Der Gerber trennt das Fell und eventuell noch vorhandene Fleischreste von den Tierhäuten und verarbeitet die gereinigte Haut zu Leder. Würde man die Tierhaut nicht gerben, würde sie sehr schnell verfaulen. Um dies zu verhindern, werden sie zunächst mit Kalk und Schwefelnatrium behandelt. Später wird die grob gesäuberte Haut mit weiteren natürlichen, aber auch chemischen Stoffen behandelt. Das konnte mitunter Jahre dauern.

Gerber, gerben, Tierhaut

[Foto: Schäfer]

Dieses erhaltene Material, das Leder, ist weich, widerstandsfähig, stabil, flexibel und und lässt kein Wasser hindurch. Damit eignet es sich wunderbar für viele alltägliche Dinge, wie Kleidung, Schuhe, Gefäße und anderes, was physisch viel beansprucht wird.
Wie auch bei einigen anderen geruchsbelästigenden Berufen, wurden die Gerber am Rande der Stadt, in den dafür bestimmte Vierteln ansässig.


Berufsbezeichnungen der Gerber

Gerber, Läderer, Lederbereiter, Lederdauer, Lederthauer, Ledertäuer, Lederbraiter, Lederer, Löber, Loher, Löher, Lorer, Lörer
tanner (engl.), tanneur (franz.), conciatore (ital.), kožar (kroat.), garver (norw.), garbarz (poln.), curtidor (span.), sepici (türk.), cserzővarga (ungar.)

Spezialisierungen und verwandte Berufe:

Der Weißgerber gerbt die Haut von Lamm und Zicklein.
Es gibt außerdem noch die LohgerberRotgerberSämischgerber.


Frankreich 1695 [Nicolas de Larmessin]

Frankreich 1695 [Nicolas de Larmessin]

“In des Leders Werdegang
ist die Hauptsach’ der Gestank.
Kalk, Alaun, Salz, Mehl, Arsen
machen ‘s gar recht weiß und schön.
Eigelb, Punkel, Hundeschiete
geben ihm besond’re Güte.
Drum ist es ein Hochgenuß,
auf den Handschuh zart ein Kuß.”
Alter Weißgerberspruch


“Der Undanck kennet nicht was ihm …. geschieht.
So lang man hillft und gutes thut,
Undanckbarn die in Unglücks-Flut, wie eingebeizte Felle lagen:
So lang sind sie geschlachter Art.
Des Glücks Luft macht sie wieder hart
Doch Liebe muß hiernach nichts fragen.”
Die Weißgerber, 1730

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Die Qualität des Gerbens

Gerber, Zunftwappen, Zunftzeichen

1898

“…Die gute oder schlechte Gerbung läßt sich am Durchschnitt erkennen. Wenn man das Leder zerschneidet, so muß es auf dem Schnitt glänzend und gleich seyn, eine lichtbraune oder Muskatnußfarbe haben, auch allenthalben, die Narbenseite ausgenommen, eine gleiche Farbe und weder schwarze noch weiße Streife haben, und nicht hornartig seyn. Um das Leder zu untersuchen, schneidet man die Haut gewöhnlich am Rücken oder Halse durch, wo sie am stärksten ist.
Will man mehrere Sorten Leder mit einander vergleichen, so nimmt man von jeder ein gleich großes Stückchen, wiegt diese ab, läßt sie sämmtlich eine gleiche Zeit in Wasser liegen und trocknet sie dann wieder; dasjenige Stück, welches am wenigsten von seinem Gewicht verloren hat, ist das beste. Bei langsamem Biegen, darf die Narbenseite keine Brüche zeigen.
Ein schlecht gegerbtes oder verdorbenes Leder ist im Schnitt gelblich oder schwärzlich, hat in der Mitte einen schwarzen oder weißlichen Streifen, ist schlaff, locker.

Die äußere Farbe des Leders hängt von der Art ab, wie es aufgeschwellt und zum Lohen vorbereitet ward. Ein mit Kalk gebeiztes Leder ist auf der Narbenseite beinahe schwarz, und roth auf der Fleischseite;  sein Inneres oder der Schnitt ist ziemlich hellroth. Die Farbe eines mit Gerste behandelten Leders ist auf der Narbenseite schiefergrau, und sowohl im Schnitt, als auf der Fleischseite weißlich. Die meisten Fehler im Leder kommen folglich entweder von der Beschaffenheit der Häute oder von der unrichtigen Zubereitung her.
Es ist unmöglich, schwache, trockene Häute und überhaupt alle diejenigen, die sich schwer aufschwellen lassen, vollkommen lohgar zu machen; oder solche, bei denen, es sey in Folge der Natur oder eines Fehlers in der Zubereitung, das Aufschwellen sich nicht auf genügende Weise bewirken läßt.

Bleiben die Häute zu lange im Kalk, so verbrennen sie bisweilen in solchem Grade, daß sie zerreißen, wenn man sie beim Herausnehmen mit der Zange anfaßt, und es dann fast unmölich sie auszufleischen.

[…]

Vom Lohen der Kuhhäute und kleinen Ochsenhäute für Sattlerleder.
Das Zeugleder und die Vachetten oder Himmelhäute werden aus Kuhhäuten und kleinen Ochsenhäuten mit Kalk bereitet; sind sie so weit gebracht, um gehaart werden zu können, was im Winter gewöhnlich in zehn bis zwölf Tagen, im Sommer längstens in acht, der Fall ist, so werden sie auf dem Baum gefleischt, während man sie öfters in fließendem oder wenigstens reinem Wasser, abschwänkt. Das Sattlerleder muß sorgfältig und rein gefleischt werden, und verursacht daher mehr Mühe und Arbeit, als jedes andere.
Sie die Häute gefleischt, so werden sie in holzene Bütten gelegt, welche gemeiniglich auf vier Fuß Höhe sechs Fuß im Durchmesser haben, und die auf ungefähr zwei Drittheile mit Wasser gefüllt wurden, in welches man Lohe schüttet. Diese Mischung muß auf zweimal und in zwei Tagen gemacht werden; die Häute werden täglich herausgenommen und wieder eingelegt, oder man thut sie aus einer Bütte in die andere.
Auch werden die Häute in machen Gerbereien in eine Brühe gethan, die aus heißem Wasser und Lohe besteht, von welcher letztern man auf vier und zwanzig Kuhhäute 200 Pfund nimmt. Sobald als die Häute in der Bütte sind, oder vielmehr so wie sie in die Flüßigkeit versunken sind, müssen sie mehrmals stark umgerührt werden; es stellen sich zu diesem Zwecke eine hinlängliche Anzahl Arbeiter mit holzenen Schaufeln um die Bütte und rühren die Häute nach allen Richtungen herum. Diese Verrichtung wird mehrmals wiederholt; jeden Tag nimmt mna die Häute heraus und läßt sie abtropfen; während dieß geschieht wird etwas frische Lohe in die Bütte gethan und mit der holzenen Schaufel umgerührt. Dieses Verfahren ist jedoch gegenwärtig weniger mehr üblich, als das zuerst beschriebene, dem man in den meisten Gerbereien den Vorzug gibt.
…”
(Friedrich Adolph Bickes:
Darstellung der künstlichen Sattler. Profession in ihrem ganzen Umfange, 1850)


Gerber

1820

Die Arbeit der Gerber

enthaaren, abfleischen, bakeln, veredeln, einfetten


Werkzeuge und Utensilien der Gerber

Bütte, Feile, Gerberbaum, Hobel, Lochzange, Raspel, Schermesser, Schmirgelpapier, Stoßeisen, zweigriffiges Haareisen, Armkrispelholz, Falzbock, Walktrommel, Trockenofen


Gerber, gerben, Tierhaut, Leder

um 1830

Fachbegriffe

(Gerber)Lohe = zum Gerben benutzte zerstampfte Baumrinde (meist Eiche und Fichte) sowie Blätter

Lohgerbung/Rotgerbung = pflanzliche Gerbmittel werden verwendet
Alaungerbung/Weißgerbung = mineralische Gerbmittel werden verwendet (z.B. Aluminiumsalze)
Sämischgerbung = mit Ölen und Fetten wird gegerbt


Als Tiere kommen, Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen, Kälber, Yaks, Bären, Robben sowie Schlangen, Krokodile und Haie in Frage.


Eine Lohgärber-Werkstatt muß 1. Feuerfest, 2. der Kälte widerstehend, 3. geräumig, und 4. nahe beyn Wasser seyn … Der Fußboden muß mit harten Platt-Steinen gepflastert, und in der Mitte mit einer breiten Rinne abschüssig versehen seyn … Im zweyten Stockwerke über dieser Werkstatt, muß ein geräumiges Zimmer zum Zurichten des bereits gargemachten Leders, welches auch im Winter zum Trocknen dient, daneben ein Zimmer für die Gesellen zum Schlaf-Gemach, und der übrige Theil dieses Stockwerkes zur Unterbringung der Loh-Gattungen und anderer Bedürfnisse, eingerichtet seyn.
(Aus: Johann Georg Krünitz, Ökonomische-technologische Enzyklopädie, 1795)


 

Der Corduanmacher Der rauhen Seite Grund, deckt glatter Schmeidel-Mund. Kommt ? zu der rothen Quell, die weiß macht und in Glantz kan kleiden, Streifft ab unreine Luft und Freuden: Der Geilheit Bock und Ziegen Fell muß unter unsern Füßen seyn, sonst gehet man zum ?amm nicht ein. 1699

Der Corduanmacher Der rauhen Seite Grund, deckt glatter Schmeidel-Mund. Kommt ? zu der rothen Quell, die weiß macht und in Glantz kan kleiden, Streifft ab unreine Luft und Freuden: Der Geilheit Bock und Ziegen Fell muß unter unsern Füßen seyn, sonst gehet man zum ?amm nicht ein. 1699

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