Der  Bahnwärter  gehörte zu der Berufsgruppe der Eisenbahner
und hatte im Wesentlichen dafür zu sorgen, dass jeder durchkommende Zug
ohne Probleme pünktlich sein Ziel erreichten konnte.

 

Kupferstich: Bahnwart stoppt Zug, um einer Frau mit Tragekorb von den Gleisen zu helfen

1890

Dazu gehörte z.B. auch das Bedienen der Schranken an Bahnübergängen, falls notwendig, das Verstellen von Weichen, aber auch das Kontrollieren zugewiesener Bahnstrecken-Abschnitte. Und das war mitunter überlebensnotwendig – zum einen, um nicht selten vorkommende Beschädigungen an den Bahnanlagen noch rechtzeitig zu bemerken und zum anderen, falls sich irgend welche Gegenstände, Tiere oder gar Menschen auf den Gleisen befanden.

sw Foto: an der Schwarzwaldbahnstrecke -1910

um 1910, Schwarzwald

Der Bahnwärter war neben der Überwachung seines unmittelbaren Bahnabschnittes auch mit zuständig für die Kommunikation. Diese lief über ein sog. Läutewerk. Der Fahrdienstleiter im Bahnhof kurbelte ein Läutesignal an alle Posten. Daraus konnten die Wärter entnehmen, aus welcher Richtung der Zug kam. Erst nach Rückmeldung durch alle Posten durfte der Zug den Bahnhof verlassen. Zu Gründerzeiten gab es beispielsweise auf der Schwarzwald-bahnstrecke etwa einen Wärter pro Kilometer.

 

Als, bzw. dort wo sich die Zugfolge erhöhte, wurden zur Kontrolle der ordnungsgemäßen Beschaffenheit der Gleisanlagen und ggf. notwendige Kleinreparaturen eigens Streckenläufer eingesetzt, da den Wärtern zum Verlassen ihres Postens nicht mehr genügend Zeit blieb.

 


Berufsbezeichnungen

Bahnwärter,   Bahnwart,   Schrankenwärter
Englisch:
Französisch:
Italienisch:
Lateinisch:
Niederländisch:
Polnisch:
gatekeeper, gateman, linesman, signalman
garde-barrière
cantoniere, casellante
custos viae ferratae
baanwachter
dróżnik, kolejowy
Portugiesisch:
Russisch:
Schwedisch:
Slowenisch:
Spanisch:
Türkisch:
guarda de cancela, guarda de linha
путевой обходчик
banvakt
progovni čuvaj
guardabarros, guardavía
demiryolu bekçisi

verwandte Tätigkeiten:   Schaffner,   Stellwerker,   Streckenläufer,    Weichensteller


 

 


Utensilien der Bahnwärter

 


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Signalformen

optische Signale aus freier Hand

  • Bahnwärter macht Front gegen den Zug resp. zeigt das weiße Licht der Handlaterne: der Zug darf ungehindert passieren
  • Bahnwärter hält einen Gegenstand in der Richtung gegen den Zug resp. zeigt das grüne Licht der Handlaterne: der Zug soll langsam fahren
  • Bahnwärter schwingt einen Gegenstand resp. die rote Lampe: der Zug soll halten

 


 

Dies & das

 

 


  • Münchner Bilderbogen  [Nr. 750von 1880

sw Druck: 9 Bilder [Münchner Bilderbogen] mit Versen -1880

1
Des Morgens, eh’ die Sonn’ aufgeht. 
Bahnwärter auf dem Posten steht.
Es ist so still in Berg und Thal.
Von fernher tönet ein Signal.
2
Nun hört man’s brausen, ‘s kommt der Zug –
Da hat der Arme Plag’ genug.
Denn dümmer, als die Schafe sind,
Ist manchesmal ein Menschenkind.
3
Wenn rasch wie eines Vogels Flug.
An ihm vorüber ist der Zug.
Ob Sonnenschein – ob Sturmesweh’n,
Muß er sofort die ie Bahn begeh’n.
4
Doch wie auch hart ist seine Pflicht.
Froh lacht sein wetterbraun’ Gesicht,
Kehrt in die Hütteer zurück.
Denn Weib und Kind – sie sind sein Glück
 5
Kaum sitzet er beim Mittagsmahl,
Da scheckt empor ihn ein Signal;
Ein Extrazug kommt angebraust,
Den Wechsel stellt die starke Faust.
 6
Ihm bringet Ruhe nicht die Nacht,
Wenn Andre geh’n – er wacht.
Er thuet gleich dem treuen Licht,
Das rastlos brennet, seine Pflicht.
 7
Getrost harrt er im Winter aus,
Wenn Schnee bedeckt sein einsam’ Haus
Und die Maschine dann und wann
In tiefen Schnee nicht weiter kann.
 8
Der Sturmwind brauset wild – es schneit,
Kein Mensch des Weges weit und breit –
Da wimmert’s – horch! ein armes Kind –
Schon naht der Zug – nun hilf geschwind!
 9
Er nimmt das Kind auf seinen Arm,
Er trägt’s in seine Stube warm, 
Gerettet schaut’s ihn lächelnd an:
“Hab’ Dank, hab’ Dank, Du braver Mann!”
   ______________________________________
Hab’ Dank, hab’ Dank, Du braver Mann!
Du Wärter an der Eisenbahn;
Denn deine Treue, dienstergeben.
Bewahret Tausenden das Leben.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


  • Todesanzeige

Dieser Job war, wie  manch anderer im beginnenden Industriezeitalter, nicht selten lebensgefährlich
– mancher Bahnwärter kam dabei selber unter die Räder …

Juni 1876

 .
Am 19. des Monats ist der Bahnwärter Ott auf dem Posten Nro. 49
zwischen den Stationen 
Tübingen und Kirchentellinsfurth durch den
Personenzug 64, 
dem letzten von hier nach Reutling gehenden Zug,
überfahren und sofort getödtet worden.

 

 


  • Buchempfehlung & Leseprobe

Bahnwärter Thiel, Buch, Novelle[…] Nach allen vier Windrichtungen mindestens durch einen dreiviertelstündigen Weg von jeder menschlichen Wohnung entfernt, lag die Bude inmitten des Forstes dicht neben einem Bahnübergang, dessen Barrieren der Wärter zu bedienen hatte. Im Sommer vergingen die Tage, im Winter Wochen, ohne daß ein menschlicher Fuß, außer denen des Wärters und seines Kollegen, die Strecke passierte. Das Wetter und der Wechsel der Jahreszeiten brachten in ihrer periodischen Wiederkehr fast die einzige Abwechslung in diese Einöde. Die Ereignisse, welche im übrigen den regelmäßigen Ablauf der Dienstzeit Thiels außer den beiden Unglücksfällen unterbrochen hatten, waren unschwer zu überblicken. Vor vier Jahren war der kaiserliche Extrazug, der den Kaiser nach Breslau gebracht hatte, vorüber gejagt. In einer Winternacht hatte der Schnellzug einen Rehbock überfahren.
[…]
Als dies geschehen war, meldete die Glocke mit drei schrillen Schlägen, die sich wiederholten, daß ein Zug in der Richtung von Breslau her aus der nächstliegenden Station abgelassen sei. Ohne die mindeste Hast zu zeigen, blieb Thiel noch eine gute Weile im Innern der Bude, trat endlich, gähnend und Patronentasche in der Hand, langsam ins Freie und bewegte sich trägen und schlürfenden Ganges über den schmalen Sandpfad, dem etwa zwanzig Schritt entfernten Bahnübergang zu. Seine Barrieren schloß und öffnete Thiel vor und nach jedem Zug gewissenhaft, obgleich der Weg nur selten von jemand passiert wurde. […]
.

Streckenkontrolle

Um die Zeit hinzubringen, beschloß Thiel, sobald es dämmerte, seine Strecke zu revidieren. In der Linken einen Stock, in der Rechten einen langen eisernen Schraubschlüssel, schritt er denn auch alsbald auf dem Rücken einer Bahnschiene in das schmutziggraue Zwielicht hinein. Hin und wieder zog er mit dem  Schraubschlüssel einen Bolzen fest oder schlug an einen der runden Eisenstangen, welche die Geleise untereinander verbanden.
[…]
Der schlesische Schnellzug war gemeldet, und Thiel mußte auf seinen Posten. Kaum stand er dienstfertig an der Barriere, so hörte er ihn auch schon heranbrausen. Der Zug wurde sichtbar – er kam näher – in unzählbaren, sich überhastenden Stößen fauchte der Dampf aus dem schwarzen Maschinenschlote. Da: ein – zwei – drei milchweiße Dampfstrahlen quollen kerzengerade empor, und gleich darauf bracht die Luft den Pfiff der Maschine getragen. Dreimal hintereinander, kurz, grell, beängstigend. Sie bremsen, dachte Thiel, warum nur? Und wieder gellten die Notpfiffe schreiend, den Widerhall weckend, diesmal in langer, ununterbrochener Reihe. Thiel trat vor, um die Strecke überschauen zu können. Mechanisch zog er die rote Fahne aus dem Futteral und hielt sie gerade vor sich hin über die Geleise. […]

[Novelle von Gerhart Hauptmann, 1888]


 

bahnwärterhäuschen, verlassen

stillgelegtes Bahnwärterhäuschen, 1970

Hightech hat die Bahn- und Schrankenwärter inzwischen abgelöst …

Schon haftet manch altem Wärterhäuschen leicht nostalgischer Flair an, so sie anderweitig weiter genutzt werden. Leider aber sind sie meist verlassen dem Verfall preisgegeben.

 

Farbfoto

Vereinsamtes Bahnwärterhäuschen an der deutsch-polnischen Grenze – 2007, Rosenthal

 

 

 

 

 

 

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