Der Maskenmacher

Farbfoto-Karte: Historische Hexenmaske aus Holz

Unter einem Maskenmacher stellen wir uns wohl am ehesten jemanden vor,
der Masken zur  V e r k l e i d u n g  und  B e l u s t i g u n g  anfertigt.

Farbfoto-Karte: frz. Maske aus Pappmaché ~1920
Pappmachémaske ~1920


Tatsächlich ist der Begriff Maske eine Ableitung des arabischen Wortes  m a s k h a r a t ,
was eine Gesichtsbedeckung mit der Bedeutung Narr, Posse oder Scherz umschreibt.

Obgleich es auch andere Verwendungsweisen gibt,
bezieht sich dieser Beitrag im Wesentlichen auf eben die Masken, die
für Maskenball, Karneval nebst Festumzügen, Fasching und Halloween
sowie auf solche, die für Maskenspiel, Theater und Film
hergestellt wurden und werden.


Berufsbezeichnungen

Maskenmacher,  Larvenmacher,   Maskengestalter
in anderen Sprachen

Bulgarisch:производител на маска
Englisch:manufacturer of masks, mask maker
Französisch:fabricant de masque.
Italienisch:mascheraio
Polnisch:producent maski
Portugiesisch:fabricante de máscara
Russisch:производитель маски
Spanisch:fabricante de la máscara

Spezialisierungen:   Aufsetzköpfemacher,   Theatermaskenmacher
verwandte Berufe:    Puppenmacher,   Maskenbildner

Foto: rote Teufelsmaske
2010, Berlin, Karneval der Kulturen – [Foto: Sulamith Sallmann]

Maskenmacher bei der Arbeit

Sammelbild: Herstellung von Masken im Mittelalter

Text zum Sammelbild: Herstellung von Masken im Mittelalter
Trotzdem in den letzten Jahrzehnten das Maskentreiben entschieden zurückgegangen ist, beschäftigt sich noch immer eine große Industrie mit der fabrikmäßigen Herstellung von Masken. Dieses Gewerbe blühte schon im Mittelalter.

Unser Bild gewährt einen Einblick in die Werkstatt eines Maskenmachers im 17. Jahrhundert. Die Frau bereitet die Masken vor, die damals einzeln in Formen gepreßt wurden, und der Mann übermalt sie, nachdem die Papiermasse getrocknet ist.


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Die Thüringer Maskenmacher

sw Foto: Anfertigung von Masken in familiärer Heimarbeit ~ 191o

Die gewerbliche Maskenproduktion begann als Nebenbeschäftigung der Puppenmacher. Deshalb bildete sich als Zentrum nicht die Karnevalshochburg Rheinland heraus, sondern Thüringen mit seiner Puppenfabrikation. Hier wurde 1805 begonnen, mit Pappmaché zu arbeiten. Wenig später gab es bereits sog. Drücker. Sie drückten die Pappmasse in Puppenformen. In auftragsschwachen Zeiten widmeten sich viele von ihnen der Maskenherstellung.

Aus dieser Nebenbeschäftigung ging die professionelle Maskenproduktion hervor. Sonneberg, Manebach und Ohrdruf entwickelten sich zu den Zentren. 1832 begann in Manebach die erste Fabrik* mit der Herstellung von Masken, 1862 in Sonneberg.

Thüringen mit seinen Papiermühlen und billigen Arbeitskräften bot beste Voraussetzungen für dieses vor allem in Heimarbeit ausgeübte Gewerbe. In fast jedem Dorf um Sonneberg gab es Maskenmacher. Heinersdorf wurde sogar als spezielles Maskenmacherdorf bezeichnet.

* In Manebach waren aufgrund der großen Nachfrage gleich zwei große Firmen ansässig,
die vorwiegend Heimarbeiter beschäftigten und weltweit großen Bekanntheitsgrad erlangten,
die Firmen ‘Eilers & Mey’ (1832 – 1971) und ‘Heintz & Kühn’ (1859 -1960).

Die Gesichtsmasken entstanden in Auflegetechnik auf Positivformen, die großen Aufsetzköpfe auf Postivformen stellte [man] in Hohlformen her. Die Formen fertigten begabte Modeleure aus Gips, manchmal waren es sogar Bildhauer. Von diesen Gipsmasken wurden Tonabdrücke hergestellt und gebrannt. Damit die Maskenmacher zügig produzieren konnten, erhielten sie vom Verleger meist mehrere Dutzend Formen. Die Heimarbeiterstuben und die Fabrikräume verließen […] im Jahr rund 60000 Hexen-, Vagabunden-, Clownsgesichts- und Tiermasken.

An warmen Sommertagen brachten die Maskenmacher ihre Erzeugnisse zum Trocknen vor die Häuser. Bei ungünstiger Witterung stapelten sie die Masken in den engen Wohn- und Werkstattzimmern. Der feuchtstickige Dunst des Papppmaché und des Knochenleims erfüllte die Räume. Der größte Teil der Wohnungen bestand neben einer Schlafkammer aus nur einem Raum, der Küche, Wohnzimmer und Werkstatt zugleich war. In diesem […] mußten oft auch die Kinder schlafen, da sie vielfach keine eigene Kammer besaßen.

In den Heimarbeiterstuben mußten für ein erbämliches Geld auch die Kinder mitarbeiten. So bekam ein 14-jähriges Mädchen für das Stempeln der Masken mit  ‘Made in Germany’  5 Pfennig für die Stunde; dafür konnte sie sich 1912 nicht einmal 1/4 l Milch kaufen.

[…] Wie vor 100 Jahren entsteht der größte Teil der Masken in Heimarbeit und im wesentlichen in Handarbeit. Frauen rühren Tapetenkleister und Kartoffelstärke zu einer puddingähnlichen Masse zusammen, in der sie den vorher auf 32 mal 24 Zentimeter zugeschnittenen Gazestoff einweichen. Der wird auf Gesichtsformen aus Porzellan oder Ton gedrückt – diese Formen [mancher Maskenmacher besaß bis zu 100 Stück] sind der Schatz der Maskenmacherwerkstatt. Einen Tag später werden die erstarrten Masken von den Formen gelöst. Ist der Rand beschnitten, beginnt das maschinelle Ausstanzen der Augen-, Mund- und Nasenöffnung.

Mit dem Tode des letzten Maskenmachers in Ohrdruf endete 1979 nach anderthalb Jahrhunderten vorerst in Thüringen dieses Gewerbe.

[Bernd Wurlitzer  ‘Historische Werkstätten’  –  Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989]


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Die Maske

M a s k e (mittellat. masca), eine künstliche, oft in ihren Zügen groteske Hohlgesichtsform, mit der man das eigne Angesicht bedeckt, um sich unkenntlich zu machen, andre zu schrecken etc. Über den Ursprung des Maskentragens, das uralt ist und auch bei religiösen Zeremonien und theatralischen Aufführungen der Alten eine große Rolle spielte, sind wir erst in der Neuzeit durch ethnographische und ethnologische Studien zu einigem Verständnis gelangt […] Unleugbar verdankt ein großer Teil der Masken oder Larven (lat. larva, Gespenst) religiösen Ideen Ursprung […] d. h. wie der Mensch auf primitiver Kulturstufe sich die gesamte Umwelt als beseelt denkt und vorstellt, als vollständig erfüllt von Geistern und Dämonen, so sieht er die Möglichkeit, sich dieser übelwollenden Kräfte zu erwehren, einmal darin, daß er sie über seine eigne Person täuscht, oder aber, daß er sie durch ein künstlich hergestelltes schreckliches Äußere verjagt. Beides geschieht durch das Anlegen von Masken.
[…]
Die Kultusmasken verdanken ihre sehr verbreitete Anwendung dem Umstande, daß nicht jeder Geist dem andern gleich ist, sondern der eine stark und mächtig, der andre schwächer. Demgemäß müssen diese Dämonen verschieden behandelt und verschieden bekämpft werden; solche Kampfesweisen aber wollen bedacht und erlernt sein, ebenso wie die Zauberformeln erlernt werden müssen, die bald gegen dieses, bald gegen jenes Übel dienen. Damit beginnt die Spezialisierung und das Studium, das von bestimmten Kasten betrieben und vererbt wird: die Priesterschaft bemächtigt sich der Masken.
[…]
Groß ist endlich der Verbreitungsbezirk der Schauspiel- und Tanzmasken. Jene bildet häufig einen Übergang zu den Kultusmasken, indem die Schauspiele in den Dienst des Kultus treten. Von den Schauspielen, in denen die Masken leicht stereotyp werden, führt der Entwickelungsweg dann hinab zu den Maskentänzen. Beide Maskenarten sind ebenfalls ungemein weit verbreitet: die Schauspielmaske war erforderlich im alten griechischen Schauspiel und dem spätern römischen; in gleich stereotyper Form finden wir sie heute noch bei den ostasiatischen Völkern. […]

[Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, 1902–1920]

Sammelbild: Religiöse Tiermasken der Ägypter

Text zum Sammelbild: Religiöse Tiermasken der Ägypter
Die Maske oder Larve verdankt ihren Ursprung religiösen Vorstellungen und zwar als Schreckmaske, indem sie zur Vertreibung böser Geister dienen sollte. Als die Religionen sich weiter entwickelten, wurden Masken als priesterliches Abzeichen bei gewissen gottesdienstlichen Handlungen beibehalten. Dieses ist uns besonders von den Ägyptern bekannt, bei denen die die priesterlichen Masken gewöhnlich die symbolischen Tiere der Gottheiten darstellten,und die erlärt wiederum, warum manche ägyptische Götterbilder anscheinend Tierköpfe, in Wirklichkeit Tiermasken tragen.

Sammelbild: Altgriechische Theatermasken

Text zum Sammelbild: Altgriechische Theatermasken
Die Anwendung der Masken auf dem altgriechischen Theater ist aus dem Gebrauche bei religiösen Zeremonien hervorgegangen, indem sich die Bühnenvorstellung aus den bei dem Dionysoskultus üblichen Tänzen entwickelte. Da sich die Sitte der Ausschließung der Frauen von diesen Zeremonien auch auf das Theater übertrug,war die Beibehaltung der Masken auch für die szenische Darstellung unvermeidlich. Verfertigt wurden sie aus Baumrinde oder Leder, später aus Holz: sie bedeckten den ganzen Kopf und hatten an der Mundöffnung eine Vorrichtung zum Verstärken der Stimme.

Kleine Geschichte der Masken


Masken aus verschienen Materialien

• Masken aus Stein und Ton


• Masken aus Metall

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