Die Arbeit der Bierbrauer.

Ursprünglich stand jedem Bürger das Recht zu, für den Eigenbedarf Bier zu brauen. Die Herstellung war aber mit hohem Arbeitsaufwand verbunden und erforderte teure Vorrichtungen. So entstanden in den Städten Brauhäuser mit geregelter Brauordnung, die Augsburger aus dem Jahre 1155 ist wohl die älteste deutsche. Die Zahl der Brauberechtigungen blieb begrenzt, weil die Städte das Getränk mit Steuern belegten, und Bierbrauern mit eigenem Brauhaus das erbliche oder verkäufliche Braurecht verliehen. Der Brauherr überwachte den Herstellungsprozess und sorgte für den Absatz seines Produktes. Die Bierherstellung erfolgte meist durch Tagelöhner vom Lande oder aus verwandten Berufsgruppen, wie beispielsweise Böttcher.


Berufsbezeichnungen

Bierbrauer, Biereigny, Malzmüller, Mälzer
brewer (engl.)

Innungszeichen der Bierbrauer

Innungszeichen, Zunftzeichen, Bierbrauer

Innungszeichen


Stich: Brauerei Ansicht von oben

Brauerei , Glasgow, 1862 [Blackie & Son]

Im Mittelalter braute fast jede Stadt ihr eigenes Bier, das sie mit phantasievollen Namen versah. In Bautzen gab es ‚Klitzemilch‘, in delitzsch ‚Kuhschwanz‘, in Jena den ‚Dorfteufel‘ und in Zittau eine ‚Tunke‘. das Güstrower Bier hieß ‚Knisenack‘ und das von Wittenberg ‚Kukkuck’… Als Schutzpatron wählten sich die Bierbrauer im 16. Jahrhundert einen Gambrinus. Jan Primus, der um 800 König von Flandern gewesen sein soll und aus dessen Namen später Gambrinus wurde, soll der Legende nach der Erfinder des Bieres sein. Er habe das Regieren und Bierbrauen gleichermaßen gut beherrscht, und die königlichen Beratungen seien mit großen Bechern schäumenden Bieres eröffnet worden.
Die Geschichte des Bieres zählt jedoch Jahrtausende. Wann Bier zum ersten Mal getrunken wurde, hat allerdings niemand aufgezeichnet. Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, ob Mesopotamien oder Ägypten das Ursprungsland des beliebten Getränkes ist. Fest steht: Die Sumerer verstanden es im 3. Jahrtausend v.u.Z., ein bierähnliches Getränk aus Gerste, mit Honig und Zimt gewürzt, zu brauen, das sie mit langen Röhrchen tranken und ’sikaru‘ nannten. Der Louvre in Paris besitzt mit dem berühmten ‚Monument bleu‘ das wohl bedeutendste Dokument der Sumerer. Die Steintafel zeigt die Bierbereitung zu jener Zeit. Im alten Ägypten war Bier aus Gerste ein beliebtes Getränk des Volkes. Die Germanen dagegen tranken Met, ein mit Honig versetztes bierähnliches Getränk. Später brauten sie Bier aus Gerste und Weizen, das sie mit Eichenrinde oder verschiedenen Kräutern würzten.
Lange Zeit widmeten sich die Klöster dem Geschäft des Bierbrauens, bis es gräfliche und fürstliche Brauereien übernahmen.
Im 13. und 14. Jahrhundert blühte das Brauwesen auf handwerklicher Basis vornehmlich in den Hansestädten Norddeutschlands auf, darunter in Rostock und Wismar. Wenn damals Bier durch Bakterien verdarb, bekamen ‚Hexen‘ die Schuld. 1591, so ist überliefert, wurde in Brandenburg an der Havel deshalb eine Frau als ‚Bierhexe‘ auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
1575 erschien in Erfurt das Buch ‚Von der Göttlichen und Edlen Gabe der philosophischen, hochtheuren und wunderbaren Kunst, Bier zu brauen‘, als dessen Verfasser ein ‚Henrikus Knausium, beider Rechten Doktoren‘ verzeichnet steht. Wie er die Kunst des Bierbrauens beschrieb, so hat sie sich nahezu unverändert bis in die Gegenwart erhalten. Lediglich moderne Apparaturen hielten in den Brauereien Einzug, die eine industrielle Fertigung ermöglichen.
(aus: Bernd Wurlitzer: Historische Werkstätten, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989)

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Mit dem Bierbrauen selbst geht es also so zu: Man läßt Gerste, aber auch Waizen und Haber, nachdem sie durch Anfeuchtung zum Aufquellen und Auswachsen gebracht, alsdenn aber über dem Dürrofen getrocknet, und in der Mühle gebrochen, also zu Malz gemacht worden, in einem großen Kessel sieden, und nimmt dazu Hopfen, um damit die lange Erhaltung des Biers zu befördern. Alsdenn wird es in den Kühlkessel gebracht, damit es darinnen abkühle. Das durch solche Zubereitung erhaltene Getränke heisset braunes Bier, (und die schlechteste Art desselben Rosent) welches man im Keller, und, wo es seyn kann, im Felsenkeller bringt, und zum Gebrauch in Fässern aufbehält. Gersten und Waizen, mit wenig Hopfen, geben das weiße Bier, welches nicht lange, ohne sauer zu werden, kann aufbehalten werden. Die berühmtesten Biere sind: Das englische Oel, die Braunschweiger Mumme, das Merseburger, Regensburger, Hersprucker Bier, der Breyhan usw.
(aus: Hrsg. J.S.Stoy. Bilder-Akademie für die Jugend. Nürnberg 1784)


Abfüllanlage


Spüche und Weisheiten

  • Wie man’s gebraut hat, muss man’s trinken.
  • Bier und Brot macht Wangenrot.
  • Bier nährt, Wein zehrt.
  • An dem ist Hopfen und Malz verloren.
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