Die Arbeit der Blattgoldschläger.

„Um Kunst- und Bauwerke zu schütze und zu verschönern, werden sie seit mehr als 4000 Jahren mit Blattgold belegt. Die Ägypter versahen mit dem hauchdünnen Gold Sarkophage, Götterfiguren und Tempeltore. Sie verstanden es bereits, das Gold bis auf 0,001 Milimeter ‚Stärke‘ auszuschlagen. Von König Salomo wird behauptet, er habe vor etwa 3000 Jahren das Hauptgebäude seines Palastes mit Blattgold versehen lassen. Zur Meisterschaft in der Blattgoldherstellung brachten es ebenfalls frühzeitig die Chinesen, Koreaner und Japaner, die ihre Buddha-Figuren vergoldeten. In Europa waren es im frühen Mittelalter Mönche, die Gold dünn schlugen und damit Bilderrahmen und liturgisches Gerät verzierten.
Im späten Mittelalter übernahmen Handwerker die Kunst des Goldschlagens von Mönchen. Zu Zentren der deutschen Blattgoldherstellung entwickelten sich Nürnberg und Fürth.

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Die Technologie der Blattgoldherstellung ist im Prinzip seit Jahrtausenden nahezu unverändert geblieben. Zwei überlieferte Darstellungen aus ägyptischen Gräbern zeigen: Ein Arbeiter schlägt mit einem Handstein auf einem großen Stein liegt. In der Form dürften sich zwischen Pergament die Goldblättchen befunden haben. Wie diese schwere körperliche Arbeit des Goldschlagens erleichtert werden könnte, darüber hat sich bereits der italienische Baumeister und Naturwissenschaftler Leonardo da Vinci vor einem halben Jahrtausend Gedanken gemacht. Doch die von ihm konstruierten Anlagen blieben ebenso untaugliche Versuche wie viele, bis in die Gegenwart reichende Unternehmungen. Noch heute ist für das Fertigschlagen des Goldblattes das Fingerspitzengefühl des Goldschlägers unentbehrlich.

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Blattgoldblättchen haben heute die nicht vorstellbare ‚Stärke‘ von einem zehntausendstel Milimeter (0,0001 Milimeter). 160 dieser Goldblättchen müssen übereinandergelegt werden, will man die Stärke der handelsüblichen Aluminiumfolie erreichen. Bei der Restaurierung des Goldenen Reiters in Dresden, dem Denkmal August des Starken, war einen Fläche von immerhin 40 Quadratmeter zu vergolden. Dafür wurden nur 140 Gramm Blattgold benötigt.

Die im Schmelzofen bei 120 Grad Celsius hergestellte Legierung wird in kleine Barren gegossen, die auf dem Amboß ausgeschmiedet werden. Zu den mechanischen Hilfsmittels, die die anstrengende Arbeit des Goldschlägers etwas erleichtern, die das edle Metall bis auf 0,001 Milimeter strecken. Damit ist die Technik aber schon an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit; alles weitere muß mit der Hand bearbeitet werden. Um das Gold zu einer durchsichtigen Folie auszuschlagen ohne es zu zerschlagen, sind Gefühl und Erfahrung der Goldschläger erforderlich. Wie vor Jahrhunderten benötigt der Goldschläger einenplangeschliffenen Amboß aus Granit und verschiedene, sechs bis acht Kilogramm schwere Hämmer, mit denen er abwechselnd mit der rechten und mit der linken Hand acht- bis zehntausend Mal auf die Form schlägt. In der Form befinden sich 1800 bis 2000 Goldblättchen, jedes einzelne sorgfältig zwischen spezielle Plastikfolie, die vordem mit einem Gleitmittel versehen wurde, aufgetragen mit dem Hinterlauf eines Feldhasen. Läppchen, Pinsel oder das Bein eiens Kaninchens, so versichern die Blattgoldschläger, würden sich hierfür nicht eignen. Was nach Stunden der Form entnommen wird, darf nicht mit den Fingern angefaßt werden. Es ist so dünne, daß es sorfort haften blieb und sich zu Staub auflösen würde. Zum Versand gelangt das Blattgold im sogenannten Büchel, in dem sich jeweils 25 in quadratische Abmessungen zurechtgeschnittene und zwischen spezielles Seidenpapier gelegte Blättchen befinden. Das Gold eines solchen Büchels wiedgt bei der Abmessung 80 mal 80 Millimeter zwischen 0,25 und 0,46 Gramm.“

(aus: Bernd Wurlitzer: Historische Werkstätten, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989)


Berufsbezeichnungen

Blattgoldschläger, Goldschläger, Goldschlager, goltslaher (veraltet)


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