Unter einem Maskenmacher stellen wir uns wohl am ehesten jemanden vor,
der Masken zur  V e r k l e i d u n g  und  B e l u s t i g u n g  anfertigt.

Maskenmacher, Maske, Narrenmaske

2014, Tettnang – Narrenmaske ‚Blaufärber‚ [Andreas Praefcke]

Tatsächlich ist der Begriff Maske eine Ableitung des arabischen Wortes  m a s k h a r a t ,
was eine Gesichtsbedeckung mit der Bedeutung Narr, Posse oder Scherz umschreibt.

Obgleich es auch andere Verwendungsweisen gibt,
bezieht sich dieser Beitrag im Wesentlichen auf eben die Masken, die
für Maskenball, Karneval nebst Festumzügen, Fasching und Halloween
sowie auf solche, die für Maskenspiel, Theater und Film
hergestellt wurden und werden.

 

 

Text zum SammelMaskenmacher, Maskenmacherwerkstatt, Maskenbild:

Trotzdem in den letzten Jahrzehnten das Maskentreiben entschieden zurückgegangen ist, beschäftigt sich noch immer eine große Industrie mit der fabrikmäßigen Herstellung von Masken. Dieses Gewerbe blühte schon im Mittelalter. Unser Bild gewährt einen Einblick in die Werkstatt eines Maskenmachers im 17. Jahrhundert. Die Frau bereitet die Masken vor, die damals einzeln in Formen gepreßt wurden, und der Mann überbemalt sie, nachdem die Papiermasse getrocknet ist.

 

 


Berufsbezeichnungen

Maskenmacher, Aufsetzköpfemacher, Larvenmacher, Theatermaskenmacher
(ital.) mascheraio

verwandte Berufe: Maskenbildner, Puppenmacher


 

Die gewerbliche Maskenproduktion begann als Nebenbeschäftigung der Puppenmacher. Deshalb bildete sich als Zentrum nicht die Karnevalshochburg Rheinland heraus, sondern Thüringen mit seiner Puppenfabrikation. Hier wurde 1805 begonnen, mit Pappmaché zu arbeiten. Wenig später gab es bereits sog. Drücker. Sie drückten die Pappmasse in Puppenformen. In auftragsschwachen Zeiten widmeten sich viele von ihnen der Maskenherstellung.

 

Maskenmacher, Maskenfabrik, Thüringen

Werbung von 1931

Aus dieser Nebenbeschäftigung ging die professionelle Maskenproduktion hervor. Sonneberg, Manebach und Ohrdruf entwickelten sich zu den Zentren. 1832 begann in Manebach die erste Fabrik* mit der Herstellung von Masken, 1862 in Sonneberg.

 

Thüringen mit seinen Papiermühlen und billigen Arbeitskräften bot beste Voraussetzungen für dieses vor allem in Heimarbeit ausgeübte Gewerbe. In fast jedem Dorf um Sonneberg gab es Maskenmacher. Heinersdorf wurde sogar als spezielles Maskenmacherdorf bezeichnet.

Maskenmacher, Maskenfabrik, Thüringen

Teil eines Briefkopfes von 1929

* In Manebach waren aufgrund der großen Nachfrage gleich zwei große Firmen ansässig, die vorwiegend Heimarbeiter beschäftigten und weltweit großen Bekanntheitsgrad erlangten, die Firmen Eilers & Mey (1832 – 1971) und Heintz & Kühn (1859 -1960).

 


Die Arbeit der Maskenmacher

 

Maskenmacher, Masken, AufsetzköpfeDie Gesichtsmasken entstanden in Auflegetechnik auf Positivformen, die großen Aufsetzköpfe auf Postivformen stellte [man] in Hohlformen her. Die Formen fertigten begabte Modeleure aus Gips, manchmal waren es sogar Bildhauer. Von diesen Gipsmasken wurden Tonabdrücke hergestellt und gebrannt. Damit die Maskenmacher zügig produzieren konnten, erhielten sie vom Verleger meist mehrere Dutzend Formen. Die Heimarbeiterstuben und die Fabrikräume verließen […] im Jahr rund 60000 Hexen-, Vagabunden-, Clownsgesichts- und Tiermasken.

 

An warmen Sommertagen brachten die Maskenmacher ihre Erzeugnisse zum Trocknen vor die Häuser. Bei ungünstiger Witterung stapelten sie die Masken in den engen Wohn- und Werkstattzimmern. Der feuchtstickige Dunst des Papppmaché und des Knochenleims erfüllte die Räume. Der größte Teil der Wohnungen bestand neben einer Schlafkammer aus nur einem Raum, der Küche, Wohnzimmer und Werkstatt zugleich war. In diesem […] mußten oft auch die Kinder schlafen, da sie vielfach keine eigene Kammer besaßen.
In den Heimarbeiterstuben mußten für ein erbämliches Geld auch die Kinder mitarbeiten. So bekam ein 14-jähriges Mädchen für das Stempeln der Masken mit  ‚Made in Germany‘  5 Pfennig für die Stunde. Dafür konnte sie sich 1912 nicht einmal 1/4 l Milch kaufen.

[…] Wie vor 100 Jahren entsteht der größte Teil der Masken in Heimarbeit und im wesentlichen in Handarbeit. Frauen rühren Tapetenkleister und Kartoffelstärke zu einer puddingähnlichen Masse zusammen, in der sie den vorher auf 32 mal 24 Zentimeter zugeschnittenen Gazestoff einweichen. Der wird auf Gesichtsformen aus Porzellan oder Ton gedrückt – diese Formen [mancher Maskenmacher besaß bis zu 100 Stück] sind der Schatz der Maskenmacherwerkstatt. Einen Tag später werden die erstarrten Masken von den Formen gelöst. Ist der Rand beschnitten, beginnt das maschinelle Ausstanzen der Augen-, Mund- und Nasenöffnung.

 

Mit dem Tode des letzten Maskenmachers in Ohrdruf endete 1979 nach anderthalb Jahrhunderten vorerst in Thüringen dieses Gewerbe.

 

 (Bernd Wurlitzer: Historische Werkstätten, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989)

 


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Film „Theatre Mask“ von Pathé 1956

 


Andere Länder – andere Masken

 

 


weitere Verwendung von Masken

 

für  R i t u a l e :  Ritualmasken,  Schamenenmasken,  Totenmasken

zur  B e s t r a f u n g  (historisch):  Schandmasken

zum  S c h u t z :  Gasmasken (militär),  Atemschutzmasken,  Arbeitsschutzmasken (z.B. für Schweißer),  Sportschutzmasken (z.B. für Taucher, Fechter, Rennfahrer)

 


Buchempfehlung

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  • Rudolf Utzinger:  Masken. TB-Verl. Book on Demand, 1900
  • Rudolf Utzinger:  Masken 1922. Verl. Facsimile Publisher, 2015

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Hatje Cantz:  Masken. Hrsg. Ralf Beil. 2009
(leider vergriffen – evtl. über ZVAB.com oder secondhand ehältl.)

 

 

 

 

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