Von einem  Messerschmied  werden die Klingen für Messer,
Schneid- und Stechwerkzeuge sowie die Bajotte für Schußwaffen hergestellt.

Farbfoto: ungefasste Klinge eines antiken Messers aus Eisen

antikes Eisenmesser – [TheDraco, CC-BY-SA-4.0]

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Bereits ab Ende der Spätbronzezeit (950 – 800 v.Chr.) kamen erste Messer aus Eisen auf, welche vielfältigen Vorteile gegenüber den bereits vorhandenen Bronzemessern aufwies.

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In Europa sind eiserne Messerklingen seit der Hallstattzeit (ca. 800 – 650 v.Chr.) nachweisbar. Obgleich die Verhüttung von Eisen bereits seit dem 17.Jh v.Chr. bei den Hethitern ist belegt, breitete sich diese Technik erst ab dem 12.Jh v.Chr. über den Vorderen Orient und den Mittelmeerraum langsam in Mitteleuropa aus. Ab dem im 8. Jh v.Chr. lösten Eisenmesser schrittweise die Stein-, Bronze- und Messingmesser ab … Die alten Römer jedenfalls nutzten sie um 100 v.Chr. auch bei Tisch zum Zerteilen des Fleisches.

Holzschnitt: vornehmes Paar schaut von außen durch's offene Fenster arbeitendem Messerschmied zu

1568 – [Jost Amman]

Sinnspruch (Original)

[Hans Sachs]

 

 

 

 

 

 

Der Messerschmidt
Ich mach Par messer wol beschalt /
Köstlich vnd schlecht / darnach mans zat /
Von Helffenbeyn / Buchßbaum vnd Sandl /
Mit rot vnd schwartzem Holtz ohn wandl /
Mach darzu Langwehr / Dolch vnd Tegn /
Kan etzen / Scheyd machn / vnd Schwert fegen
Wer dieser meiner arbeit darff /
Der find mein Zeichen grecht vnd scharff.

 

 


Berufsbezeichnungen

Messerschmied   –   (veraltet)  Messerer,  Meßerer,  Messerschmidt,  Messeschmid,  Schermesserer
Albanisch:
Bretonisch:
Dänisch:
Englisch:
Esperanto:
Französisch:
Irisch:
Italienisch:
prodhues thikash
konteller
knivsmed
cutler
tranĉil(vend)isto
coutelier
cuitléir
coltellinaio
Niederländisch:
Polnisch:
Portugiesisch:
Rumänisch:
Schwedisch:
Slowakisch:
Spanisch:
Ungarisch:
messenmaker
wytwórca noży
cuteleiro, cutileiro
gabrovean
knivsmed
nožiar
cuchillero
késkovács

Oberbegriff:   Schmied
verwandte Berufe: Waffenschmied, Schwertschmied


 

Kupferstich: Messerschmied arbeitet vor offenem Werkstattfenster

1698 – [Christoph Weigel]

Sinnspruch (Original)

 

 

 

 

Der Messer-Schmid
Laßt der Woll Sachen weinen wohnt …

Das Messer in deß Kindes Hand,
wird diesen kleinen Widerstand
als ein gefährlichs Spiel entnommen.
So nimt Gott, was uns lieblich deucht,
wodurch wir Blöden aber leicht
in Seelen Unglück mögten kommen.

 


Der Messerschmied und seine Arbeit

 

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Während und nach ihrer Herstellung müssen die Klingen geschliffen werden.

Ein Messerschmiedemeister hatte mit seinem Gesellen, so steht es in der um 1700 bechlossenen Ruhlaer Innungssatzung, am Tag 75 lange Messer und 50 Stück Taschenmesser zu liefern. Zu dieser Zeit fertigte der Messerschmied die Messer schon nicht mehr allein. Es gab jetzt Messerschleifer, die auf von Wasserkraft angetriebenen Steinen die Klingen schliffen. Bis zu 100 Klingen schaffte ein guter Arbeiter in der Stunde. Ein Leben am Rande des Existenzminimums, und die gefürchtete Schleiferkrankheit, die Silikose*, führten oft zum frühzeitigen Tod.
(* Quarzstaublunge)
[…]
Die geschliffenen Messer übergab der Schmied dem sog. Beschaler, der aus Horn, Hirschgeweih und anderem Material die Griffelelemente fertigte und an die Klingen montierte.

[Bernd Wurlitzer: Historische Werkstätten. Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989]

 


 Ausbildung

In Deutschland wurde im Rahmen einer Berufs- und Ausbildungsreform im Handwerk Ende der 1980er Jahre anstelle des althergebachten Messerschmied ‘s ein neuer adäquater Ausbildungsberuf geschaffen:

Der  Schneidwerkzeugmechaniker  ist ein Ausbildungsberuf im Handwerk im Bereich Metalltechnik.
Die Ausbildungszeit beträgt 3 bis 3,5 Jahre. Es gibt zwei Fachrichtungen:

  • S c h n e i d w e r k z e u g –  und  S c h l e i f t e c h n i k  (Werkzeugschleiftechnik)
    Betrifft vor allem die Herstellung und das Nachschärfen von Werkzeugschneiden,
    inclusive von Bearbeitungswerkzeugen zur spanenden Fertigung auf Werkzeugmaschinen.
  • S c h n e i d e m a s c h i n e n –  und  M e s s e r s c h m i e d e t e c h n i k
    Betrifft die Anfertigung von Scheren, Messer und Schneidwerkzeuge aller Art,
    inklusive Reparatur und Wartung der dazugehörenden Schneidemaschinen.

Beschäftigungsmöglichkeiten nach abgeschlossener Berufsausbildung:
>
im Maschinen- und Werkzeugbau
> in Handwerksbetrieben, die Schneidwerkzeuge bzw. -geräte herstellen und instand halten
> in Messerschleifereien oder Reparaturwerkstätten für Schneidgeräte

Das Schneidwerkzeugmechanikerhandwerk ist zulassungsfrei und unterliegt heute keinem Meisterzwang mehr.

 


Dies & Das

 

Messerschmied

Frankreich 1695 [Nicolas de Larmessin]


Buchempfehlungen:

  • Roman Landes:  Messerklingen und Stahl. 2006

  • Kathrin Fritz: Handwerkstätten. Rotpunktverlag. 2016 

 

 

 

 

 

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