Vogelfänger  erlegten und fingen Wildvögel allerlei Art, vor allem aber Singvögel –
sowohl zum Verzehr, wie auch als Schmuck- oder Stubenvögel zur Zierde und Erbauung.
Bis ins 19. Jahrhundert galt das Fangen von Vögeln in Europa als ehrbare Tätigkeit.

Vogelfänger, Vogelkostüm, Vogelkäfig-Trage,

Vogelfänger und Aristokrat

Farbfoto: lustig dreinblickendes Rebhuhn

wildes Rebhuhn

Der Vogelfang fand v.a. während der Vogelzugzeiten (Herbst / Frühjahr) statt und war folglich eher eine Neben-, denn eine Hauptbeschäftigung. Ab dem Früh-mittelalter gab es Vogelfänger in allen gesellschaftlichen Ständen – während es für Ärmere nurmehr ein ‘Zubrot‘ bedeutete, war es für Aristokraten und Patrizier ein überaus beliebter Zeitvertreib. Vogler – wie Vogelfänger auch genannt wurden – waren schon vor der Antike bekannt und in vielen Teilen der Welt zu finden.

 


Berufsbezeichnungen

Vogelfänger,   Vogelsteller,   Vogler
Englisch:
Französisch:
Italienisch:
Lateinisch:
Niederländisch:
Polnisch:
bird catcher, birder, fowler
oiseleur
uccellatore
aucellator, auceps
vogelvanger
ptasznik
Portugiesisch:
Russisch:
Slowakisch:
Slowenisch:
Spanisch:
Türkisch:
apanhador de pássaro
птицелов
vtáčnik
ptica lovec
pajarero
kuş avcı

verwandte Berufe:   Falkner,   Jäger,   Vogelhändler


 

 


Utensilien, Hilfsmittel und Vorrichtungen der Vogelfänger

 

Gemälde: diverse Fangutensilien an Holzwand hängen - 1650

1650 – ‘Jagdrequisiten eines Voglers’ [Leemans]

  • Armbust, Jagdgewehr, Lanze, Holzgabeln
  • Kescher, Reusen, Fangnetze, Schlaggarne, Schlagnetze (Netzkloben)
  • Vogelleim, Rohrstangen (harundo*), Äste (virga*) und Weidenruten
    [* von den Römern stammende Bezeichnungen, wie wohl auch von selbigen
    …….das von ihnen ausgeübte Vogelfangen übernommen wurde]
  • diverse Kästen und Käfige
  • Lockvögel
  • Vogeltränke, Vogelfutter, Glöckchen, Schellen, Flöten … etc.
    .
  • Holzstich: Vogelsteller beobachtet Klappnetzanlage - 1712Mindestens seit dem Mittelalter waren fest eingerichteten Fangplätze für Kleinvögel (meist mit Klappnetzanlagen) gebräuchlich. Im deutschen Sprachraum nannte man diese   V o g e l h e r d e  – waren die Beutevögel Finken, dementsprechend dann  ‘Finkenherd’.  Flurnamen, wie  ‘Am Vogelherd’,  ‘Vogelsberg’,  ‘Vogelsperre’,  erinnern noch heute an solche Fangplätze.

Federzeichnung

1712 – ‘Vogelherd’ [Jacob Cats]

 

1897 – Stationäre Vogelfanganlage in Italien [David Douglas]

 

 


 

Gemälde: Vögelfänger kniet zwischen Jagdutensilien und Jagdhund

um 1660 – ‘Jagdvorbereitung bei Sonnenaufgang’ [Johannes Leemans]


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Vom  ‘Vögle-Fangen’

 

  • Das Fangen mit Netzen, Reusen und Netzkloben

Die Vögel werden teils in kleine bis sehr große gespannte Netzwände getrieben, teils mit Wurfnetzen gefangen oder aber in Klappnetze, Reusen oder Kloben gelockt. Diese Art des Vogelfangens war in Deutschland weit verbreitet.

K l a p p n e t z e   sind Konstruktionen aus zwei auf einen Rahmen gespannten Netzen. Wird die Falle ausgelöst, so klappen die beiden Netzflügel zusammen und umschließen die sich dazwischen befindenden Vögel, wobei diese in der Regel nicht verletzt werden. Die Beutevögel werden durch ausgelegtes Futter und Lockvögel in Käfigen angelockt. Haben sich genug Vögel versammelt, löst der Vogelsteller das Klappnetz durch Ziehen an den Seilen aus.

N e t z k l o b e n   sind etwa 15 x 20 cm große, bei Berührung zuschnappende Kleinnetze. Sie besitzen einen Mechanismus, der vom Beutevogel ausgelöst wird, sobald er sich zwischen den Netzflügeln niederlässt. Der Vogel bleibt unverletzt, sollte aber zeitnah befreit werden, damit er nicht verhungert. Diese neuzeitlichen Fangvorrichtungen werden bis heute v.a. im österreichischen Salzkammergut verwendet, wo das Fangen von Singvögeln zum Brauchtum gerechnet wird.

Das nachfolgende  Video von 2014  zeigt das Einfangen eines Vogels mit einem Netzkloben in einer Voliere.

 

  • Das Fangen mit Leim
Farbfoto: Mistelbeeren

Mistelbeeren

Als Vogelleim verwendete man klebrigen Beerensaft, der meist aus Mistelbeeren
(deren Fruchtschale aus Cellulose, Glucose und Pektinen besteht) gewonnen wurde..

Zeichnung: in Blattwerk verborgener Mann mit Leimrute - 1500

um 1500 – Vogelfang mit Leimrute

Zum einen benutzte man mit Leim bestrichene lange Rohrstangen, mit denen die Vögel berührt wurden, so dass sie daran kleben blieben. Im Fachjargon heißt das ‘Dupfen’ oder auch ‘Tupfen’.

sw Foto: mit Leimrute gefangener Vogel

mit Leimrute gefangener Vogel

Zum anderen tunkte man Äste in Leim und steckte diese zur besseren Tarnung zwischen die Zweige eines Baumes oder Busches. Befreite man die festklebenden Vögel schnell, waren sie oft unverletzt und konnten dann ihrerseits selbst als Lockvögel dienen. Schon unseren Vorfahren in der Steinzeit ging Vogelvieh auf diese Weise auf den Leim.


Eine weitere Variante, die v.a. zum Fangen von größeren Wildvögeln eingesetzt wurde, bestand aus Weidenruten-Konstruktionen. Deren unterer Teil wurde in der Erde vergraben, die aus dem Boden ragenden Weidenruten mit Leim bestrichen und der Mitte ein Ködervogel angepflockt.

 

  • Das Fangen mit Lock- oder Ködervögeln

Lockvogel im Käfig

Die meisten Fangweisen wurden mit Lockvögeln kombiniert, welche in Käfigen in die Nähe von Vogelfallen postiert wurden. Verwendet wurden Exemplare der Gattung der Beutevögel, die man zu fangen beabsichtigte.

FarbfotoAls Ködervögel benutze man männliche Vögel, versah sie zwischen ihren Feder mit Leim bestrichenen dünnem Reisig, band sie an eine lange Schnur und ließ sie andere Vögel anlocken. Handelte es sich bspw. um Finken,  nannte man das den Finkenstich.

angepflockte  Ködervögel hinter einem Nylon-Fangfnetz

 

  • Das Fangen mit Schlaggarnen

FederzeichnungDie Schlaggarne waren kleine, halbrunde, deckelartige Fallen aus geflochtenen Weidenruten oder Netz, die man neben einer Erdkuhle mit einem Holzpflock im Boden verankerte. An dessen oberem Ende befestigte man mit Garn einen Stock, der über den Deckel gehängt diesen offen hielt. Mithilfe von Mehlwürmern, die in das gespalten untere Stockende geklemmt wurden, köderte man die Vögel. Holte sich der Vogel den Wurm, klappte die Falle zu. Diese alte, pfiffige Konstruktion wurde vor allem zum Lebendfang von Nachtigallen angewandt.

1897, England – ‘Schlaggarn und Nachtigall’ [David Douglas]                                               

 

  • Das Fangen mit Kästen                                                                                                                   

Hierzu benutzt man kleine hölzerne Kästen, in der Art eines Vogelkäfigs, an deren oberer Öffnung ein Schließmechanismus angebracht ist  (in der Regel ein eingespanntes Stöckchen, welches den Deckel offen hält).
Sobald sich ein Vogel – angelockt von Futter – in den Kasten wagt, verschließt sich der Deckel und er sitzt somit in der Falle.

1951, Slowenien – Fangkasten [Jernej Šušteršič]

 

 


Wissenswertes & Lustiges

 

  • Der Vogelfänger in der Kunst

Mozart, Zauberflöte, Gedenkbriefmarke
Der berühmteste Vertreter der Vogelfänger dürfte
die Kunstfigur  PAPAGENO aus Mozart’s  ZAUBERFLÖTE  sein;
nicht zuletzt ob des lustiges Vogelfängerliedes,
welches dieser in der Oper zum besten gibt.

Holzstich: Vogelfänger im Federkleid, umgeben von Käfigen und Vögeln

 

Die erste Strophe geht wie folgt:

Der Vogelfänger bin ich ja,
Stets lustig, heissa, hopsassa!
Ich Vogelfänger bin bekannt
Bei Alt und Jung im ganzen Land.
Weiss mit dem Locken umzugehn
Und mich aufs Pfeifen zu verstehn.
Drum kann ich froh und lustig sein,
Denn alle Vögel sind ja mein.

 

 


  • Anektode

bemaltes Schild 'Kaiserkönigl. landedesbefugter Vogelfänger'Wer reich genug war, konnte es sich leisten, einen berufsmäßigen Vogler einzustellen …

Wie der Vogelfänger Philipp von Lombeck
in das Rheinland kam

Philipp von Lombeck war ein Sohn des Johann von Lombeck, Bürgermeister der Stadt Löwen in den Niederlanden (starb 1581). Philipp war ein geschickter und anmutiger Vogelfänger. Von ihm wird folgende Geschichte überliefert:
‘Als bei der Durchreise des Kurfürsten Maximilian Heinrich (Kurfürst und Erzbischof von Köln) durch Löwen diese Stadt verschiedene Festlichkeiten veranstaltete, wurde auch ein Volgelschießen, worin die Niederländer sowohl mit Bogen als Armbrust von jeher als geschickte Schützen bekannt sind, in dem Hause des Herrn Bürgermeisters Aegidius von der Vorst, zur Ergötzlichkeit Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht gegeben. Hier zeichnete sich der junge Philipp durch seine Geschicklichkeit und Liebenswürdigkeit so sehr aus, dass der Kurfürst ihn von seinem Vater begehrte und ihn als Vogler und Page nach seinem Hofe mitnahm … ‘

 [aus NAVES HISTORIA von Franz Josef Blümling]


  • Fabelverse

Vom Vogler und einer Droschel

Vogelfänger, FangnetzeEin Vogler het sein Netz gestalt auf einen Platz in grünem Wald.
Das sah ein Droschel hoch dort oben, dass er das Garn, Hütten und Kloben
het ausgestellt; sie floh hinzu, grüßt in und fragt, was er da tu.
.
Er sprach: »Ich wil ein Stadt hie bauen.« Sie glaubts und wolts noch baß beschauen,
floh baß hinzu; da bliebs bekleben. Da sahe sie, dass es galt ir Leben,
Sie sprach: »Wiltus nicht anderst bginnen, wirst nicht vil alter Bürger gwinnen.«

Von der Nachtigall und dem Sperber

Es sang die liebe Nachtigall auf eim Baum, dass im Wald erschall.
Auf einer Buchen singen tet, da sie ir Nest mit Jungen het.
Dasselb ein Sperber ward gewar; floh hin, wolt sie auffressen gar.
Die Mutter bat. Er sprach: »Wil nit ir schon, du singst mir denn ein Liet.«
Die Nachtigall hub an zu singen, dass tet im weiten Wald erklingen,
Sang mit dem Maul, ir Herz fürwar betrübt und ser beengstet war.
Der Sperber sprach: »Das ist geklagt mer denn gsungen, drumb mirs nit bhagt.«
Fraß ire Jungen; da sie’s sach, ein scharpfes Schwert ir Herz durchstach.
.

Vogrlfänger, Leimrute.
In dem ein Vogler kam geschlichen,
Het sein Leimruten fein bestrichen,
Darin der Sperber blieb behangen.
Die Nachtgall sah, dass er gefangen
Und von dem Vogler ward bestrickt.
Da ward ir Herz zum teil erquickt.
.

Wer hat gefürt ein böses Leben, dem wird ein böses End gegeben.
Und wer mit Unrecht zwingt die Frummen, mag zu keim guten Ende kummen.
Bilch ist’s, dass solchen also get, gleich wie im Psalm geschrieben stet:
Dass dem, der’s Frommen nicht verschont, mit gleicher Bzalung werd gelont.
Auf dass die, den Unrecht geschehen, sich freuen, wenns ir Feinde sehen.
Dass in wird wider Heim gebracht das Leit, welch sie selb hetten gdacht,
Auf die Unschuldigen zu brengen, selb bleiben in dem Strick behengen.


 

geschnitzte Voglerfigur

 

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