Der Schäfer oder die Schäferin führen eine Schafherde von und zur Koppel oder über freies Land und haben dabei hauptsächlich gute Futterplätze zu finden, die Herde zusammenzuhalten und die Schafe vor Gefahren zu schützen. Aber auch das Schneiden der Klauen, die Schafschur, das Melken, das Ab- und Aufbauen von Zäunen und manchmal, wenn die Schafsmutter, die Zippe,  das Lämmchen nicht annehmen will, als Ersatzmutter.

Die Schäferei gehört zu den ältesten Gewerben der Welt. Die Domestizierung von Schafen begann vor etwa 10.000 Jahren in Kleinasien und hat sich von dort über ganz Asien und Europa verbreitet. Seit dem liefern sie dem Menschen Milch, Fleisch, Wolle.

 

 


Berufsbezeichnungen

Schäfer, Schafhirte, Schäferin, Schafhirtin, Wanderschäfer (Niedersächsisch) Schaper, Schäper, Schöper
(Österreichisch) Schäfler (umgs.) Freyhocken, Endehocken

shepherd, shepherder (engl.)
ŝafisto (Esperanto)
paimen (finn.)
berger (franz.)
smali (isl.)
pastore, pecoraio (ital.)
opilio (lat.)
herder (niederl.)
gjeter, hyrde (norw.)
pasterz (poln.)
pastor (port. + span.)
cioban (rum.)
fåraherde (schwed.)
juhász (ungar.)
çoban (türk.)

verwandte Berufe: Schäferknecht, Schafknecht


 

Schäfer, Schafsherde, Hütehund

1878, Mecklenburg

“Einer der wichtigsten Berufe war in der guten alten Zeit der des Schäfers (Schaper), dem wir auch nur noch hin und wieder begegnen. In manchen Orten gab es früher sogar mehrere Schäfer. Zu ihrer Ausrüstung gehörten Schäferkarren, Hirtenstab und zwei Schäferhunde, die die Herde auf Schritt und Tritt begleiteten und bewachten. Sie sorgten auch dafür, daß sich kein Tier vom ‘Klumpen’ entfernte.

 

Bis um die Zeit von 1860 bis 1870 trugen die Schäfer auch noch ganz allgemein eine besondere Tracht. Diese bestand aus Schnallenschuhen, Kniehosen, langem weißen Mantel mit blanken Knöpfen und einem dreieckigen Hute. Die Schäfer hatten auch ihren Klub, und wenn sie zusammenkamen im Herbste und hielten ihren Schäferball ab, dann ging es bei Gesang, Spiel und Tanz lustig her!

 

Die Schafe wurden die Koppelwege entlang getrieben nach der Schafweide, einem größeren Stück Land, welches die Bauern alljährlich liegen ließen. Ferner zog der ‘Klumpen’ bis zum Michelstage auch meist in den Wald. Nach der Ernte wurden dazu noch sämtliche Äcker abgehütet. Hatte man im Herbste das Weidevieh heimgetrieben, so boten auch noch die Weiden gute Hütegelegenheit. Morgens früh öffnete der Schäfer die Hürden und zog mit kleinen Unterbrechungen bis zur Ulenflucht umher. Dann wurden die Schafe wieder eingehürdet und von den treuen Hunden bewacht. Der Schäfer ging kurze Zeit ins Dorf, um wichtige Besorgungen zu machen. Dann und wann holte man ihn auch zu einem kranken Stück Vieh. Darauf kehrte er zu seiner Herde zurück legte sich in seinem Karren zur Ruhe.

 

Als Lohn bekam ein Schäfer beispielsweise jährlich vierzig Taler bar, dazu vierzig Himpten Roggen. Sämtliche Fuhren hatte er frei, und dazu machten ihm die Bauern noch das Land zurecht. Außerdem hatte der Schäfer das Recht, auch für sich einen Teil der Schafe hüten zu dürfen. War im Spätherbst das Wetter zum Hüten schon zu schlecht, dann nahm jeder Bauer seine Schafe aus dem ‘Klumpen’ in seinen Stall, gewöhnlich auf die Scheune. dazu mußte er auch noch eine bestimmte Zahl von des Schäfers eigenen Schafen über Winter mit durchfüttern. Konnten die Schafe wegen milder Witterung sogar noch Weihnachten drauße sein, so bekam der Schäfer einen neuen linnenen Mantel geschenkt.

 

Der Schäfer war in der Regel ein vielseitig gebildeter Mensch. Er vertrieb sich die Zeit meist mit Strumpfstricken. Er kannte den Sternenhimmel und verstand sich sehr gut aufs ‘Wettermachen’. Daß er auch allerlei von der Viehdoktorei kannte und darum oft den Bauern mit Rat und Tat zur Seite stand, läßt sich wohl denken. Mancher Schäfer war ein guter Musikante, besonders auf die Klarinette, Flöte und Trompete verstand er sich. Durch sein Tagewerk in Gottes freier Natur war der Schäfer recht religiös veranlangt. Oftmals waren Schäfer allerdings auch recht abergläubisch, hatten nachts macherlei gehört und gesehen und glaubten selbst daran.”

(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)

 


 


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Die Schäferei heutzutage

 


Die Schafschur


Ausstattung der Schäfer

 

Schäfer, Schafhirt, Schäferkarren, Schäferei

Schäferkarren

Schäferkarren (diente Schafhirten früher zur Übernachtung)
wetterfeste Kleidung
Hütehund
Schäferschippe (Hirtenstab mit kleiner Schaufel)

Schäfer, Schafhirt, Schäferschippe, Schäferei

Schäferschippe

Schäfer, Schafhirt, Schäferschippe, Schäferei

Schäferschippenstiele

 

 

 

 

 

 

 

Die Schäferschippe – Erkennungszeichen der Schafhirten

Seit Hunderten von Jahren nutzen vor allem Wanderschäfer dieses universelle, multifunktionale Werkzeug.

  • Mit der Schippe aus geschmiedetem Eisen kann der Schäfer dem Hütehund Zeichen geben (um die Schafherde gezielt in eine gewünschte Richtung zu drängen) oder auch direkt auf die Schafherde einwirken (indem er etwas Erde vom Boden aufnimmt und in Richtung der Tiere wirft, die der gewünschten Richtung am stärksten abgewandt grasen). Desweiteren kann er damit auch giftige Pflanzen auf der Weide ausstechen (damit diese von den Schafen nicht gefressen werden) und Hundekot entfernen (um das Risiko von Bandwurminfektionen zu verringern).
  • Der neben der kleinen Schaufel angebrachte Haken dient dazu, Schafe an ihren Beinen zu fangen, wenn ein Tier krank oder zu langsam ist.
  • Das obere Ende des Schäferschippenstiels aus heimischem Hartholz (oft Esche, Schwarz- oder Weißdorn) ist meist mit einem Gummiknauf ausgestattet, der dem Schäfer ein bequemes Auflager zu bieten.

 


Ausbildung

 

Die Ausbildung zum Schäfers hat die amtliche Bezeichnung ‘Tierwirt – Fachrichtung Schäferei‘. Nur in Bayern wird vorab ein Berufsgrundschuljahr (BGJ) verlangt. Die Ausbildung selber umfasst 3 Jahre und endet mit einer Abschlussprüfung. Anschließend besteht die Möglichkeit zur Ablegung der Meisterprüfung.

Aufgaben des Schäfers

  • Ablammung und Aufzucht der Tiere, einschließlich Kenntnisse der Anatomie, Physiologie, Züchtung, Rassenkunde und der Reproduktion von Schafen
  • Wissen über Weidewirtschaft und Futtergewinnung
  • Beherrschung der Schafhaltung allgemein, wozu auch Stallbau, Pferchtechnik, Hygienemaßnahmen sowie Kenntnisse von Tierkrankheiten zählen
  • Hütetechnik mit dem Herdenhund und dessen Ausbildung
  • die Produktion von Wolle, Fleisch und Milch, sowie die Vermarktung dieser Produkte. Deswegen sollte er auch das tierschutzgerechte Schlachten seiner Schafe beherrschen.

Weitere Informationen zur Ausbildung finden Sie unter:
Bundesverband der Berufsschäfer

 


Interessantes über Schäfer

 

Das Schäfer-Idyll

“Die ältesten Spuren des Idylls finden sich bei den Hebräern (Buch Ruth) und bei den Indern (z. B. in den Schilderungen des Priester- und Einsiedlerlebens der »Sakuntala« des Kâlidâsa); zu reicherer Entwickelung kam es in der bukolischen Poesie der Griechen, die vorzugsweise Vorgänge aus dem Leben der Nymphen und Hirten behandelt. Diese im alexandrinischen Zeitalter von Theokrit im Anschluß an alte Wechselgesänge der sizilischen Hirten ausgebildete Gattung, in der sich außerdem Bion und Moschos auszeichneten, wurde von Vergil (»Eklogen«) in die römische Literatur übertragen. Jahrhundertelang wurde dann die idyllische Dichtung so gut wie gar nicht gepflegt. Zuerst versuchte Boccaccio in seinem »Ameto« die geistlich umgedeutete Bukolik zu erneuern, vor allem aber fanden Dichtungen idyllischen Charakters im 16. Jahrh. vielseitigste Pflege in Italien, wo namentlich Tasso durch seinen »Aminta« und Guarini durch seinen »Pastor fido« großen Erfolg erzielten. Von Italien aus tritt die Schäfer- oder Hirtendichtung ihren Siegeszug durch die Literatur aller Kulturländer an. So sind unter den Spaniern Cervantes, Montemayor, Garcilaso de la Vega, unter den Portugiesen Camoes, unter den Engländern Spenser und Gay, unter den Franzosen Ronsard, Marot, Fontenelle, Gresset und insbes. Bernardin de Saint-Pierre mit »Paul und Virginie« und Chateaubriand mit »Atala«, unter den Dänen Öhlenschläger als Idyllendichter rühmend zu erwähnen. In Deutschland erzielte Geßner mit Werken dieser Gattung einen ungewöhnlichen Erfolg, und die Lieblichkeit seiner feinsinnigen Darstellungen verdient in der Tat hohes Lob.

 

Das Schäferlied

Pastourelle (franz.-provenzal.: pastorela, pastoreta), in der altfranzösischen und provenzalischen Literatur ein kurzes erzählendes Gedicht in lyrischer Strophenform, das in der Regel einen Dialog zwischen einem werbenden Ritter und einer Schäferin enthält oder Szenen aus dem Schäferleben darstellt, meist durch kunstvolle Form und natürliche Anmut der Sprache ausgezeichnet, nicht selten aber auch ins Schlüpfrige ausartend. Im 13. Jahrh. ist »Marion« der stereotype Name der Schäferin, »Robin« der des von ihr geliebten Schäfers. Eine Sammlung von Pastourellen veröffentlichte Bartsch (»Altfranzösische Romanzen und Pastourellen«, Leipz. 1870).”

[Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, 1902–1920]

 


 

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