Die Pfefferküchler altes Oblatenbild: Mädchen mit Lebkuchenspalteten sich im 13. Jahrhundert von Brotbäckern ab und stellten feines Gebäck mit Honig und exotischen Gewürzen und Früchten her. Die sogenannten Lebkuchen, Pfefferkuchen, Printen oder Honigkuchen. So wurden die Leckereien süß, ohne unseren heute vielgebrauchten Zucker. Aber schon vor dieser Zeit war Früchte- und Honigkuchen bekannt. Seit dem Mittelalter wurden sie in den Klöstern von den Mönchen und Nonnen gebacken, da sie auch wohltuend bei verschiedenen Beschwerden  wirkten. Noch heute kann man das “Magenbrot” kaufen.

Gerne nutzte man die Lebkuchen, um sie mit Motiven aus allen Themenwelten zu verzieren. In erster Linie fand man auf Ihnen religiöse Abbildungen (vorallem zu besonderen Anlässen wurden sie gekauft und gegessen); gerne gesehen wurden aber auch Wappen, Bilder aus der Modewelt und ebenso technische Neuerrungenschaften. Überspitzt könnte man sagen, dass sie als essbare Informationsbilder dienten.

Der Lebzelter, so nannte man die Pfefferküchler auch vielerorts, war nach der Zunftordnung von 1694 zudem berechtigt, den Honig der Biene zu Lebkuchen und Met (Honigwein) zu verarbeiten, das Wachs der Biene zu bleichen, aus ihm Kerzen zu ziehen und Wachsbilder (religiöse Votivbilder) zu gießen.

In die Model wird Wachs gegossen, die Wachsbilder werden von Hand weiterverarbeitet und bemalt. Damals verwendete der Lebzelter die aus Kirschholz geschnitzten Holzmodel außerdem, um sein Backwerk, vor allem Lebkuchen und Marzipan, zu verzieren.


Berufsbezeichnungen

Pfefferküchler, Lebkuchenbäcker, Lebkuchbäcker, Pfefferkuchler (16.Jh.), Pfefferkuchenbäcker, Lebkuchenmacher, Lebzeltner, Lebzelter, lezelter (16.Jh.), Lebkucher(er), Lebküchner, Lebküchler, läbküchner, letzelter, Honigkuchenbäcker
dulciarius und dulcinarius und lebetarius (lat.), gingerbread baker (engl.), mézeskalácsos (ung.)

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verwandte Berufe: Bäcker, Kuchenbäcker, Brotbäcker, Lebkuchenkrämer, Konditor


Herstellung von Lebkuchen

Holzstich: Lebkuchenherstellung

1887

Die Fabrikation der Pfefferkuchenwaaren.
1. Zubereitung der Mandeln
2. Formen der Pfefferkuchen
3. Der Backofen
4. Das Schaumschlagen des Eiweißes für den Zuckerguß
5. Schmelzen des Honigs

 

 

 

 


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bier Pfefferküchler beim Arbeitsprozess, dazu religiöser Text

1730

Der Lebküchner.
Im Trübsals-Ofen steckt, was Gäubige wol schmeckt.

Gott mest und waget weißlich ab,
des süssen Lebens-Stunden Lab,
worinn wir Freuden-Mandel suchen.
Die Liebes-Hand wird nie verkürzt.
Ist meine Zeit mit Leid gewürzt:
so küß ich auch den Pfeffer-Kuchen.
[Weigel]

 

 

 


buntes Sammelbild: Lebkuchenbäcker reicht Lebkuchen an zwei KinderDer Lebzelter.
Braun, goldgelb, duftend, mit Mandeln verziert,
gewürzt und versetzt mit den Früchten der Fremde
bereitet der Lebzelter Kuchen und Kringel,
wobei er den Honig vor allem gebraucht.
Flader werden die Zünfte auch häufig
in Städten genannt.
Sie sind zu finden seit 1300,
in Frankfurt waren auch Frauen dabei.
Neben dem Backwerk verkaufte der Meister
geschmolzenes Wachs und gesottenen Met.
(Tengelmann-Sammelbild. Wahrhafftige und Eigentliche beschreibung von den Ständen, Zünften und Handwercken um 1575.)


Werkzeuge und Zubehör der Pfefferküchler

  • Formen (Models)
  • Holzzuber, um den Grundteig anzusetzen, der mitunter monatelang ging
  • Teigbrecher, um den festgewordenen Grundteig aus den Zubern zu bekommen

Produkte

  • Pfefferkuchen
  • Lebkuchen: Oblatenlebkuchen, Mandellebkuchen, Nusslebkuchen, Elisenlebkuchen, Makronenlebkuchen
  • Lebzelter, Pfefferzelter (Pheforcelten)
  • Pfeffernüsse
  • Printen
  • Honigkuchen
  • Früchtekuchen
  • Magenbrot
  • Gewürzbrot

berühmte Lebkuchenfabrikanten

  • Heinrich Häberlein, Nürnberg: benutzte bereits seit 1840 die Dampfmaschine zur industriellen Herstellung von Lebkuchen
  • Matthias Ebenböck, München

Siegelmarken

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