BahnwärterDie Arbeit des Bahnwärters bestand im Wesentlichen darin, zu gewährleisten, dass jeder durchkommende Zug ohne Probleme pünktlich sein Ziel erreichte. Dazu gehörte z.B. das Bedienen der Schranken an Bahnübergängen, falls notwendig,  das Verstellen von Weichen, aber auch das Kontrollieren zugewiesener Bahnstreckenabschnitte. Und das war mitunter überlebensnotwendig – zum einen, um nicht selten vorkommende Beschädigungen an den Bahnanlagen noch rechtzeitig zu bemerken, und zum anderen, falls sich irgend welche Gegenstände, Tiere oder gar Menschen auf den Gleisen befanden.


Berufsbezeichnungen

Bahnwärter



Utensilien der Bahnwärter


Todesanzeige

Das war ein also auch ein recht gefährlicher Job und mancher Bahnwärter kam dabei selber unter die Räder …

Todesanzeige, Juni 1876: "Am 19. des Monats ist der Bahnwärter Ott auf dem Posten Nro.49 zwischen den Stationen Tübingen und Kirchentellinsfurth durch den Personenzug 64, dem letzten von hier nach Reutling gehenden Zug, überfahren und sofort getödtet worden."

Todesanzeige, Juni 1876: „Am 19. des Monats ist der Bahnwärter Ott auf dem Posten Nro.49 zwischen den Stationen Tübingen und Kirchentellinsfurth durch den Personenzug 64, dem letzten von hier nach Reutling gehenden Zug, überfahren und sofort getödtet worden.“

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Bahnwärter Thiel, Novelle von Gerhart Hauptmann, 1888

Bahnwärter Thiel, Buch, Novelle

Auszüge:
„[…] Nach allen vier Windrichtungen mindestens durch einen dreiviertelstündigen Weg von jeder menschlichen Wohnung entfernt, lag die Bude inmitten des Forstes dicht neben einem Bahnübergang, dessen Barrieren der Wärter zu bedienen hatte. Im Sommer vergingen die Tage, im Winter Wochen, ohne daß ein menschlicher Fuß, außer denen des Wärters und seines Kollegen, die Strecke passierte. Das Wetter und der Wechsel der Jahreszeiten brachten in ihrer periodischen Wiederkehr fast die einzige Abwechslung in diese Einöde. Die Ereignisse, welche im übrigen den regelmäßigen Ablauf der Dienstzeit Thiels außer den beiden Unglücksfällen unterbrochen hatten, waren unschwer zu überblicken. Vor vier Jahren war der kaiserliche Extrazug, der den Kaiser nach Breslau gebracht hatte vorübergejagt. In einer Winternacht hatte der Schnellzug einen Rehbock überfahren. […]

[…] Als dies geschehen war, meldete die Glocke mit drei schrillen Schlägen, die sich wiederholten, daß ein Zug in der Richtung von Breslau her aus der nächstliegenden Station abgelassen sei. Ohne die mindeste Hast zu zeigen, blieb Thiel noch eine gute Weile im Innern der Bude, trat endlich, gähnend und Patronentasche in der Hand, langsam ins Freie und bewegte sich trägen und schlürfenden Ganges über den schmalen Sandpfad, dem etwa zwanzig Schritt entfernten Bahnübergang zu. Seine Barrieren schloß und öffnete Thiel vor und nach jedem Zug gewissenhaft, obgleich der Weg nur selten von jemand passiert wurde. […]

[…] Um die Zeit hinzubringen, beschloß Thiel, sobald es dämmerte, seine Strecke zu revidieren. In der Linken einen Stock, in der Rechten einen langen eisernen Schraubschlüssel, schritt er denn auch alsbald auf dem Rücken einer Bahnschiene in das schmutziggraue Zwielicht hinein. Hin und wieder zog er mit dem  Schraubschlüssel einen Bolzen fest oder schlug an einen der runden Eisenstangen, welche die Geleise untereinander verbanden. […]

[…] Der schlesische Schnellzug war gemeldet, und Thiel mußte auf seinen Posten. Kaum stand er dienstfertig an der Barriere, so hörte er ihn auch schon heranbrausen. Der Zug wurde sichtbar – er kam näher – in unzählbaren, sich überhastenden Stößen fauchte der Dampf aus dem schwarzen Maschinenschlote. Da: ein – zwei – drei milchweiße Dampfstrahlen quollen kerzengerade empor, und gleich darauf bracht die Luft den Pfiff der Maschine getragen. Dreimal hintereinander, kurz, grell, beängstigend. Sie bremsen, dachte Thiel, warum nur? Und wieder gellten die Notpfiffe schreiend, den Widerhall weckend, diesmal in langer, ununterbrochener Reihe. Thiel trat vor, um die Strecke überschauen zu können. Mechanisch zog er die rote Fahne aus dem Futteral und hielt sie gerade vor sich hin über die Geleise.- […]“


bahnwärterhäuschen, verlassen

stillgelegtes Bahnwärterhäuschen, 1970

Hightech hat die Bahnwärter inzwischen abgelöst …
Schon haftet manch altem Wärterhäuschen leicht nostalgischer Flair an, so sie anderweitig genutzt werden. Leider aber sind sie meist verlassen dem Verfall preisgegeben.

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