Der Sattler

verschiedene Szenen arbeitender Sattler

Die Arbeit der Sattler.

Sattler, sellier, Handwerk, Werkstatt
19.Jh. [Traugott Friedrich Streich]

„Das Sattelzeug war – wie es der Name sagt – die ursprüngliche Domäne, die dem handwerklichen Können des Sattlers zugewiesen war. Auch das Geschirrzeug (Leiterseil, Kummet, Zaum, halfter usw.) wurde und wird von ihm hergestellt. Mit der zunehmenden Verwendung von Traktoren und anderen Zugmaschinen in der Landwirtschaft, ist der Beruf stark in seiner Bedeutung zurückgegangen. Da neben den erwähnten aber auch andere Gegenstände (Tornister, Schutzhüllen, Koffer, Riemen usw.) vom Sattler hergestellt werden und da das Sport- und Turnierreiten nicht aussterben wird, sind dem angehenden Sattler immer noch genügend Einsatzmöglichkeiten geboten.

Zunftwappen, Zunftzeichen, Sattler
1898

Die verschiedenen Stich- und Näharten, das Zurichten, Einstemmen, Abebnen, Aufputzen, Kädern, Rundnähen und anderes sind zu erlernen und mit den entsprechenden Werkzeugen, wie Messer, Ahle, Nähmaschine usw. sachgemäss auszuführen.
Beim Sattler und Polsterer kommen zu diesen reinen Sattler-(Leder)arbeiten die Polsterarbeiten hinzu, wie sie beim Beruf des Raumaustatters angegeben sind.
Lehrzeit in Industrie und Handwerk 3 Jahre.
Kräftige und geschickte Hände, ‚Sitzleder‘ und Freude am handwerklichen Arbeiten und am Formen sind günstige Voraussetzungen für diesen Beruf.“
[W. Leber / B. Burges: Der junge Mann vor der Berufswahl, Stuttgart 1966]


Berufsbezeichnungen

Sadeler (nieders.), Sadelmaker (nieders.), Sattelmacher, Sattler, Sedlar (böhm.), Senkler, Hammacher, Hammenmacher,
engl.: saddler, leatherworker, upholsterer
franz.: bourrelier, sellier
isländ.: söðlasmiður
kroat.: sedlar
norw.: salmaker
span.: guanicionero
ungar.: nyerges
 
verwandte Berufe: Riemer, Beutler, Handschuhmacher, Nestler, Kummeder (Hersteller von Pfergeschirr)

Werkzeuge der Sattler

Werkzeuge, Sattler, Tools
19.Jh. [Gerstenberg]

Ahlen: Einbindahle, Vorschlagahle, Vorziehahle
Auszeichner
Brückmaschine
Hammer: Sattlerhammer, Tapezierhammer
Hobel: Lederhobel
Kantenzieher
Kummetstöcke (Pferdehalsmodel)
Locheisen
Messer: Handmesser
Nadeln: krumme Abnähnadel, Abheftnadel, Garniernadel
Nähkloben (Sattlerroß udn Sattlerzange)
Nähmaschine
Reifelhölzer (zum Einprägen von Zierlinien)
Sattlereisen
Sattlermond: Halbmond
Schnitzer
Zackeisen
Zangen: Beißzange, Gurtenzange
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Materialien

hauptsächlich Leder
heutzutage auch Kunststoff, Textilien und Schwergewebe



Der Sattler oder Sattelmacher, nd. Sadelmaker (sellator, sellarius, auch seltener stratarius oder ephipparius), ahd. satalari, mhd. sateler, satler, verfertigte, wie der Name sagt, hauptsächlich Sättel, aber auch wie der Riemer, Reit-, Zaum- und Riemenzeug aller Art und – besonders in älterer Zeit – Schilde und Tartschen. – In Frankfurt a.M. wird zum erstenmal in einer Urkunde vom Jahre 1303 erwähnt eine „Apoteca, quam Walterus dictus seddelere tenet“, also der Laden, die Verkaufsstätte eines solchen Gewerkers und im Bedebuche erscheint derselbe Genzo oder Goczo 1320/21 als sellator, 1322 als clippeator und 1326 deutsch als Schildere. Während des 14. Jahrhunderts schwankt die Zahl dieser Handwerker zwischen 5-8, während sie im 15. aufs Doppelte steigt. Im Jahre 1377 bilden die Sattler in Frankfurt mit den Kummetern, Schildern, Malern, Glasern und Scherern eine gemeinsame Zunft, während sie in Hamburg zunächst mit den Beutlern (Budelmakern), seit 1359 auch mit den Zaumschlägern und während des 15. Jahrhunderts mit den Gordelern (Gürtlern) und Taschenmakern in einem Amte vereinigt sind. Dagegen finden wir unter den 28 Zünften Straßburgs im Jahre 1332 weder die Sattler, noch eines der andern ihnen nah verwandten Handwerke aufgeführt. In Danzig waren ursprünglich Sattler, Riemer und Wagenmacher zu einer Zunft vereinigt, dann seit 1477 nur Sattler, Riemer und Gürtler.
(aus: Erwin Volkmann: Alte Gewerbe und Gewerbegassen. Gebrüder Memminger Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1921)

Sattler mit Schürze bearbeitet Lederstück
1840 – [Arnz]

Sammelbild: Kind probiert Sattel des Vaters aus

Seltsamerweise waren die Sattler manchmal in Zünften geeint mit den Glasern, ja – selbst mit den Schilderern, den Kammachern, Malern, Beutlern und Gürtlern in einem Amt. In alten Tagen fertigten sie neben den Sätteln auch Zaumzeug und Tartschen, für das Turnier und den Kampf; später erst scheiden sich klar die Berufe. 1303 wird in Frankfurt erstlich das Handwerk des Sattlers erwähnt, das sich nie großer Besetzung erfreute. Enge verwandt mit der Zaumschlägerkunst, verehrte es Georg den Ritter als Heiligen, der in dem Kampf mit dem Drachen so sicher und fest einst im Sattel gesessen.


kolorierte Zeichnung: vier Männter stellen Bespannugn für Kutsche her
1820