Das  Friseurequipment  hat insbesondere im 20. Jahrhundert eine große Weiterentwicklung und Verfeinerung erfahren bis hin zu den hochwertigen, von professionellen Friseuren genutzten Geräten und Utensilien, wie wir es heute kennen.

 

Farbfoto: Haarlänge kürzen

Haarschneideutensilien


Haarschneidescheren

Das wichtigste Gerät eines Friseurs ist eine gut geschärfte Schere. Nach früheren verschiedensten Formgebungen kristallisierten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die geeignetsten Proportionen und Nutzungseigenschaften von Haarscheren heraus.

 

 

sw Foto mit Beschriftung der Teile

F r i s i e r s c h e r e n (auch Haarscheren genannt) werden von professionellen Friseuren und Friseurinnen verwendet und bestehen heute meist aus rostfreien oder rostbeständigen Stahllegierungen. Sie verursachen deutlich weniger Spliss als normale Haushaltsscheren.
Für Linkshänder gibt es heutzutage auch spezielle, gegengleich gefertigte Linkshänderscheren.

sw Foto: symmetrisch geformte Haarschere

Klassische Form: Bei dieser Form sind die Schenkel und Scherenblätter gleich lang und gleich geformt. Die Augen sitzen mittig auf den Schenkeln.

 

sw Foto: ergonomisch geformte Haarschneideschere mit Verstellmöglichkeit

Ergonomische Form: Charakteristisch ist häufig einer der Schenkel gebogen oder geknickt. Kennzeichnend für diese Form ist grundsätzlich die unterschiedliche Länge der Scherenschenkel, wodurch die Augen nicht auf einer Höhe liegen. Diese Form ist für ausdauerndes Arbeiten konzipiert, da sie auf die Haltung von Hand und Finger sowie Daumen ausgerichtet ist.

sw Foto: Haarschneideschere mit gebogener Klinge und Hohlschliff

Sliceschere: Diese Scheren verfügen über einen Hohlschliff an den inneren Blattseiten, was eine langlebigerer Schärfe zeitigt. Darüber hinaus sind sie in der Regel mehrfach feinpoliert und haben einen Handabzug, wodurch sie um ein Vielfaches schärfer sind als ‘normale’ Scheren.

sw Foto

Modellierschere: Haarschere, die auf einer Seiten gezahnt ist, während das zweite Scherenblatt glatt ist, wie bei einer herkömmlichen Schere. Beim Schneiden wird etwa die Hälfte der Haare je zu bearbeitender Strähne erfasst. Auf diese Weise wird an gewünschten Partien Volumen aus den Haaren herausgeschnitten, wodurch die Haare natürlicher und gleichmäßiger fallen.

sw Foto

Effilierschere: Haarschere, die auf beiden Seiten gezahnt ist. Die Schneideblätter sind abwechselnd eingekerbt und erfassen etwa ein Drittel der Haare; eben nur die, die sich während des Schnitts zwischen den Zähnen befinden. Effilation – sprich ‘Ausdünnen’ – des Haares wird insbesondere angewandt, wenn anschließendes Toupieren beabsichtigt ist, wozu unterschiedliche Längen im Haar erforderlich sind.

sw Foto: Kammartiger Aufsatz auf Halter

Effilierschneider: Gerät (auch Effilierkamm ober -messer genannt) zum Ausdünnen von Haar- und Ponyspitzen für natürlicheres Aussehen im Gegensatz zu einem Glattschnitt.

Farbfoto: Haare mittels Kamm auf gleiche Länge schneiden

Zum gleichmäßigen Kürzen der Haare
werden Haarschneidekämme*  verwendet.

siehe weiter unten 

 


Haarklipper & Haarscheidemaschinen

 

Eine  H a a r s c h n e i d e m a s c h i n e  (auch Haartrimmer oder Tondeuse genannt)  wird vom Friseur zum Schneiden extremer Kurzhaarfrisuren (sog. Maschinen- oder Igelschnitt), zum Trimmen von Nackenhaaren, Koteletten, wie auch als Barttrimmer eingesetzt. Sie besteht aus den eigentlichen Schneidwerkzeugen und einem manuellen oder elektrischen Antrieb.

 

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Friseurequipment für künstliche Locken


 Brennscheren & Brenneisen

 

sw Foto: M. Grateau bei der Anwendung seiner Brennschere - 1872, Frankreich

1872 – Marcel Grateau mit seiner Brennschere

Die  B r e n n s c h e r e  (teils auch Brenn- oder Lockenzange genannt) ist ein Werkzeug zur Ondulation (Lockenherstellung) des menschlichen Haupthaares. Der Franzose Marcel Grateau erhielt 1872 das erste Brennscheren-Patent. Sie funktioniert nach dem Prinzip einer Schere, allerdings wird damit nicht geschnitten, sondern lediglich eingeklemmt. Nach dem Erhitzen auf einem Herd oder über Feuer klemmte man die Spitze einer Haarsträhne zwischen Röhren und Halbhülse, um dann die Haare aufzudrehen. Die so erzeugten Locken hielten sich meist bis zur nächsten Waschung. Kam man der Kopfhaut mit dem heißen Eisen zu nahe, bestand allerdings Verbrennungsgefahr.

Eine Brennschere (Schnabel=Eisen, Toupet=Eisen, Toupet=Zange) sieht einer länglichen Schere gleich, welche statt der beyden Klingen oder Arme, eben so viel eiserne Stäbe hat, deren einer rund, und der andere hohl ist, daß jener in diesen hinein passet. Es muß dieses Eisen gut schließen, besonders an der Spitze, oder es muß der rundliche Arm in der Rinne des andern überall gleich anliegen. […]
Werden indessen die Haare zu oft gebrannt, so verlieren sie nach und nach alle ihre Elasticität, sie werden kraftlos, ihr Glanz und ihre Ründung verschwinden, sie zerbrechen vor der Zeit, und der Kopf wird davon so dünnhärig, daß man, statt des eigenen Haares, eine Perücke aufsetzen muß.

[Georg Christoph Krünitz: Oeconomische Encyclopädie – Berlin ,1779]

Brennscheren wurden sowohl von Friseuren und Perückenmachern, als auch im privaten Haushalt angewendet. Die Lockenherstellung mit diesem Instrument hielt sich teils bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute finden sie in der Friseurtechnik keine Anwendung mehr – seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie mehr und mehr abgelöst vom elektrisch betriebenen Ondulierstab und von mannigfaltigen Lockenwicklern.

 


Ondulierstäbe

 

Der heutige   O n d u l i e r s t a b  (auch Lockenstab genannt) hat einen sehr alten Vorgänger, denn bereits vor über 2000 Jahren benutzte man im antiken Griechenland ein metallenes Rohr – ein sog. ‘Calamistrum’ – zum Erzeugen von Locken. Eine Frisiersklavin (Calamistrae) schlang das Haar um dieses Rohr und schob schließlich einen zuvor im Feuer oder in heißer Holzasche erhitzen Bronzestab hinein. Von den Römern übernommen, erlebte diese Lockentechnik ihre Blütezeit im 1. Jahrhundert v. Chr.

sw Foto: Japanerin mit elektrischem Lockenstab

um 1920, England

Mit dem Siegeszug der Elektrizität allerdings boten sich für die Weiterentwicklung des antiken Lockenstabes völlig neue Möglichkeiten. Ein elektrischer Lockenstab ließ sich sauber und nach Bedarf unterschiedlich stark erhitzen. Die frühen Ondulierstäbe muten noch recht abenteuerlich an.
Wirklich sicher umgesetzt wurde das Prinzip erst in den 1960er Jahren. Ab 1970 waren Lockenstäbe überwiegend mit Chrom beschichtet, um das Haar zu schützen und die Wärme gleichmäßiger zu leiten. Das erste Patent für einen ‘Elektrischen Lockenstab’ wurde tatsächlich erst um 1980 dem Dipl. Ingenieur Hans-Dieter Huber der Firma BRAUN erteilt. Das zweite Patent ging an das gleiche Unternehmen und wurde 1989 erteilt für einen Ondulierstab, der zusätzlich mit Wasserdampf arbeitete.

 

Viele der modernen Neuentwicklungen dienen vor allem dem Schutz des Haares. Antihaft-Beschichtungen oder spezielle Legierungen verhindern Brandschäden und Überhitzung, die das Haar brechen würden. Einige Lockenstäbe arbeiten mit Ionen-Technologie oder Infrarot-Wärme, was starke Austrocknung und statische Aufladung des Haares verhindern hilft. Das Endergebnis sind geschmeidige, glänzende Locken.

 


Lockenwickler

•  curler, hair roller [EN]  •  rouleau bigoudi [FR]  •  bigodì [IT]  •  rolo de cabelo [PT]  •  rulo [ES]  •  krulspeld [NL]  •  hårrull [NO]  •

Farbfoto: kleine Figur mit Lockenwicklern

  • Die Anfängen der Lockenwickler-Ära

 


  • Dauerwellwickler

Im Jahr 1906 erfand Karl Ludwig Nessler die erste Dauerondulation, die sog. ‘Heisswelle’, die mittels chemischer plus thermischer Behandlung durchgeführt wurde. Seit 1947 ist die sog. ‘Kaltwelle’ üblich, bei der das Keratin des Haares nur chemisch erweicht und neu geformt wird. Das uns heute als Dauerwelle geläufig Verfahren, wurden anfangs noch als  Permanentwelle bezeichnet. Davon abgeleitet wurden die dazu verwendeten Wickler oft auch Permstäbe oder Permwickler genannt.

 

 


  • Aluminiumwickler

 


  • Kunststoffwickler

 


  • Haftwickler

 


  • Schaumstoffwickler & Papilotten

Farbfoto: dunkelhäutige Frau mit Schaumstoffwicklern - 1974, USALockenwickler aus Schaumstoff (anfangs Schaumgummi genannt) gab es bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber so richtig boomt der diesbezügliche Markt erst seit etwa 2000 – die Möglichkeiten verschiedenster Formgebung, sowie Flexibilität und Weichheit sind eben wahrlich verlockend.

Mrs. Cruse aus Kansas mit Schaumstoffwicklern
1974, USA

 

 


  • Thermowickler

 

 


Haarnetze

 

sw Foto des Originalfundes + Rekonstruktionszeichnung

Feine, künstlich gearbeitete Haarnetze aus Flechtgewebe waren als Teil der Frauentracht spätestens seit der Bronzezeit im Gebrauch. Denn das älteste erhaltene Haarnetz stammt aus einem bronzezeitlichen Moorfund in Borum Eshøj (Dänemark) und wurde auf ca. 1400 v. Chr. datiert. Das Netz bedeckte den Hinterkopf und war auf dem Scheitel oben mit Schnüren zusammengebunden.

Neben Schmucknetzen trugen früher sowohl manche Frauen als auch Männer Haarnetze zum Halt der Frisur oder auch zum Schutz (z.B.beim Schlafen). Ab Mitte des 20. Jahrhundert wurden Dank neuer Technologien immer feinere, nahezu unsichtbare Netze entwickelt.

Seit in Frisiersalons Lockenwickler in Gebrauch kamen, gehören auch Haarnetze zum Friseurequipment,
damit während der Haartrocknung alles an seinem Platz bleibt.

 


Haartrockner

 

Zeichnung: große Apparatur zum Haare Trocknen - 1890, Italien

1890, Italien

sw Zeichnung: Haartrockner (Handgerät)

1922, Kanada

 


 

Frisiertools

 


Haarkämme

Werbung für Kämme

  • Haarschneidekämme

Farbfoto: Schneidekämme in verschiedene Größen und Zahnungen

 


Haarbürsten

Farbwerbung für Harbürsten: vor Spiegel sitzende Frau bürstet ihr langes Haar - 1890, England

 


Haarklemmen, Haarnadeln & Haarclips

 

  • Haarklemmen

 


 

Farbfoto: altes Frisierzeug

 

 

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