Die Puppenmacher

sw Foto: Puppenmacher bei der Arbeit

Puppenmacher  ist ein zusammenfassender Begriff für Personen,
die sowohl ganze Puppen, als auch einzelne Puppenteile bzw. -zubehör verfertigten.

Farbfoto: ägyptische Holzpuppe (sog. Paddelpuppe) aus dem 20.Jh.v.Chr

altägyptische Holzfigur aus dem 20.Jh.v.Chr

Puppen gibt es schon seit Jahrtausenden;  waren ursprünglich jedoch kein Spielzeug.

Farbfoto: griechische Tonpuppen aus dem 10. Jh.v.Chr

altgriechische Tonfiguren aus dem 10. Jh.v.Chr

Farbfoto: chinesische Holzpuppe aus dem 7. Jh

chinesische Holzfigur aus dem 7. Jh

Vor etwa 8000 Jahren dienten menschlich figürliche Nachbildungen zur Verehrung als ‘Hülle’ für die Seelen Verstorbener, als Abgötter, Fetische oder Glücksbringer – v.a.  also kultische Handlungen.
Möglicherweise wurden solche Figuren  (wie es bspw.  noch heute bei den Hopi-Indianern Nordamerikas üblich ist)  nach rituellem Gebrauch den Kindern zum Spielen überlassen .

Die Berufsgruppe der Puppenmacher bildete sich im ausgehenden Mittelalter heraus

Buchmalerei: Bruder bemalt eine Docke - 1654

Toggelinmacher – 1654

Buchmalerei: Bruder schnitzt Docken - 1558

Dockenschnitzer – 1558

Die hölzernen Puppen des Mittelalters wurden  D o c k e n  genannt – eine Bezeichnung, die von  ‘Holzblock’  abgeleitet worden war. Entsprechend nannte man ihre Hersteller zu jener Zeit Dockenmacher oder Dockenschnitzer. Auch die Bezeichnung Toggelinmacher ist in Nürnberg belegt, was wohl – ebenso wie Dockenmacher – allgemein für Spielzeugmacher stand. Jedenfall gilt die Dockenmacherei als das ältestes Handwerk, welches sich ausschließlich der Verfertigung von Spielzeug widmete.

In Nürnberg begann man im 15. Jahrhundert mit der gewerbsmäßigen Produktion von Puppen, im Sonneberger Gebiet um 1640, im Waltershäuser Gebiet ab 1816.  Im Sonneberger Gebiet und in den Walddörfern um Waltershausen, besonders im Georgenthal und Finsterbergen, breitete sich die Puppenmacherei als Hausgewerbe aus.


Berufsbezeichnungen

Puppenmacher u. Puppenmacherin   –   (veraltet)  Dockenmacher,   Dockenschnitzer,   Toggelinmacher
Bulgarisch: кукла производител
Englisch: doll maker, puppet maker
Französisch: fabricant de poupée
Italienisch: creatore della bambola
Niederländisch: poppenmaker
Polnisch: lalkarka
Portugiesisch: fabricante de boneca
Rumänisch: a face păpuși
Russisch: производитель куклы
Slowenisch: lutka oblikovalci
Spanisch: fabricante de la muñeca

Spezialisierungen:   Augeneinsetzer,   Bossierer,   Drücker,   Puppennäher,   Puppenperückenmacher
verwandte Berufe:    Puppendoktor,   Maskenmacher,   Spielzeugmacher


Kupferstich: Mann u. Frau schnitzen u. bemalen Docken - 1698

1698 [Christoph Weigel]

Originaltext

Dockenmacher von Trachant*.   [frz. ‘Schneide’]
Liebt und begehrt, was ewig währt.
______________________________________________
Mein Schatz und meiner Freude Ziel
ist Gott, soll meine Seele sprechen.
Des Reichtums buntes Docken-Spiel,
kan leicht ein Unglücks Stoß zerbrechen,
Vergnügung fehlt ihm, die er weist,
wie dem Trachant-Bild Menschen-Geist.

Kupferstich: Mann u. Frau fertigen Pappköpfe für Puppen - 1698

1698 [Christoph Weigel]

Originaltext

Dockenmacher von Pappen=Zeuch.
Reichtum, Schönheit; Stärk, ist nur Pappen=Werck
______________________________________________
Ihr Kinder in der Eitelkeit,
wann wollt ihr euch der Docken schhämen?
Liebt nicht, was endlich Tod und Zeit,
leicht wieder wissen wegzunehmen,
wann euch deß Sterbens dunckle Nacht,
das Grab zum Gitter=Bette macht.

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Kupferstich: drei Puppenmacher bemalen Gesichter
1717, Niederlande – [van Luyken]

Vom Puppenmachen

Das Holz zur Puppenherstellung wurde Mitte des 18. Jahrhundert von plastischen Stoffen abgelöst.
Zuerst war es ein knetbarer Stoff aus Roggenmehl und Leimwasser, der sich gut formen ließ. Jeden Puppenkopf modellierten die Bossierer aus freier Hand. Das setzte der Produktionsmenge Grenzen. Der neue Stoff erwies sich jedoch als nicht erfolgreich. Viele der Sonneberger Puppen waren wochenlang auf Schiffen nach Übersee unterwegs. Wenn sie ankamen, hatten oftmals trotz dicker Bemalung Mäuse und Ratten die ‘Teigköpfe’ angenagt. Ab 1805 enstanden Puppenköpfe aus Papiermaché, teilweise auch aus Wachs, später dann aus Porzellan. Die Körper bestanden aus Leder oder Gewebe.
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Die Massenproduktion von Puppen begann mit der Einführung der Drückformen

Als Papiermaché, das in Formen gedrückt werden mußte, Einzug in die Puppenherstellung hielt, bildete sich die Tätigkeit des Drückers heraus. Die Drücker waren in ihrer eigenen Wohnung tätig. Besonders in Heinersdorf bei Sonneberg waren sie zu Hause. 1912 hatten in diesem typischen Drückerdorf von 204 Haushalten nur 17 eine vom Wohnraum abgetrennte Werkstatt. Das Wohn- und Arbeitszimmer, in dem sich neben Kindern auch Alte und Kranke aufhalten mußten, füllte feuchtstickiger Dunst der trocknenden Drückerwaren. Diese ungesunden Wohn- und Produktionsstätten waren die Ursache hoher Sterblichkeit.
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»Die Gedrücktsten aller Gedrückten«  nannte man die Drücker.
Um 1900 verdiente ein Drücker mit drei Familienangehörigen am Tag etwa 1,65 Reichsmark – aber nur während der Saison von Mai bis Oktober,
wenn die Familie in der 16stündigen Tagesarbeitszeit 
980 Puppenkörper schaffte. Zu dieser Zeit kostete in Sonneberg ein Pfund Butter 1,10 RM,
ein Pfund Brot 0,14 RM 
und ein Pfund Rindfleisch 0,65 RM. Für ein Pfund Butter mußte eine Drückerfamilie also 70 Puppenkörper fertigen.

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teilkolorierter Holzstich: Puppenmacher wachst Puppenköpfe in seiner Werkstatt - 1895

um 1895

[…] Drücker weichten Ausformerpappe in Roggenmehl-Leimwasser auf und drückte fünf bis sieben Lagen davon in Halbformen, die sie mit Mehlkleister oder Knochenleim verbanden. Die einzelen Halbteile wurden an der Luft und über dem Ofen getrocknet und danach mit Kleister zusammengeklebt. Anschließend erhielten die Puppenteile einen Farbüberzug, der oft aus Kreide, Schwerspat und Leim bestand, und zum Schluß versah man sie mit Wachs oder Schellack. […] Die getrockneten Puppenteile erhielten andere Heimarbeiter oder Fabriken, die aus den Einzelteilen die fertigen Puppen herstellten. Die Drücker gibt es schon lange nicht mehr. Moderne Gußverfahren haben ihre Arbeit übernommen. […]
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Zum Schluß dann noch die Haare schön

Litho: Frauen versehen Puppen mit Perücken - 1897

um 1897

Die Perücken fertigten Puppenperückenmacher in Heimarbeit. […] Das Anfertigen der Perücken war ein Glied in der Kooperationskette: Von der Porzellanfabrik kam der bereits bemalte Puppenkopf meist über den Augeneinsetzer zu den Perückenmachern. Sie schnitten je nach der gewünschten Haarfarbe braune, schwarze oder helle Gaze zu und nähten sie entsprechend dem Umfang des Puppenkopfes zu einer einfachen Klappe zusammen. Auf einem anderen Tisch befand sich das Tressiergestell, in dessen Schnüre das auf Länge geschnittene Haar eingeknüpft wurde. Diese Tresse, wie die Fachleute sagen, nähte man dann auf die Gazekappe auf. Bevor die Perücke auf den Puppenkopf aufgeklebt wurde, erfolgte das Frisieren, wozu auch das Flechten von Zöpfen gehörte. 1965 entstanden die letzten Puppenperücken auf diese Art. Seitdem sorgen Haarsteppmaschinen für die gewünschte Haarfrisur.
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[Bernd Wurlitzer  ‘Historische Werkstätten’Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989]


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Als Puppenmacher gelten auch die Hersteller von Figuren,
welche in Puppen-, Marionetten- und Schattentheatern zum Einsatz kommen.


Farbfoto: winkende russ. Puppe mit Kopftuch sitzt vor Sprechblasen
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