Die Arbeit der Besenbinder.

Johannes Lippmann

1909 [Johannes Lippmann]

In den Städten gingen nur wenige diesem Handwerk nach. Die Meister schlossen sich häufig anderen Zünften an: In Wien den Kammmachern, in Breslau und Dresden den Siebmachern. Bürsten und Besen wurden aus Schweineborsten und Pferdehaaren hergestellt, Pinsel fertigte man aus Dachshaaren und den Schwänzen von Eichhörnchen. Die fertigen Erzeugnisse wurden in eigenen Läden und auf Märkten verkauft, der grösste Teil durch Hausierer vertrieben.


Berufsbezeichungen der Besenbinder

Besemer, Besenbinder,  Rutenbinder
broom-maker (engl.)
verwandte Berufe: Bürstenbinder, Pinselmacher

„Der Beruf des Besenbinders scheint wenig versprechend; wer sich aber genau über ihn unterrichtet, wird wahrschenlich anderer Meinung werden.
In den sechsziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Landwirtschaft und die Viehzucht noch nicht so viel Kräfte in Anspruch nahmen wie heute, fertigten besonders in weitabliegenden, kleinen Dörfern die landleute teilweise neben anderen Arbeitsgeräten die in der Wirtschaft notwendigen Besen an Winterabenden oder witterungsungünstigen Tagen noch selbst an. Dies war meist die Arbeit der Knechte und geschah lediglich aus Sparsamkeitsrücksichten.
Je mehr nun aber die Arbeitskräfte von der Wirtschaft in Anspruch genommen wurden und je mehr diese Arbeit lohnte, um so mehr suchte man sich der kleinen Nebenarbeiten zu entledigen. Das war nun für manchen kleinen Mann eine günstige Gelegenheit zu einträglichem Erwerb, besonders in Gegenden, wo das Material für Besen und Körbe, wie in der Heide, leicht und fast unentgeltlich zu beschaffen war und wo dann auch die Stadt ein günstiges Absatzgebiet erschloß.
Besonders auffällig zeigte sich dieser Besenhandel während des letzten Krieges, wo der aus fremdem Stoff gefertigte Ersatz knapper und dadurch der alte Beruf wieder recht lohnend wurde, zumal die Rohstoffe in alter Weise leicht zu erlangen war.
Ein Mann vermag wohl, mit Hilfe seiner Frau, welche die reiser reißt, allein in einem Tage 5 Dutzend Besen zu binden, dabei ist er während des Bindes seiner Witterung ausgesetzt und kann auch noch die Abende zu Hilfe nehmen.
Zur Reiser- und Bindeweidenbeschaffung sind durchschnittlich alle zwei Tage meist nur etwa zwei Stunden erforderlich. Für den Sommer werden Reiser getrocknet in Vorrat gehalten, nach Einweichen verarbeitet und dann oft in ganzen Fudern lohnend abgesetzt.“
(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)


Besenbinder weltweit


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Die Besen


Zeichnungen und Skulpturen


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„Den Besen, den ihr täglich findet, in Gottes Wort und den man bindet, durch stilles Denken bringt herbey, dem Mist der Eitelkeit ?, damit ? Christus ein ? kehren, die ? und Lieblichsey. “ Weigel, 1699

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