Die Türmer

Foto: alter Wehrturm
Türmer, Turmwächter, Turm
“Türmers Abendrast”, 1899 [P. Kohlschuetter]

Die Türmer saßen in den hohen Stadttürmen und hielten Ausschau nach herannahenden Besucher. Auch oblag ihnen die Aufgabe, Brände rechtzeitig zu bemerken, bevor es zu größeren Feuerschäden kam. Sie bliesen die Stunden ab, weshalb diese Arbeit häufig von Trompetern und Musikern übernommen wurde. Doch nicht selten hatten auch Scharfrichter den Job des Türmers inne. Dieser Wachpostendienst genoss allerdings kein großes Ansehen.


Berufsbezeichnungen

Türmer, Bleser, Bosuner, Stadttürmer, Trompeter, Turmbläser, Turmwächter, Wächter
ugspr.: Haustaube

in anderen Sprachen
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Englisch:watchman
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Slowenisch:
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Türkisch:
Ungarisch:

Berufsfamilie:   Sicherheitsleute
verwandte Berufe:   Nachtwächter, Leuchtturmwärter, Bahnwärter, Wachleute


Der Türmer

sw-Abbildung mit werbendem Text für die Zeitschrift "Der Türmer"
um 1905, Stuttgart

Der Turmwächter

alter Stich: Wächter in schicker Kleidung sitzt mit einem Stab auf einem Stuhl
1878, England/London Tower

“Während des Mittelalters fühlten sich die Ritter in ihren Burgen recht sicher. Von hoher Zinne spähte der Turmwächter Tag und Nacht in die Lande hinaus und wachte so über die ahnungslosen Burgbewohner. Er meldete dem Burgherrn durch Hornstöße, wenn sich ehrenwerte Gäste der Burg näherten. Schrecklich klang aber das Horn des Wächters, wenn Feinde im Anzuge waren.
Auch die Bürger hatten ihrer Sicherheit wegen ihre Städte mit Wall und Graben oder gar mit festen Mauern umgeben. Von den bewehrten Türmen der Stadt schauten ebenfalls Wächter Tag und Nacht aus, um gegebenenfalls die waffengeübten Bürger auf die Stadtmauer zu rufen.
Aber als das Schießpulver die bisherige Kampfesweite völlig über den Haufen warf, konnten Türme und Stadtmauern nicht mehr viel schützen. Sie waren überflüssig geworden, verfielen, und der Turmwächter hatte seine wichtige Rolle ausgespielt. Vorsichtige Städte hielten sich trotzdem hie und da noch einen Turmwächter. Dessen Dienst bestand natürlich nur noch darin, die Stadt vor einem schlimmen Feinde zu bewahren, nämlich der grausamen Feuersbrunst!
Vom hohen Kirchturme schaute der Wächter Tag und Nacht durch seine Luken in alle vier Richtungen über die Stadt hinaus, ob er nicht irgendwo eine Brandstätte erspähe. Brannte es zur Tageszeit, dann schwenkte er eine Weile seine Feuerfahne in der Richtung des Brandes. Nachts dagegen tutete er die Bürger wach oder gab den Nachtwächtern in der Tiefe durch Schwenken einer Laterne Kunde, schnell die Feuerwache in Kenntnis zu setzen.
Aber das moderne Feuersignal- und Löschwesen hat auch diesen Turmwächter jetzt überflüssig gemacht. In großen Städten wird darum heutigentags niemand mehr etwas vom Turmwächter hören und sehen. So wird die Stadt immer ärmer an poesieumwobenen Berufen.”


(aus: Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)


Foto: steinerner Turm spiegelt sich in einer Pfütze
2012 – [Foto: Sulamith Sallmann]

Türmer in Berlin

“[…] Auf den Türmen der Hauptkirchen im Mittelpunkt der Stadt, wie der Nikolai-, Petri-, Werderschen und Marienkirche, gab es damals noch die die Turmwächter, welche Nachts dort oben Wache halten mußten. Sobald der Wächter einen Feuerschein in irgendeinem Teile der Stadt bemerkte, schwenkte der dort oben eine brennende Laterne als Zeichen der Gefahr und tutete. Bei einem kleinen Feuer zeigte er eine weiße Laterne und bei Großfeuer eine rote. Bei dem letzteren wurde auch von allen Türmen Sturm geläuet. […]”

(Quelle: Agathe Nalli-Rutenberg: Das alte Berlin.Erinnerungen. 1913, Continental Verlag Berlin)

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AK: Turmbläser des nachts auf dem Turm über verschneitem Ort
1925 – [Alfred Mailick]

Der Türmer um 1575

Der Türmer.
Auf hohem Turme über der Stadt,
über den Dächern und Menschen,
saß unsere Turmwächter meist in der Nacht,
um auf die Feuergefahren zu achten.
Doch auch bei Tage war dort sein Platz,
wenn der Gemeinde Kriegsgefahrt drohte.
Gellend rief er mit dem ‘Feindio’
er seine Bürger zu Wehr und Waffen,
zeigte der Feind sich unter den Mauern.
Fern in die Lande sag er hinaus,
bemerkte von weitem auch nahende Gäste,
die ermit freudigem Hornruf begrüßte.
Für große Kälte erhielt er den Pelz
und jährlich sein Tuch und die ‘Tuffeln’.”


(…von den Ständen, Zünften und Handwercken um 1575 – Tengelmann)

Sammelbild: Mann bläst mit Horn vomTurm hinunter
[Tengelmann]
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