemker (niederl.)
pszczelarz (poln.)
abelheiro, apicultor (port.)
apicultor (rum.)
пасечник (russ.)
biodlare (schwed.)
včelár (slowak.)
apicultor (span.)
včelař (tschech.)
arıcı (türk.)
méhész (ungar.)


Imker bei der Arbeit

Imker, Comic, Humor, Bienenjagd

1883, England

alte Illustration mit engl. Text

1899


Bienenkörbe und Bienenhäuser

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Bienenzucht, die rationelle Ausübung der erlangten theoretischen Bienenkenntnis auf dem Bienenstande. Zweck der Biene ist, Honig und Wachs zu ernten; nebenbei wird Gewinn durch den Verkauf von Bienenvölkern erzielt. Die Einrichtung einer Bienenwirtschaft erfordert nur ein geringes Anlagekapital, und weil sich dies bei rationeller Wirtschaft reichlich verzinst, so ist der aus der Bienenzucht erhaltene Gewinn geradezu ein landwirtschaftlicher Fund.

Bienenschwarm, Imkerei

1903

Zuchtarten. In älterer Zeit betrieb man sog. Waldbienenzuckt. Der Bienenzüchter (Imker) erwirkte sich vom Waldbesitzer die Erlaubnis, eine Anzahl von Bienenstöcken im Walde zu halten, wofür er an Pacht jährlich Honig und Wachs zu entrichten batte. Der Züchter höhlte stehende dicke Baumstämme backtrogähnlich aus und verschloß die senkreckte Öffnung mit einem Brettchen, in das Flugöffnungen für die Bienen eingeschnitten waren. Entweder besetzte man die Beute alsbald mit einem Volke oder wartete, bis ein Schwarm freiwillig von ihr Besitz nahm. Die endlich eintretende rationelle Forstwirtschaft machte der Waldbienenzucht ein Ende.
Gegenwärtig betreibt man Gartenbienenzucht, d.h. man stellt die Bienenstöcke im Hausgarten in der Nähe des Wohnhauses auf, um sie stets vor Augen zu haben. Die Gartenbienenzucht ist eine Standbienenzucht, wenn die Völker jahrrein jahraus auf demselben Platze im Garten steben bleiben: eine Wanderbienenzucht aber wird sie, wenn man die Stöcke, sobald im Orte die Nahrung für die Bienen knapp wird, in eine bessere Gegend bringt. In der Regel ist die Wanderbienenzucht lohnend, wenn das Wetter günstig bleibt.

Standort. Bienenvölker stelle man nur an recht windstillen, besonders nicht zugigen Plätzen auf. Den Strahlen der Mittagssonne dürfen Bienenstöcke nicht ausgesetzt sein; denn im Sommer werden die Tiere in der Sonnenhitze träge und die Wintersonne verlockt sie zu Ausflügen, wobei sie dann im noch liegenden Schnee den Tod finden. An großen Gewässern, Flüssen, Teichen und Seen stelle man Bienenstöcke ebenfalls nicht auf, weil Bienen, die über Gewässer fliegen und niederfallen, sofort ertrinken. Der Ort, wo Bienen stehen, muß eine recht ruhige Lage haben; besonders darf im Winter der Erdboden an ihm nicht stark erschüttert werden. Vor den Bienenstöcken halte man einen 1 m breiten Sandplatz stets von Gras und Unkraut rein, und in der Nähe der Stöcke pflanze man niedrig bleibende Bäume und Sträucher an, wo sich dann die Schwärme anlegen.

Bienenwohnungen. Als Material zu Bienenwohnungen verwendet man Holz und Stroh. Je poröser eine Holzart ist, desto besser eignet sie sich; denn die in den Poren unbeweglich eingeschlossene Luft hält die Wärme fest. Stroh ist ebenfalls warmhaltig, billig und läßt sich in allerlei Formen verarbeiten. Die älteste Art der von Menschen angefertigten Bienenwohnungen ist die Klotzbeute, eine Nachahmung des hohlen Baumstammes. Sie ist ein Baumstamm von 1,5 bis 2 m Länge und etwa 60 cm Durchmesser. Das Innere des Stammes wird backtrogähnlich ausgehöhlt und die Höhlung mit einem Brettchen verschlossen, in das Fluglöcher eingeschnitten sind. Entweder stellt man die Beute senkrecht auf (Ständerbeute) oder legt sie auf eine Unterlage (Lagerbeute). Die ursprüngliche Form des Strohkorbes war der allbekannte Stülpkorb. Neben ihm traten die wunderlichsten Korbformen auf, die sich jedoch ihrer Unzweckmäßigkeit wegen nicht erhielten. Der sog. Magazinkorb, aus 4 bis 5 Ringen (Untersätzen) zusammengesetzt, spielte im vorigen Jahrhundert eine Rolle. Auch Lagerstöcke von Stroh, sog. Walzen, hatte man. Eine der zweckmäßigsten Wohnungen älterer Zeit ist der aus Stroh geflochtene Thorstock, der unten durch einen Holzrahmen zusammengehalten wird. 1845 trat Pfarrer Dzierzon zu Carlsmarkt in Schlesien mit seinem Stocke beweglicher Waben in die Öffentlichkeit, und fast mit Blitzesschnelle verbreitete sich seine Theorie und sein Stock nicht bloß in Deutschland, sondern in ganz Europa und weit über dessen Grenzen hinaus. Dzierzon nahm Holzstäbchen von 25 mm Breite und so lang wie die Breite seines Stockes; an diese klebte er mit flüssigem Wachs schmale Wabenstreifen (Nichtwaben) und legte sie in seinen Stock auf Leisten oder in Nuten. Die Bienen bauten das Richtwachs zu Waben aus. Löst man die Wabe von den Seitenwänden los, so kann man den Wabenträger mit der Wabe herausheben und entweder in dieselbe oder eine andere gleich breite Wohnung unbeschädigt wieder einhängen. Um ein Verschieben der Wabenträger zu verhindern, brachte Baron von Berlepsch an deren Enden Vorsprünge oder sog. Ohren an. Allein die Ohren sprangen leicht ab, weshalb man sie wegließ und statt derselben Drahtstifte einschlug, welche die Entfernung der Träger voneinander regulieren. Um das Herausheben der Waben aus den Stöcken noch mehr zu erleichtern, erfand Baron von Berlepsch das Rähmchen; dies umschließt die Wabe auf allen vier Seiten, weshalb ein Anbauen derselben an die Stockwände nicht möglich ist. Gegenwärtig imkert die Mehrzahl der Bienenwirte mit Rähmchen.
Der Dzierzonstock existiert in zwei Hauptformen: als Ständer- und als Lagerstock. Bei dem Ständer geht die größte Ausdehnung in die Höhe, bei dem Lager dagegen in die Länge. Vorder- und Seitenwände des Ständers sind 5-6 cm starke Bohlen; zu Boden und Decke genügt ein 2,6 cm starkes Brett. Das Flugloch bringt man in der Vorderwand unmittelbar über dem Boden an. Für die Überwinterung ist es vorteilhaft, Front und Seitenwände doppelwandig anzufertigen und den Zwischenraum mit warmhaltig^m Material auszufüllen. Baut man drei Ständer zusammenhängend (Dreibeute), so fliegen die Bienen nach drei verschiedenen Gegenden hin aus. Errichtet man zwei Dreibeuten übereinander, so hat man die Sechsbeute. In den beiden untern Rähmchenlagern (Etagen) soll das Volk brüten, Wintervorräte ansammeln und überwintern. Der Stock muß aber noch einen dritten Raum haben, der dazu bestimmt ist, die Honigvorräte bis zur Ernte hin aufzunehmen: es ist dies der sog. Honigraum oder Honigspeicher. Weil die Bienen instinktmäßig den Honig stets im Haupte des Stockes aufsammeln, so gehört der Honigraum ganz naturgemäß über den Brutraum. Es müssen darum die Arbeitsbienen einen bequemen Durchgang (Vogelschen Kanal) aus dem Brut- in den Honigraum haben, den aber die Königin nicht passieren soll. Der Kanal befindet sich in der innern Seite der Vorderwand, ist 30 cm (senkrecht) lang, 1,9 cm tief, flacht sich aber nach oben und unten etwas ab. In der Mitte seiner Länge ist ein etwa 15 cm breites und 5 mm dickes Brettchen angebracht, so daß für den Kanal selbst 1,4 cm Tiefe bleibt. Selbstverständlich ist der Kanal so angebracht, daß er mit der obern Hälfte in den Honig- und mit der untern in den Brutraum reicht. Sollen die Bienen den Kanal nicht benutzen, so wird er im Honigraume geschlossen. Die Beute hat in jeder Etage eine Tiefe für 12 Rähmchen, so daß sie, wenn sie vollständig ausgebaut ist, 36 Rähmchen beherbergt, von denen 24 im Brut- und 12 im Honigraume stehen. An der hintern Seite hat die Beute einen Falz für die Thür. Weniger Verbreitung fand von Berlepschs Lagerbeute. Vorderwand und Seitenwände sind entweder aus Bohlen gearbeitet oder sind warmhaltig ausgestopfte Doppelwände. Zum Boden genügt ein einfaches Brett. Das Flugloch befindet sich in der Stirnwand. Der Innenraum ist 41 cm hoch, 74,8 cm tief und 23,5 cm breit. Die Rähmchen hängen in zwei Etagen übereinander und stehen mit ihren Unterteilen etwa 1,6 cm über dem Boden. Die obere Rähmchenlage ist mit 0,65 cm dicken sog. Deckbrettchen quer belegt. Als Honigraum wird das hintere Drittel der Beute benutzt. Dieser Raum wird dann durch ein dünnes Scheidebrettchen vom Brutraum abgesperrt; der Vogelsche Kanal ist hier im Vodenbrett unter dem Scheidebrett angebracht. Die Thür nimmt ein Falz auf. Steht der Stock frei im Garten, so bedarf er eines schützenden Daches. Für Stöcke mit unbeweglichen Waben, Körbe, Walzen, Thorstöcke u.s.w. baut man in der Regel ein Bienenhaus (Bienenschauer u.s. w.), dessen Front nach Südost gerichtet ist. Höchstens darf ein Bienenhaus eine Höhe für drei Reihen übereinander stehender Stöcke haben. Die Traufe muß hinter das Häuschen fallen; vorn muß das Dach weit überstehen. Klotzbeuten und Dzierzonstöcke stellt man im Freien auf. Eine Zierde jedes Gartens sind die von Baron von Berlepsch konstruierten Bienenpavillons.

Foto: Sulamith Sallmann: Nahaufnahme HonigwabenBetriebsmethoden. In der Bienenzucht unterscheidet man zwei Vetriebsmethoden. Die Schwärmmethodebesteht darin, daß man die Bienen in kleinen Stöcken pflegt, damit sie frühzeitig und viel Schwärme liefern. Um im Herbst Honig und Wachs zu gewinnen, kassiert man die honigreichsten und die honigarmen Völker. Diese Methode ist aber nur in honigreichen Trachtgegenden ausführbar. Die Zeidelmethode besteht darin, daß man die Völker in geräumigen Stöcken hält, damit sie nicht schwärmen, sondern bloß Zellen bauen und Honig eintragen. Im Frühjahr scheidet (zeidelt) man dann Waben und den überschüssigen Honig aus. Da aber der Winter Völker hinrafft, einige auch im Sommer zu Grunde gehen, so muß bei Befolgung derZeidelmethode, da Ersatz nicht eintritt, der Bienenstand bald aussterben. Man half sich damit, daß man einen Teil der Völker zum Erwärmen, den andern zum Honigeintragen bestimmte, also eine gemischte Methode befolgte. Erst im Stocke mit beweglicher Wabe wurde die Biene ein Haustier; denn im Dzierzonstock ist der Imker nicht mehr von dem Instinkt und den Launen der Bienen abhängig, sondern ist imstande, ihrer Thätigkeit Richtung und Ziel vorzuschreiben. Aber jeder Eingriff in den Haushalt des Volks, der wider die Natur ist, bringt Schaden. Glück mit dem Dzierzonstock hat darum nur der Imker, der die Bienennatur gründlich erkannt hat.

Bienenjahr. Das Bienenjahr teilt man in vier Abschnitte oder Perioden.
Die erste Periode ist die der Ein- und Überwinterung. Sie beginnt mit dem Oktober und umfaßt die Wintermonate November bis Februar. Unter 15 Pfd. Honigvorrat sollte man kein Volk in den Winter nehmen. Fehlt es bei der Einwinterung an Honigwaben, so muß man Kandis auflösen und die Völker damit füttern. Gewöhnlich wintert man ein Volk auf sechs bis acht Waben in einer Etage ein. Die Honigvorräte müssen sich über dem Bienensitz befinden. Tritt im November Kälte ein, so stellt man im Brutraum ein Brett (Überwinterungsbrett) bis an die Waben und verpackt den Raum zwischen Brett und Thür mit warmhaltendem Material (Kissen, Moos u. s. w.); in frei stehenden Einbeuten stopft man auch den Honigraum aus. Klotzbeuten, Strohkörbe u.s.w., die frei im Garten stehen, umstellt man mit Rohr; Stroh verwende man hierzu nicht, weil es Mäuse anlockt. Die Stöcke im Bienenhause schützt man durch Bretterklappen gegen Kälte und gegen die Wintersonne. Am besten überwintern die Bienen in vollkommen finstern und trocknen Räumen, Kellern u.s.w. Weil Mäuse gern dem Honig nachgehen, so verenge man die Fluglöcher durch Nägel, so daß wobt Bienen, aber nicht Mäuse durchdringen können. Im Januar, spätestens im Februar nehmen die Völker den Brutansatz wieder auf, und es fehlt ihnen dann häufig an Wasser, den fest gewordenen Honig flüssig zu machen: man thut darum gut, ihnen jetzt im Stocke Wasser zu reichen, ohne sie jedoch aus der Winterruhe aufzustören. Der zweckmäßigste Tränkapparat ist die Ziebolzsche Tränkflasche.

Die zweite Periode, März und April, reicht von der Auswinterung bis zur ersten Frühlingstracht. Die Biene sammelt im Winter allen Unrat im Enddarm an. Verzögert sich der Reinigungsausflug, so geben die Tiere wider ihre Natur den Unrat im Stocke von sich und beschmutzen sich gegenseitig und ihre Waben. Man nennt diese Ersicheinung die Ruhr. Sie ist sofort beseitigt, wenn ein freundlicher Sonnentag einen Reinigungsausflug gestattet. Jetzt reinigt man auch die Bodenbretter von toten Bienen und allem Gemüll. Völker, deren Honigvorrat zu Ende gehen will, müssen reichlich gefüttert werden (Notfütterung). Die Winterverpackung wird, damit die Völker recht warm sitzen und reichlich Brut ansetzen, jetzt noch nicht entfernt.
Starb im Winter eine Königin, so vereinige man die weisellosen Bienen mit dem Nachbarstocke. Verlor ein Volk im Winter drei Viertel seiner Bienen, behielt aber die Königin, so vereinige man es mit einem weisellosen. Weisellose Stöcke dulde man in dieser Periode nicht aus dem Stande, weil sie Veranlassung zur Räuberei geben. Tritt Mitte April freundliches Wetter ein, so füttere man die volkreichsten Stöcke reichlich: sie setzen dann reichlicher Brut an. Es ist dies die sog. spekulative Fütterung. Zur Bereitung des Brutfutters brauchen die Bienen aber auch viel Blumenstaub (Pollen). Weil sie diesen in der Natur noch nicht reichlich finden, so füttere man jetzt Getreidemehl, das ein Ersatzmittel des Blumenstaubes ist. Man drückt das Mehl in Drohnenwaben und legt diese an einem windstillen und sonnigen Orte nieder. Gar mancher Biene erhält man das Leben, wenn man an einem recht sonnigen Orte ein Gefäß mit Wasser aufstellt, in das man Moos legt; die Bienen sitzen dann beim Einsaugen des Wassers gefahrlos.

Die dritte Periode umfaßt in honigarmen Gegenden die Zeit von der Frühlingsvolltracht bis zum Ende aller Tracht, Mai, Juni und Juli. Weil nur volksstarke Stöcke Gewinn bringen, so muß man darauf bedacht sein, schon Anfang Mai schwache Völker zu verstärken. Stöcke mit beweglichen Waben verstärkt man durch bloße Brutwaben, deren Nymphen der Reife ganz nahe sind.
Völker in Stöcken mit unbeweglichen Waben, Körbe,Thorstöcke u.s.w. verstärkt man mit Volk. Sind die Bienen vormittags im schärfsten Fluge, so nimmt man das starke Volk von seinem Standplatze und stellt das schwache dahin; den starken Stock aber setzt man an die Stelle des schwachen. Der schwache Stock erhält nun alle Flugbienen des starken und setzt infolgedessen stark Brut an. Tritt im Mai reiche Tracht ein, so verschaffe man den Völkern Raum zum Unterbringen des Honigs. Körben giebt man Neben- und Aufsätze. Aus dem Brutraum der Dzierzonstöcke nimmt man die mit Honig gefüllten Waben und hangt sie in den Honigraum, um die Bienen in denselben zu locken. An die Stelle der entnommenen Waben stellt man Mittelwände zum Ausbauen. In manchen Jahren entwickeln sich die Völker so frühzeitig, daß sie schon im Mai an das Schwärmen denken. Die ersten Vorbereitungen dazu bestehen im Ansatz von Drohnenbrut. Alsbald erbauen dann die Bienen Weisellosen und die Königin besetzt diese Zellen (etwa innerhalb dreier Tage) mit Eiern. Sind die königlichen Zellen bedeckt und verwandelt sich die Larve in eine Nymphe, so verläßt die alte Königin in schönster Tagesstunde mit dem größten Teile der flüggen Bienen den Stock. Der Schwarm mit der alten Mutter heißt Haupt-, Vor- oder Erstschwarm. Giebt das Volk ein ferneres Schwärmen auf, so dulden die Arbeitsbienen das Verletzen der Weiselzellen und vollenden das Zerstörungswerk. Wollen sie aber nochmals schwärmen, so schützen sie die Weiselzellen. Eine freie junge Königin verläßt nun mit einem Teile des Volks den Stock, und dies ist ein Nach- oder Afterschwarm. Oft folgen in Zwischenräumen noch mehr Nachschwärme. Die schwärmenden Bienen sammeln sich endlich, am liebsten an einem Zweige, von wo sie der Imker in eine Wohnung einschlägt. In Gegenden, die Herbsttracht haben, befolgt man die Schwärmmethode, weil dort die Schwärme auf der Heidetracht (August) sich für den Winter noch reichlich mit Bau und Honig versehen. Ja in solchen Gegenden kommt es vor, daß ein diesjähriger Vorschwarm selbst einen Schwarm ausstößt,den man dann einen Jungfernschwarm nennt; folgen ihm Nachschwärme, so sind dies Jungfernnachschwärme. Stirbt im Sommer einem Volke die Mutter, so erbrütet es sich junge Königinnen. Nicht selten stößt ein solches Volk einen Schwarm aus, der sich vorher durch das „Tühten“ der jungen Königin ankündigt und darum Tüht- oder Singerschwarm genannt wird. In Gegenden, wo die Bienen selten oder wenig schwärmen, muß der Züchter, um den Bienenstand auf der Normalhöhe zu erhalten, zur künstlichen Vermehrung schreiten. Die älteste künstliche Vermehrungsart ist das Abtrommeln oder Abtreiben. Es besteht darin, daß man aus einem schwärmreifen Korbe die fruchtbare Mutter mit dem größten Teil der flüggen Bienen in einen dicht aufgesetzten leeren Korb durch Klopfen (Trommeln) treibt. Der junge Stock heißt Triebling und wird auf den Platz des Mutterstockes gestellt; den abgetriebenen Korb aber stellt man an den Platz eines recht volkreichen Stockes; letzterm giebt man einen beliebigen Platz auf dem Stande. Das Ablegen besteht in seiner einfachsten Form darin, daß man Bau und Bienen eines recht starken schwärmreifen Volks in zwei Teile zerlegt; der schwächere Teil behält die alte fruchtbare Mutter, während der brüt- und bienenreichere Teil sich eine Königin erbrüten muß, wenn man ihm nicht sofort eine der Reife ziemlich nahe Weisezelle einfügen kann. Es ist also diese Vermehrungsart ein kühner Eingriff in den Haushalt der Bienen, der darum nur von einem Meister ausgeführt werden sollte.
Dem Anfänger ist das sog. Zufammenstoppeln von Völkern zu empfehlen. Sobald einige starke Völker Drohnenbrut angesetzt haben, stelle man einige kleine Brutableger zur Erbrütung von Königinnen her, die man auf einem etwas entfernten Orte aufstellt. Sind die Königinnen dieser Völkchen fruchtbar geworden, so verstärkt man sie zunächst vom heimischen Stande aus mit flüggen Bienen, hernach noch mit einigen möglichst reifen Brutwaben. In allen honigarmen Gegenden muß man mit der Vermehrung im Juni fertig fein; denn später eingerichtete Völker finden nicht mehr Tracht genug, ihre Wohnung auszubauen und Nahbrung für den Winter einzutragen. Ende Juni und im Juli beschränkt man den Wabenbau dadurch, daß man nur noch im abgesonderten Honigraume bauen läßt. Jeder übermäßige Brutansatz nach dem 24. Juni ist nachteilig; denn alle Bienen, zu denen nach dem Johannistage die Eier gelegt wurden, werden im laufenden Jahre zu jeglicher Tracht zu spät flügge. Völker, die geschwärmt haben, abgetrommelt oder abgelegt wurden, untersucht man Ende Juni und Anfang Juli auf ihre Weiselrichtigkeit. Hat das Volk jetzt nicht wieder junge Brüt, so ist es weisellos oder hat eine untaugliche Königin. Dem weisellosen Volke giebt man eine Königin oder Weiselzelle oder doch junge Bienenbrut; die untaugliche Königin muß vorher aus dem Volle entfernt werden.

Bienenhaus in der blühenden Heide

1918, Lüneburger Heide

Die vierte Periode des Bienenjahrs umfaßt die Honigernte und die Zeit der Vorrichtungen für die Einwinterung, August und September. In Heidegegenden gewährt das Heidekraut, das Anfang August in Blüte tritt, den Bienen oft so reichlich Nahrung, daß sie in der Heide mitunter nochmals das Schwärmen vorbereiten. Man wandert darum Anfang August mit den Stöcken in die Heide, von wo man sie erst Ende September zurückholt. In honigarmen Gegenden ist bereits im August jegliche Tracht vorüber. Der Vermehrungstrieb erstirbt jetzt, weshalb die weiselrichtigen Völker spätestens Anfang August die Drohnen als fortan nutzlose Glieder abstechen; man nennt diesen Vorgang die Drohnenschlacht. Nur weisellose und weiselunrichtige Völker vertilgen die Drohnen nicht.
Die Honigernte wird jetzt beendet. Die Honigräume werden geleert und den Körben entnimmt man die An- und Auffätze. Das Hauptaugenmerk muß dabei auf die Wintervorräte sich richten. Jetzt muß ein Korb mindestens 20-25 Pfd. inneres Guthaben, soll er überwinterungsfähig sein, zumal wenn er alten schweren Bau hat. Bei Stöcken mit beweglichen Waben schätzt man die Honigvorräte nach dem Gewicht. Honigarme Stöcke unterstützt man mit bedeckten Honigwaben oder füttert sie Anfang September mit aufgelöstem Kandis auf. Nur volksstarke Stöcke vermögen den Gefahren des Winters energisch zu trotzen. Schwache Völker muß man darum im August und September vereinigen; um dabei Beißerei zu verhüten, besprengt man die zu vereinigenden Bienen mit Honigwasser.

 

Foto: Sulamith Sallmann: goldener, flüssiger Honig in Bienenwaben Erntebereitung. Den geernteten Honig sortiert man in 1) Scheibenhonig, den man als solchen an Liebhaber verkauft, und 2) in Waben, die ausgeschleudert werden sollen. In einem warmen Raume entdeckelt man mit einem recht dünnklingigen Messer die Waben und schleudert den Honig mit der Hruschkaschen Schleudermaschine aus den Zellen. Die geschleuderten Waben hängt man auf einige Tage in
die Honigräume, wo sie von den Bienen ausgeputzt werden, wonach man sie an einem trocknen Orte, an dem Mäuse nicht hausen, für das nächste Jahr zu abermaliger Benutzung aufbewahrt. Wachs gewinnt man mittels der Wachsdampfpresse; kleinere Wabenrückstände preßt man mit einer gewöhnlichen Handwachspresse aus.
(Quelle: Brockhaus Konversationslexikon, 1894-96)

 

 


Werkzeuge und Zubehör der Imkerei

Honigschleuder, Imkerpfeife

 

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