Die Arbeit der Puppenmacher.

Puppenmacherinnen, Puppen, Werkstatt

1989, DDR

„Puppen gibt es schon seit Jahrtausenden. Ursprünglich waren sie kein Spielzeug. Vor etwa 8000 Jahren betrachtete man die Puppe, das Abbild des Menschen, als ‚Hülle‘ für die Seele von Verstorbenen; ferner diente sie kultischen Handlungen. Möglicherweise wurden solche Figuren nach den Riten den Kindern zum Spielen überlassen, wie das bei den Hopi-Indianern Nordamerikas noch heute mit Kultfiguren üblich ist.
In Nürnberg begann man im 15. Jahrhundert mit der gewerbsmäßigen Produktion von Puppen, im Sonneberger Gebiet um 1640, im Waltershäuser Gebiet ab 1816. Diese Puppen wurden ihrer drehrunden Form wegen ‚Docken‘ genannt. Die Bezeichnung ‚Puppe‘, die vom lateinischen ‚pupa‘ stammt und ‚kleines Mädchen‘ bedeutet, kam erst später auf. Im Sonneberger Gebiet und in den Walddörfern um Waltershausen, besonders im Georgenthal und Finsterbergen, breitete sich das Hausgewerbe der Puppenmacher aus. Puppenmacher ist ein zusammenfassender Begriff für die vielen Produzenten, die in ihren Wohnungen als Drücker, Balgmacher, Augeneinsetzer, Bossierer, Perückenmacher und Näherin Puppenteile fertigten.
[…]
Das Holz zur Puppenherstellung wurde Mitte des 18. Jahrhundert von plastischen Stoffen abgelöst. Zuerst war es ein knetbarer Stoff aus Roggenmehl und Leimwasser, der sich gut formen ließ. Jeden Puppenkopf modellierten die Bossierer aus freier Hand. Das setzte der Produktionsmenge Grenzen. Der neue Stoff erwies sich jedoch als nicht erfolgreich. Viele der Sonneberger Puppen waren wochenlang auf Schiffen nach Übersee unterwegs. Wenn sie ankamen, hatten oftmals trotz dicker Bemalung Mäuse und Ratten die Teigköpfe angenagt. Ab 1805 enstanden Puppenköpfe aus Papiermaché, teilweise auch aus Wachs, später dann aus Porzellan. Die Körper bestanden aus Leder oder Gewebe. Die Massenproduktion von Puppen begann mit der Einführung der Drückformen.
[…]

Als Papiermaché, das in Formen gedrückt werden mußte, Einzug in die Puppenherstellung hielt, bildete sich die Tätigkeit des Drückers geraus. Die Drücker waren in ihrer eigenen Wohnung tätig.
‚Die Gedrücktsten aller Gedrückten‘ nannte man die Drücker. Besonders in Heinersdorf bei Sonneberg waren sie zu Hause. 1912 hatten in diesem typischen Drückerdorf von 204 Haushalten nur 17 eine vom Wohnraum abgetrennte Werkstatt. Das Wohn- und Arbeitszimmer, in dem sich neben Kindern auch Alte und Kranke aufhalten mußten, füllte feuchtstickiger Dunst der trocknenden Drückerwaren. Diese ungesunden Wohn- und Produktionsstätten waren die Ursache hoher Sterblichkeit. Um 1900 verdiente ein Drücker mit drei Familienangehörigen am Tag etwa 1,65 Reichsmark – aber nur während der Saison von Mai bis Oktober, wenn die Familie in der etwa 16stündigen Arbeitszeit 980 Papiermaché-Puppenkörper schaffte. Zu dieser Zeit kostete in Sonneberg ein Pfund Butter 1,10 RM, ein Pfund Brot 0,14 RM und ein Pfund Rindfleisch 0,65 RM. Für ein Pfund Butter mußte eine Drückerfamilie also 70 Puppenkörper fertigen.
[…]
Die Drücker weichten Ausformerpappe in Roggenmehl-Leimwasser auf und drückte fünf bis sieben Lagen davon in Halbformen, die sie mit Mehlkleister oder Knochenleim verbanden. Die einzelen Halbteile wurden an der Luft und über dem Ofen getrocknet und danach mit Kleister zusammengeklebt. Anschließend erhielten die Puppenteile einen Farbüberzug, der oft aus Kreide, Schwerspat und Leim bestand, und zum Schluß versah man sie meist mit Schellack. Andernorts drückte man eine aus eingeweichten, zerkleinerten Pappabfällen, Holzmehl, Lehm und Kaolinerde. Die getrockneten Puppenteile erhielten andere Heimarbeiter ode

r Fabriken, die aus den Einzelteilen die fertigen Puppen herstellten. Die Drücker gibt es schon lange nicht mehr. Moderne Gußverfahren haben ihre Arbeit übernommen.

[…] Ihre Perücken, der damaligen Mode entsprechend frisiert, fertigten Puppenperückenmacher in Heimarbeit. […] Das Anfertigen der Perücken war ein Glied in der Kooperationskette: Von der Porzellanfabrik kam der bereits bemalte Puppenkopf meist über den Augeneinsetzer zu den Perückenmachern. Sie schnitten je nach der gewünschten Haarfarbe braune, schwarze oder helle Gaze zu und nähten sie entsprechend dem Umfang des Puppenkopfes zu einer einfachen Klappe zusammen. Auf einem anderen Tisch befand sich das Tressiergestell, in dessen Schnüre das auf Länge geschnittene Haar eingeknüpft wurde. Diese Tresse, wie die Fachleute sagen, nähte man dann auf die Gazekappe auf. Bevor die Perücke auf den Puppenkopf aufgeklebt wurde, erfolgte das Frisieren, wozu auch das Flechten von Zöpfen gehörte
1965 entstanden die letzten Puppenperücken auf diese Art. Seitdem sorgen Haarsteppmaschinen für die gewünschte Haarfrisur.“
(Bernd Wurlitzer. Historische Werkstätten, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989)



Berufsbezeichnungen der Puppenmacher

Dockenmacher, poppenmaecker (mnl.), Puppenmacher,
puppet maker (engl.), doll maker (engl.),
Spezialisierungen: Puppenperückenmacher, Bossierer, Drücker
verwandte Berufe: Näherin

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We might call this vintage British film 'intriguing' rather than the more usually featured 'wonderful' chosen pieces of footage. But however we describe it, there's no doubt that the finished articles that we see being made here will have bought oodles of wonder to the children who adored them.

Posted by The Art of Wonderment on Mittwoch, 17. Februar 2016

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