Der Barbier

Farbfoto: altes Ladenschild über Ladenfront
farbigeLitho; gestylter Barbier seift Kunden ein
um 1910

Heutzutage geht in unseren Breitengraden kaum noch ein Mann für ein Rasur zum Barbier.
Dazu hat sich das Rasieren durch moderne Geräte mittlerweile so verbessert, dass es jedermann bequemer zu Hause erledigen kann.  Aber dennoch ist  ein solcher Besuch nicht zu verachten, wenn ‚Mann‘ sich mal verwöhnen und richtig einseifen lassen möchte … und einem kleinen Schwätzchen nebenher nicht abgeneigt ist.

Der Barbīer: derjenige, welcher Profession davon macht, andern das Gesicht von den überflüssigen Haaren zu reinigen; ehedem ein Scherer, und in einigen gemeinen Sprecharten noch jetzt ein Bartscherer, oder Bartputzer.

(Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart.
Olms Verlag, 1793-1801)


Berufsbezeichnungen

Barbier Balbierer,  Barbutz,  Barbutzius,  Bartputzer,  Bartscherer,  Bartschneider,  Bartzwicker,  Herrenfrisör
(mundartl.) Balebutz,   (saarld.) Balewutz,   (fränk.) Schermann

>> in anderen Sprachen
Albanisch:berber
Bulgarisch:бръснар
Dänisch:barber
Englisch:barber, barbitonsores
Esperanto:barbiro
Finnisch:parturi
Französisch:barbier
Griechisch:κουρέας
Isländisch:rakari
Italienisch:barbiere
Latein:rasor, tonsor
Niederländisch:barbier, kapper
Norwegisch:barber
Polnisch:fryzjer
Portugiesisch:barbeiro
Rumänisch:bărbier, frizer
Russisch:брадобрей
Schwedisch:barberare
Slowakisch:holič
Slowenisch:brivec
Spanisch:barbero
Tschechisch:holič, lazebník
Türkisch:berber
Ungarisch:borbély

Berufsfamilie:   …,   …,   …
Spezialisierungen:   …,   …,   …
verwandte Berufe:  Bader,   Friseur


Zunftwappen

orangerotes verschnörkeltes Wappen mit Rasiermesser und anderen Gerätschaften
1898

Werkzeuge und Utensilien

Rasierpinsel, Rasiermesser, Streichriemen, Abziehleder, Juchten, Rasierhobel, Rasierklingen, Rasierseife, Rasierschaum


Rasiersalons


Barbier im 16. Jh.

Holzschnitt
1568 – [Jost Ammann]

Barbier im 18.Jh.


Barbiere im 19.Jh.


China im 19.Jh.

„[…] Als ich die gedrängten Straßen von Canton und Peking beschrieb, erwähnte ich auch des wunderlichen Volkes, das diese belebt und sein Geschäft in freier Luft treibt. Unter diesen nimmt der barbier einen bedeutenden, wenn nicht den bedeutendsten, Platz ein, und mit seinen Rasiermessern und Bürsten, seinem Sessel, dem kleinen Kochofen und Wasser, wandert er fröhlich von einem seiner zahlreichen Kunden zum andern.
Seine Dienste sind auch viel zu wichtig, als daß man sie entbehren könnte, denn nicht allein ist er ein barbier und Haarschneider, sondern auch Meister in der heilenden Kunst und zugleich ein Shampooer aller derer, die seine Hülfe in Anspruch nehmen wollen. Da Ihr aber wahrscheinlich noch nie etwas von Shapooen gehört habt, so wird Euch die folgende Beschreibung wohl unterhalten.
Ein Chinese, ein ernsthafter dicker Mann, mit einer ungemein kurzen Nase und sehr großen Ohren, trat auf einen solchen Barbier zu, wechselte ein paar geheimnisvolle Worte mit ihm und setzte sich dann ruhig auf dessen Stuhl nieder. Der Barbier jedoch fing an ihn mit ungemeiner Geschwindigkeit, und zwar mit den flachen Händen über den ganzen Körper hin zu klatschen; dann faßte er ihn erst an den Armen und dann an den Beinen und zog und ruckte aus Leibeskräften daran. Bald zerrte er ihn auf dieser Seite, bald auf jener halb vom Stuhl herunter und stieß ihn manchmal in die Seite. Nun betippte er ihn wieder mit den Fingerspitzen von oben bis unten, machte ihm die Finger knacken, und strich ihm Ohren, Schläfe und Augenbraunen; dann fing er an zu kratzen und zu stechen und zu reiben; dann reinigte er ihm die Nägel an Fingern und Zehen, schnitt ihm die Hühneraugen, schüttelte den ganzen Menschen noch einmal tüchtig durch, und ließ sich nun für seine gewiß nicht unbedeutende Mühe ein sehr kleines Stück Geld von geringem Werthe bezahlen. […]“


(aus: Friedrich Gerstäcker: China, das Land und seine Bewohner. 1848)


Barbiere im 20.Jh.

Barbiere in der Türkei


Barbiere im Nahen Osten


Barbier im Kaukasus

kolorierte Postkarte: Straßenbarbier rasiert Kunden den Schädel
Kaukasus

Barbiere in Indien


Barbier –  Redensarten

Karte: eleganter Friseur bzw. Barbier
Frankreich
  • Ein guter Barbier hat mehr als ein Schermesser.
  • Ein Barbier schert den anderen.
  • Wer zum Barbier geht, bleibt nicht ungeschoren.
  • Ein schlechter Barbier nimmt Haar und Haut.
  • Es ist ein schlechter Barbier der nur einen Kamm hat.
  • Der Barbier will mehr als den abgeschnittenen Bart.
  • Barbiere werden nicht so alt wie Papageien, aber sie sprechen mehr.
  • In einer Barbierstube fehlt es nie an Neuigkeiten.

Humor

Kunde mit vielen Gesichtsverletzungen besieht sich im Spiegel
19.Jh. – [Wilhelm Busch]
humorvolles Bildchen: letzte Locke wird abgeschnitten