Vogelfänger, Vogelkostüm, Vogelkäfig-Trage,

Vogelfänger und Aristokrat

Die Vogelfänger fingen Vögel allerlei Art, vor allem aber Singvögel – sowohl zum Verzehr, wie auch als Schmuck- oder Stubenvogel zur Zierde und Erbauung. Bis ins 19. Jahrhundert galt das Fangen von Vögeln in Europa als ehrbare Tätigkeit.

Der Vogelfang fand vor allem während der Vogelzugzeiten im Herbst und im Frühjahr statt und war folglich eher eine Neben-, denn eine Hauptbeschäftigung. Ab dem Frühmittelalter gab es Vogelfänger in allen gesellschaftlichen Ständen – während es für Ärmere ein ‚Zubrot‘ hinsichtlich Nahrungsbeschaffung oder Geldbeutel bedeutete, war es für Aristokraten und Patrizier ein überaus beliebter Zeitvertreib. Vogler, wie Vogelfänger auch genannt wurden, waren schon vor der Antike bekannt und in vielen Teilen der Welt zu finden.


Bezeichnungen für Vogelfänger

Vogelfänger, Vogelsteller, Vogler
englisch: bird catcher, fowler
französisch: oiseleur

Utensilien, Hilfsmittel und Vorrichtungen der Vogelfänger

Vogelfänger, Jagdrequisiten

‚Jagdrequisiten‘ eines Vogelfängers – um 1650 [Johannes Leemans]

Armbust, Lanze, Jagdgewehr, Fangnetze, Schlagnetze, Netzkloben; Reusen, Kescher, Vogelleim, Weidenruten und Äste (virga*), Rohrstangen (harundo*), Schlaggarne, diverse Kästen und Käfige, Lockvögel, Vogeltränke, Vogelfutter, Glöckchen, Schellen, Flöten sowie Vogelfanganlagen – sog. Vogelherde (z.B. Finkenherde)
Anmerkung: * von den Römern stammende Bezeichnungen, wie wohl auch von selbigen das von ihnen ausgeübte Vogelfangen übernommen wurde

 

Vogelhändler, Sonnenaufgang, Jagdvorbereitung, Jagdutensilien, Vogelkäfig, Vogeltränke,.Jagdhund

Jagdvorbereitung bei Sonnenaufgang – um 1660 [Johannes Leemans]

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Vom ‚Vögle-Fangen‘ der Vogelfänger

Das Fangen mit Netzen und Netzkolben

Vogelfang mit Wurfnetz bei Mondschein

Nächtlicher ‚Vogelfang mit Wurfnetz‘ – 1873 [Marie Adrien]

Die Vögel wurden teils in groß gespannte Netzwände getrieben, teils mit Wurfnetzen gefangen oder aber in etwas kleinere Schlagnetze, Reusen und Kolben gelockt. (Netzkloben sind ca. 15 x 20cm große, bei Berührung zuschnappende Kleinnetze)
Diese Art des Vogelfangens war in Deutschland weit verbreitet.

 

 

Das Fangen mit Leim

Benutzte man die langen Rohrstangen zum Fangen der Vögel, so wurden diese mit Leim bestrichen, der aus klebrigem Beerensaft, z.B. aus Mistelbeeren, hergstellt wurde. Mit den Stangen wurden dann die Vögel berührt, so dass sie daran kleben blieben. Das hatte den Fachbegriff Dupfen oder auch Tupfen. Eine andere Möglichkeit bestand darin, ein Ästchen in Leim zu tunken und ihn zur besseren Tarnung zwischen die Zweige eines Strauches oder Busches zu stecken.

Das Fangen mit Kästen

Hierzu benutzte man kleine hölzerne Kästen, in der Art eines Vogelkastens, an die man einen Schließmechanismus an der Öffnung anbrachte, die sich, sobald der Vogel im Kasten war, verschloss. Damit saß der Vogel in der Falle.

Das Fangen mit Schlaggarnen

Die Schlaggarne waren kleine Fallen, die auf dem Boden ausgelegt wurden. Mithilfe von Mehlwürmern versuchte, man die Vögel zu ködern. Diese Vorgehensweise wurde vorallem für das Stellen von Nachtigallen angewandt.

Das Fangen mit Lockvögeln

Man benutze dazu männliche Vögel, versah sie zwischen ihren Feder mit leimbestrichenen Reisigen, band sie an eine lange Schnur und ließ sie andere Vögel anlocken. Das nannte man den Finkenstich. Die anderen Fangweisen wurden mitunter mit der zur Hilfenahme von Lockvögeln kombiniert. So wurden in die Nähe von den Fallen Käfige mit eben den Lockvögeln aufgestellt.


 

Wissenswertes & Lustiges

  • Der Vogelfänger in der Kunst

Mozart, Zauberflöte, Gedenkbriefmarke
Der berühmteste Vertreter der Vogelfänger dürfte die Kunstfigur PAPAGENO aus Mozart’s DIE ZAUBERFLÖTE sein – nicht zuletzt ob des lustiges Vogelfängerliedes, welches dieser in der Oper zum besten gibt.

Illustration zum Vogelfänger-Lied
Die erste Strophe geht wie folgt:

Der Vogelfänger bin ich ja,
Stets lustig, heissa, hopsassa!
Ich Vogelfänger bin bekannt
Bei Alt und Jung im ganzen Land.
Weiss mit dem Locken umzugehn
Und mich aufs Pfeifen zu verstehn.
Drum kann ich froh und lustig sein,
Denn alle Vögel sind ja mein.


  • Anektode

Dass, wer reich genug war einen berufsmäßigen Vogler einzustellen sich leisten konnte,  bezeugt nachfolgende Überlieferung :

Wie der Vogelfänger Philipp von Lombeck
in das Rheinland kam                                                 [aus NAVES HISTORIA von Franz Josef Blümling]

Philipp von Lombeck war ein Sohn des Johann von Lombeck, Bürgermeister der Stadt Löwen in den Niederlanden (starb 1581). Philipp war ein geschickter und anmutiger Vogelfänger. Von ihm wird folgende Geschichte überliefert:
„ Als bei der Durchreise des Kurfürsten Maximilian Heinrich (Kurfürst und Erzbischof von Köln) durch Löwen diese Stadt verschiedene Festlichkeiten veranstaltete, wurde auch ein Volgelschießen, worin die Niederländer sowohl mit Bogen als Armbrust von jeher als geschickte Schützen bekannt sind, in dem Hause des Herrn Bürgermeisters Aegidius von der Vorst, zur Ergötzlichkeit Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht gegeben. Hier zeichnete sich der junge Philipp durch seine Geschicklichkeit und Liebenswürdigkeit so sehr aus, dass der Kurfürst ihn von seinem Vater begehrte und ihn als Page nach seinem Hofe mitnahm …“


  • Fabelverse

Vom Vögler und einer Droschel

Vogelfänger, FangnetzeEin Vögler het sein Netz gestalt
Auf einen Platz in grünem Wald.
Das sah ein Droschel hoch dort oben,
Dass er das Garn, Hütten und Kloben
Het ausgestellt; sie floh hinzu,
Grüßt in und fragt, was er da tu.
Er sprach: »Ich wil ein Stadt hie bauen.«
Sie glaubts und wolts noch baß beschauen,
Floh baß hinzu; da bliebs bekleben.
Da sie sahe, dass es galt ir Leben,
Sie sprach: »Wiltus nicht anderst bginnen,
Wirst nicht vil alter Bürger gwinnen.«

Von der Nachtigall und dem Sperber

Es sang die liebe Nachtigall auf eim Baum, dass im Wald erschall,
Auf einer Buchen singen tet, da sie ir Nest mit Jungen het.
Dasselb ein Sperber ward gewar; floh hin, wolt sie auffressen gar.
Die Mutter bat. Er sprach: »Wil nit ir schon, du singst mir denn ein Liet.«
Die Nachtigall hub an zu singen, dass tet im weiten Wald erklingen,
Sang mit dem Maul, ir Herz fürwar betrübt und ser beengstet war.
Der Sperber sprach: »Das ist geklagt mer denn gsungen, drumb mirs nit bhagt.«
Fraß ire Jungen; da sie’s sach, ein scharpfes Schwert ir Herz durchstach.

Vogrlfänger, Leimrute
In dem ein Vogler kam geschlichen,
Het sein Leimruten fein bestrichen,
Darin der Sperber blieb behangen.
Die Nachtgall sahe, dass er gefangen
Und von dem Vogler ward bestrickt.
Da ward ir Herz zum teil erquickt.

Wer hat gefürt ein böses Leben, dem wird ein böses End gegeben.
Und wer mit Unrecht zwingt die Frummen, mag zu keim guten Ende kummen.
Bilch ist’s, dass solchen also get, gleich wie im Psalm geschrieben stet:
Dass dem, der’s Frommen nicht verschont, mit gleicher Bzalung werd gelont.
Auf dass die, den Unrecht geschehen, sich freuen, wenns ir Feinde sehen.
Dass in wird wider Heim gebracht das Leit, welch sie selb hetten gdacht,
Auf die Unschuldigen zu brengen, selb bleiben in dem Strick behengen.


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