Buchbinder

leimen und heften

Der Beruf der Buchbinder entwickelte sich langsam im Hochmittelalter und wurde zunächst von Laienbrüdern im Kloster ausgeführt. Anfang des 15.Jh. gab es die ersten Gilden in London und Paris und ab MItte des 16.Jh. Buchbinderzünfte. Da die Nachfrage nach Büchern stieg, entwickelte sich ab Mitte des 19.Jh. die Industrialisierung der Buchbinderei.


Berufsbezeichnungen

Buchbinder, Buchbinderin
bookbinder, binder (engl.), relieur, brocheur (franz.), bókbindari (isl.), legatore, rilegatore (ital.), bibliopegus, glutinator (lat.), bokbinder (nor.), encadernador (port.), legător (rum.), bokbindare (schwed.), encuadernador (span.), könyvkötő (ungar.), переплётчик (russ.)

Spezialisierungen: Kunstbuchbinder, Industriebuchbinder, Sortimentsbuchbinder

verwandte Berufe: Glutinator


Zunftzeichen der Buchbinder

Zunftwappen


Buchbinder


altes Sammelbild: Buchbinder mit einem hohen Bücherstabel auf dem ArmDer Buchbinder.
Das Buchbinderhandwerk kam aus dem Kloster.
Vor 1500 wurde es selten, doch in den Städten schon kunstvoll betrieben.
Prachtvolle Einbände zeugen vom Können zünftiger Meister.
Von einem solchen hat Hans Sachs geschrieben:
“Ich bind allerley Bücher ein / Geistlich und Weltlich /
groß und klein /
In Perment oder Bretter nur Bnd beschlags mit guter Clausur und Spangen /
und stempff sie zur zier /
Ich sie auch im anfang planier /
Etlich vergüld ich auff dem schnitt /
da verdien ich viel geldes mit.
[Tengelmann-Sammelbild: Warhafftige und Eigentliche beschreibung von den Ständen, Zünften und Handwercken um 1575]


Buchbindereien 16.Jh.


Buchbindereien 17.Jh.


Buchbindereien 18.Jh.


Buchbindereien 19.Jh.


Buchbindereien 20.Jh.

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einzelne Arbeitsschritte

    • Die Verformung: Rillen, Stauchen, Biegen, Nuten, Ritzen, Perforieren, Stanzen, Lochen
    • Das Kapital
    • Der Buchschnitt
    • Das Prägen
    • Das Falzen

Trichterfalzung, Klappenfalzung, Messer/Schwertfalzung, Taschenfalzung

Arbeiterin an der Falzmaschine

an der Falzmaschine, um 1960

    • Das Schneiden

    • Das Heften

    • Das Kleben

  • Das Pressen

  • Die Einbandarbeit


Werkzeuge und Maschinen

  • Anleimmaschine, Biegemaschine, Bucheinhängemaschine, Deckenmachmaschine, Filete, Papiermesser (Buchbindermesser), Pappschere, Perforierapparat/maschine, Rillmaschine, gerundeter Glättzahn
  • zum (Be)schneiden: Beschneidehobel, Buchbeschneidungsmaschine, Kreisschere, Schneidemaschine, Schnellschneidemaschine
  • zum Falzen: Falzautomat, Falzbein, Falzmaschine,
  • zum Heften: Drahtheftmaschine, Drahtbuchheftmaschine, Heftgerät,
  • zum Pressen; Buchpresse, Dampfvergolderpresse, Prägepresse,

verwendete Materialien

  • Einbandstoffe (z.B. Gewebe, Leinen)
  • Farben
  • Hinterklebematerialien,
  • Heftmaterialien (Heftdraht)
  • Karton
  • Kunststoffe
  • Klebstoffe (z.B. Mehlkleister [früher], Klebelack, Kunstharz, Stärke, Zellulose)
  • Leder
  • Papier (z.B. Buntpapier, Büttenpapier, Dokumentenpapier, Druckpapier, Holzschliffpapier, Kleisterpapier, Marmorpapier, Offsetpapier, Packpapier, Pergaminpapier,  Schreibpapier, Siebdruckpapierm, Zeichenpapier),
  • Pappe (Braunschliffpappe, Graupappe, Hartpappe, Holzpappe, Lederpappe, Maschinenpappe, Strohpappe, Wellpappe, Wickelpappe ),
  • Pergament
  • Prägefolien und Schlagmetalle

Buchschnitte

  • Naturschnitt
  • Goldschnitt
  • Marmorschnitt
  • Kreideschnitt
  • Sprengschnitt
  • Tupfschnitt
  • Graphitschnitt

Siegelmarken


Buchempfehlung

  • Gerhard Zahn: Grundwissen für Buchbinder. Schwerpunkt Einzelfertigung. Verlag Beruf + Schule, Itzehoe 1990
  • Hans Loubier: Der Bucheinband in alter und neuer Zeit. H. Seemann Verlag, Berlin 1903

Film um 1960 (amerikanisch)

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