Der Tabakbauer

Farbfoto: Bauer steht in mitten eines Tabakfeldes mit bis zum Bauch reichenden Pflanzen

Der Tabakbauer kultiviert Tabakpflanzen der Gattung Nicotiana
zur weiteren Verarbeitung der Laubblätter zu Tabak (veraltet: Tobak).

Tabakpflanze, Tabak
‚Nicotiana tabacum‘

Nur zwei von den 75 Arten dieser Gattung haben wirtschaftliche Bedeutung für die Tabakproduktion: der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum) und der Bauern-Tabak (Nicotiana rustica). Heimisch sind diese überwiedgend in Südamerika, einige auch in Australien und Nordamerika. Die aktuelle Sorte für Zigaretten-Marken ist ‚Virginia‘. Der rundblättrige ‚Bauern-Tabak‘ wird außerdem auch in Osteuropa angebaut und zu ‚Machorka‘ verarbeitet.

 


Berufsbezeichnungen

Tabakbauer

Spezialisierungen:   Tabakdreher,   Tabakmacher,   Tabakmeister,   Tabakspinner
verwandte Berufe:  Tabakhändler,   Zigarrenmacher


 

 

Der Tabakanbau

Tabaksamen, Tabakpflanze, Tabakanbau„Der Tabaksamen.
Der Bauer zieht seinen Tabaksamen selber. Er sucht sich auf den heranreifenden Feldern die am günstigsten entwickelten Pflanzen aus und überzieht die Blüten mit einer Schutzhülle. Dadurch wird die Befruchtung durch andere Provenienzen vermieden und die Artenreinheit des Tabaks erhalten. In der weißen, gelben oder roten Tabakblüte entwickeln sich fächrige Kapseln, die im Innern eine Unzahl brauner Samenkörner bergen. Das einzelne Korn ist so winzig, daß eine Million Körner ungefähr ein Litermaß füllt.“

Tabakanbau, Tabakbauern, Saatbeet, Aussaat„Die Wiege des Tabaks.
Nach der Vorkeimung des Samens wird etwa Ende März die Aussaat in die sorgfältig vorbereitenen Saatbeete vorgenommen. Nach einigen Tagen, in denen die Beete häufig und mit größter Vorsicht begossen werden müssen, geht die Saat auf, und es entwickelt sich die junge Tabakpflanze. In nie ermüdender Tätigkeit, durch Jäten des Unkrautes, Begießen, Ausziehen der schwachen Pflanzen der Tabakbauer die zarten Pflänzchen, von deren gutem Gedeihen seine ganze Existenz abhängt.“

Stecklinge, Tabakanbau, Tabakbauern, Tabakpflanzen„Auswahl der Tabakstecklinge.
Der erfahrene Tabakbauer erkennt genau den günstigsten Augenblick, in dem seine Stecklinge zum Aussetzen auf das Tabakfeld genügend gekräftigt sind. Nur gut entwickelte Pflanzen mit 4-5 Blätter halten der Kritik stand. Sie werden behutsam, ohne Beschädigung der zarten Wurzel, aus ihrem Bett gezogen. Spitze auf Spitze und Wurzel auf Wurzel werden die jungen Pflanzen mit der größten Sorgfalt in Körbe gelegt und mit feuchten Planen zugedeckt. Dann werden sie sofort aufs Feld gebracht und dort ausgesetzt.“

Tabakpflanze, Tabakanbau, Tabakbauern, Tabakfeld

„Eine Woche etwa nach Aussetzen der Stecklinge der Tabak-Stecklinge beginnt das Auflockern des Erdreiches um die Pflanzen herum, damit Regen und Nachttau möglichst tief in den Boden eindringen können. Unkraut wird gejätet und jede einzelne Tabakpflanze angehäufelt. Der kleine Erdhügel gibt den Wurzel einen festen Halt und bezweckt die Feuchthaltung des Bodens. Dieses Anhäufeln ist die letzte Hilfreichung, die der Mensch der Tabakpflanze angedeihen lassen kann. Von nun an ist das Feld der Gnade des Wettergottes unterstellt.“

 


Die Tabakernte

Tabakernte, Tabakbauern, Tabakanbau, Tabakfeld„Die Ernte.
In langen Reihen ziehen die die mit Ochsen bespannten Wagen der Dorfbewohner bei Anbruch der Morgendämmerung auf das Feld. Es ist wie ein Festzug – ein buntes Bild in farbigen Volkstrachten. Bauern und Bäuerin – die ganze Familie, strebt frohgestimmt und mit lauten Gesängen den Tabakfeldern zu. Der langersehnte Tag ist da: Vergessen ist die harte Abeit des Pflügens, vergessen ist die Sorge um die Tabakpflanze im Saatbeet und um das richtige Gedeihen der Felder. Vergessen ist auch die Sorge vor den Überraschungen der Witterung: vor Hagel, Wolkenbruch und Sonnenbrand. Es gilt jetzt, den Lohn für lange Monate unermüdlicher Arbeit zu ernten!“

Tabakernte, Tabakblätter, Tabakanbau, Tabakbauern„Eile ist geboten.
Das Pflücken der Tabakblätter ist eine Arbeit, an der sich das ganze Dorf mit großem Eifer beteiligt, weil der günstigste Zeitpunkt der Blattreife nicht verpaßt werden darf. Trotz der Eile darf aber doch keines der zarten Blätter beschädigt werden, da zerbrochene Blätter den Wert der Ernte herabsetzen. Das Pflücken erfordert geschickte Hände und große Sorgfalt. Die Handwerksgriffe vererben sich von Generation auf Generation zum Wohle aller, deren Leben mit dem Tabak zusammenhängt.“

Lastträger, Tabakanbau, Tabakernte, Lasttiere„Die geduldigen Lastträger. Der Weg der Ernte ins Dorf.
Nach einem wohlüberlegten Plan ist die Erntearbeit geordnet. Während auf den Feldern die Blätter gepflückt werden, sind bereits Helfer damit beschäftigt, Korb für Korb das geerntete Gut vom Feld in das Dorf zu bringen. Für den Transport benutzt man je nach der Lage der Felder Wagen, oder man packt die Erntekörbe auf Esel. Auf schnellstem Wege gelangen die gepflückten Blätter in das Dorf, um sie vor der glühenden Sonne zu schützen.“

Erntezeit, Tabakernte, Maultier, Tabakanbau, Tabakbauern„Die Erntezeit.
Die kurze Zeit der Tabakernte ist zu kostbar, um auch nur eine Stunde zu versäumen. Von früh bis spät herrscht emsiges Leben im Dorf und auf den Feldern. Die Pflücker ziehen hinaus, die Ernte kommt in Körben an, die Fuhrwerke müssen entleert und wieder auf das Feld zurückgefahren werden, um neue Tabakernte zu holen, und die Feldarbeiter müssen mit Essen versorgt werden. Alle Hände haben voll zu tun, um an dem Einbringen der Ernte mitzuhelfen.“

 


Basmablatt, Tabakpflanze, Tabakblatt„Das Basma-Blatt.
Die Blätter der Tabakpflanze haben sich aus der Urform durch die veränderten klimatischen veränderten Verhältnissen und sonstigen Wachstumsbedingungen in verschiedene charakteristische Blattformen umgebildet. Die klassische Form im Orient ist das Basma-Blatt. Es wird ohne Stengel vom Schaft der Pflanze gebrochen und ist daher am unteren Ende breit. Das Basma-Blatt ist meist klein und zeichnet sich neben einer hellen Färbung durch ein zartes Gewebe aus.“

 


Die Tabakballen

„Gyros und Bastuni – Die Vorstufen zum Tabakballen.
Vielfältig wie die Spielarten des Tabakblattes ist auch die Verarbeitung zu ballen in den Manipulationslägern. Die Tabakmeister legen die in gleicher Qualität ausgewählten Tabakblätter für die weiteren Arbeitsphasen vorerst in verschiedene Grundformen. ‚Gyros‘ ist die Kreisform und ‚Bastuni‘ die Stockform. Tadellos sortiert, Blatt für Blatt kritisch ausgesucht, sind nun die Provinienzen einheitlich nach Qualitätsklassen geordnet. Erst nach dieser Vorarbeit wird mit dem Schichten der Tabakballen begonnen.“

 

Tabakballen, Basma-Tabak, Tabakblätter„Soviel Tabakprovenienzen – so viel Ballenarten.
Durch den Charakter und die Eigenheiten der verschiedenen Provenienzen wird die Art der Manipulation bestimmt. In jedem Distrikt haben sich nach alten Erfahrungen bestimmte regeln für die Schichtung der Tabakblätter zu Ballen herausgebildet. So verschieden die Provenienzen und Blattformen sind, so vielgestaltig sind auch die Manipulationsarten. Aber alle Systeme der Tabakschichtung haben einen gemeinsamen Zweck: die Erhaltung des kostbaren Aromas der Tabakblätter im Ballen. Das Bild gibt eine gute Vorstellung von der hohen Schule der Manipulationskunst.“

 

Tabakernte, Tabakbauern, Tabakballen, Tabaktransport

„Die Schichtung eines Bauernballens.
Um die Tabakernte so transportieren zu können, daß keine Beschädigungen eintreten oder der Tabak verdirbt, schichtet der Tabakbauer die Pastals zu Ballen. Er bedient sich dabei eines Holzrahmens mit verstellbarer Zwischenwand. Die Schichtung erfolgt nach örtlich verschiedenen Regeln, jedoch werden bei allen Systemen die besonders empfindlichen Blattspitzen nach innen und die Blattstiele zum Schutz nach außen gelegt.“

 


Übergabe der Tabakballen

Tabakballen, Tabakbauern, Tabakanbau„Ablieferung der Bauernballen.
Nach häufig tagelangen Anmärschen erreicht der Bauer das Sammellager, wo er die Tabakballen, wie es sein Vertrag mit dem Kommissionär bedingt, abliefert. Hier im Lager werden die Ballen noch einmal auf die Güte ihres Inhaltes kontrolliert und das Gewicht des abgelieferten Tabaks festgestellt. Für den Tabakbauern ist dieser Tag der schönste des Jahres; denn er erhält nun den klingenden Lohn für seine Ernte. Damit sind die letzten Formalitäten für den Verkauf der Ernte abgeschlossen.“

Tabakballen, Tabakernte, Tabakbauern

„Die Besichtigung von Bauernballen.
Die Bauern haben ihre Ballen für den Verkauf bereitgestellt.
Der Einkäufer lässt einige Ballen öffnen und überzeugt sich selbst, ob der Ausfall der Ernte gut war und ob der Bauer gute Arbeit bei der Sortierung geleistet hat. Der Einkäufer muss ein guter Kenner seines Faches sein, damit er nicht übervorteilt wird. Nach der Auffasung der Bauern ist der Einkäufer selber daran schuld, wenn er die Qualität nicht erkennt und sich also schlechte Ernte verkaufen läßt.“

 


Im Manipulationslager

Tabakblätter, Tabakernte„Das Sortieren der Tabakblätter im Manipulationslager.
Der Tabakmeister nimmt Blatt für Blatt in die Hand und stellt Blätter gleicher Qualität und gleicher Größe in unvorstellbarer Sorgfalt zusammen. Auch die kleinsten Abweichungen in Form und Farbe, die einem ungeübten Auge kaum wahrnehmbar sind, entgehen diesen wahren Künstlern des Tabaks nicht. Ein zweiter Arbeiter stellt aus den ausgeschiedenen Blätterm eine neue Zusammenstellung einer zweiten Blattqualität her, und so geht es weiter, bis der ganze Inhalt eines Bauernballens durchsortiert ist.“

Tabakballen, Tabakindustrie, Tabak„Die wandelnden Tabaktürme.
In den Manipulationslagern, die hauptsächlich in den Hafenstädten liegen, werden die Tabakblätter gepflegt und zu Handelsballen geschichtet. Von hier aus treten sie ihre Reise nach Deutschland an. Lastträger – türkisch Hamals – bringen die Ballen, die sie zu drei, vier und mehr auf einmal, unterstützt durch eine Art dreieckiges Kissen, auf ihrem Rücken balancieren, zum Hafen. Da ein Tabakballen im Durchschnitt etwa 20 bis 30 Kilo wiegt, ist dieses eine erstaunliche Leistung. In langen Reihen, wandelnden Tabaktürmen gleich, sieht man die Hamals die Straßen entlang vom Manipulationslager zum Hafen ziehen.“