Der Wollkämmer.

Mann bei der Arbeit auf seiner Werkbank

1839

“[…] nach der mühseligen Wascherei wurden die Schafe noch im Freien gelassen, damit sie erst wieder einigermaßen trocken wurden.
nach etwa acht Tagen kamen die Schäfer auf die einzelnen Höfe, um nun die Tiere zu scheren; […]. Die Wolle stopfte man in Säcke und stellte sie beiseite. Etwa im September oder Oktober kam dann der Wollkämmer, […], ins Dorf. Gleichzeitig setzte der Kämmer fest, wann er zum Kämmen komme.
Dann gab der Bauer den Seinen den Auftrag, den Kohlenpott und den dicken Stein herzukriegen und vom Bäcker wieder Holzkohlen zu holen.
Morgens früh stellte sich dann der Wollkämmer schon ein. Er setzte seinen Pott auf die Diele, wo die Haken zum Anhängen des Kammes waren, zündete die Holzkohlen in dem alten Eisentopfe an und legte seinen dicken Stein auf den Topf. Auf diesen Stein wurde nämlich eine Rübölflasche gesetzt, und auf den Stein legte er auch die Kämme zum Heißwerden.
Nun holte der Wollkämmer die Wolle aus dem Sacke und klopfte sie tüchtig mit einem Rohrstocke aus, damit kein Sand und kein Staub darin blieb. Dann zupfte er sich einen Teil Wolle zurecht, träufelte etwas Rüböl dazwischen und rollte das Ganze auf. Alsdann wurde der größere heiße Stahlkamm an die Haken in der Wand gehängt. Mit der aufgerollten Wolle schlug er nun immer gegen die langen Zinken des großen Kammes, bis sein Klumpen alle und der Kamm voll war. Darauf faßte er die Wolle, die im oberen Zinken saß, und zog sie aus dem Kamme, nachdem sie erst noch schön glatt gekämmt worden war. Dieser ‘Tost’, der etwa armlang und gut handbreit war, wurde nun beiseite gelegt. Jetzt kam der zweite Tost an die Reihe. War auch er fertig gekämmt, so wurde er schön auf den ersten gelegt, und so fort bis etwa zum vierten oder fünften. Alsdann wurden diese zum Knäuel aufgewickelt und in einen sauberen Sack geworfen. Inzwischen war der zweite Kamm schon heiß geworden. der Wollkämmer zupfte wieder aufs neue Wolle, träufelte wieder Öl hinein und verarbeitete auch sie wieder in derselben Weise, bis alle Wolle gekämmt war.
Dann bekam der Kämmer sein Lohn und ging zum nächsten Bauern. je nach Größe des Dorfes blieb der Wollkämmer in Dorfe, oft einige Wochen. Jedes Jahr kam er fast um dieselbe Zeit, ja fast auf den Tag wieder. Er gehörte zu den guten, alten Bekannten und war deshalb überall gern gesehen.”
(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)

 


Berufsbezeichnungen

Wollkämmer, Wollkämmerin, Kämmer, Kämmler, Wollkemmer, Wullenstreicher, Wollensztreicher, Wullenkämmer, Wollenkemmer, Wollschläger, Wullenkämbler, Wollkardetscher
carder, teaser (engl.), cardatore (ital.)

Werkzeuge und Geräte zum Wollkämmen

    • Woll(Krämpel)
    • Kardätsche

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altes Sammelbild: zwei Wollkämmer bearbeiten Wollbahnen Der Wollkämmer.
Die Wolle, eh’ sie zum Webstuhl gelangt, bedarf der sorgfältigen Pflege.
Von kurzen, unsaubern Fäden befreit sie der Kämmer mit Kämme, auch Krämpel und Strähle.
Das Zunftrecht gab an, daß nur Meister das Werk, nicht aber Gesellen ausübten.
Beim Tuchmacher mußten die Knechte den Brauch und Handwerkssitte erlernen.
Dann und wann verkauften auch die Meister den Abfall und grobe Teile dem Kämmerling,
welcher im Weben geringeres Tuch ward.
(Tengelmann-Sammelbilder: Wahrhafftige und Eigentliche beschreibung von den Ständen, Zünften und Handwercken um 1575.)

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