Ursprünglich nannte man den Badegast, der in die Badestube kam einen Bader. Den Betreiber der Baderei bezeichnete man hingegen als Bademeister oder auch als Badstübner.

Bader, baden, Bad

15.Jh.

Die Badstüber spielten im Mittelalter eine große Rolle. Als der Aussatz aus dem Orient sich in Europa verbreitete, wurde das Warmbaden unter allen Klassen der städtischen Bevölkerung stark betrieben. Von der Obrigkeit wurden Badstuben angelegt, um das Baden aus sanitären Rücksichten zu fördern. Die Badstuben waren auch unter den besonderen Schutz des Gerichts gestellt, indem man sie zu den befriedeten Orten zählte.

Es kam aber auch vor, daß Barbiere (Barbitonsores) Badstuben pachteten und dort ihre Geschäfte etablirten, das im Haarschneiden, Rasiren  auch in chirurgischen Operationen bestand; mit letzterm Geschäft befaßten sich auch die Badstüber, Bader. Die Badstuben waren aber nicht allein Lokale zur Reinigung des Körpers und zur Heilung von Patienten, sonder auch oft die Schauplätze wüster Gelage.
(Quelle: Constantin Mettig: „Zur Geschichte der Rigaischen Gewerbe im 13. und 14. Jahrhundert“, 1883)

 


Berufsbezeichnungen

Bader, Badstüber, Chirurgius, Wundarzt, Bademeister, Stübner, Stubrer, badstäver (niedersächs.), Stöver (niedersächs.), Heilgehilfe, Bäder
beder (nd.), padter (obd.), Badeknecht, Quacksalber (abwertend), Wasserdoktor (scherzhaft)

stupenatores (lat.), balneator (lat.)

verwandte Berufe: Arzt, Barbier, Chirurg, Scherer


Im Mittelalter war der Bader der Besitzer oder Vorsteher der badestube in Stadt und Land. Mit der Zeit jedoch entwickelte er sich zum Heilgehilfen oder Chirurgius und hat als solcher bis zum Ende des 19.Jahrhunderts eine große Rolle gespielt. Ärzte gab es früher oft weit und breit nicht. Kam etwas vor, so ließ man einfach den Bader oder Chirurgius kommen. Der war bald zur Hand und machte sein Sache dazu noch bedeutend billiger als der Arzt. Diesen holte man darum also nur in Fällen größter Not.
Sobald der Bader oder Her Chirurgius ins haus kam, trat die Jugend ehrfürchtig zur Seite. Einige neugierige Nachbarinnen eilten wohl noch herzu, um zu sehen, ob es schlimm stand.
Hatte der Kranke sich eine Lungenentzündung zugezogen, so wurde ein Oberarm abgebunden, und über der abgebundenen Stelle wurde ein Aderschnitt oder „Aderlaß“ vorgenommen. dem Kranken wurde etwa ein Teller hitzigen Blutes abgenommen. Dadurch sollte Lebensgefahr beseitigt werden. Auch setzte man bei Lungenentzündung, besonders aber bei anhaltenden starken Kopfschmerzen, Schröpfköpfe, und zwar bei Lungenentzündung auf die Brust, bei Kopfschmerzen dagegen in den Nacken. Schröpfköpfe waren fast kugelförmige Gläser. Man füllte sie mit heißem Wasser, goß es schnell wieder aus und setzte die heißen Gläser ebenso schnell auf die zu schröpfenden Stellen. Das Fleisch wurde hochgesogen und es entstand eine größere Blutansammlung. Diese Stelle wurde nun mit dem Schröpfapparat, der mehrere winzige Messerchen enthielt, eingeschnitten. Nun setzte man wieder Schröpfköpfe, die in größeren Mengen schlechtes Blut aufsogen. Das Schröpfen besorgt in heutiger Zeit, falls es durch den Arzt noch angeordnet wird, gewöhnlich die Hebamme.
Bei Verstauchungen des Fußes, Beines usw. mußte das gestockte, dicke Blut entfernt werden. Zu diesem Zwecke brachte der Dorfbarbier einige Blutegel mit. Diese setzte er an die geeigneten Stellen und ließ sich gehörig satt saugen. Dann preßte er den Tieren mit den Fingern das Blut wieder aus, und war es erforderlich, so wurden die Egel nochmals angesetzt.
Bei plötzlichen Unglücksfällen, wie sie in ländlichen Betrieben leicht entstehen können, war es der Chirurgius, welcher die erst Hilfe leistete, und in vielen Fällen genügte seine Heilkunst vollkommen.
Aber erst der Reichstag zu Augsburg vom Jahre 1548 erklärte den Beruf des Baders für zünftig und rein. Da von etwa dieser Zeit an die Bader auch zugleich Barbier wurden und durch Reichsgesetze von 1779 beide Berufe als nicht voneinander unterschiedene Handwerke betrachtet wurden, so war also der Bader ein vielseitiger Mensch.
Heute ist der „Chirurgius“ aber eine  vergessene Persönlichkeit; denn heutzutage ist überall ein Arzt zu haben, der natürlich über jene veralteten Heilmethoden des Dorfbarbiers weit erhaben ist!
(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)

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Redewendungen und Spruchweisheiten

  • Bader erkennt man an der Schürze
  • Bader – Salbader.
  • Wer die Badestube hat, der braucht um den Quast nicht zu sorgen. (russisch)
  • Eine alte Badestube gibt ein tüchtiges Bad (finnisch)

Die Badestubengerechtigkeit

folgt…

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