Die Arbeit der Zigarrenmacher.

zigarrenfabrikation, Zigarrenmacher, Zigarren„Die Azteken, ein in Mexiko lebender Indianerstamm, rauchten zusammengerollte Tabakblätter. Von dort gelangte diese Form des Rauchens nach Spanien, wo der Hamburger Kaufmann Schlottmann die Zigarre kennenlernte. 1788 soll er in seiner Heimatstadt mit der Zigarrenfabrikation begonnen haben. In Amsterdam, Bremen und Hamburg, den Umschlagorten für Überseetabak, entstanden die ersten Zigarrenmanufakturen.
Das Rauchen von Zigarren war lange Zeit verpönt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte es sich durch. 1876 betrug der Anteil der Zigarre am gesamten Tabakkonsum in Deutschland 43 Prozent. Im Jahre 1902 waren es dann bereits 64 Prozent.
Im Gegensatz zur Zigarettenherstellung gab es für die Zigarrenproduktion kaum Maschinen. ZIgarren entstanden in Handarbeit in Kleinstbetrieben und durch Heimarbeiter. Ende 1924 gab es in Deutschland 1263 Ort, in denen Zigarren gefertigt wurden.
Die Kinderarbeit war weit verbreitet. Die acht- bis zwöfjährigen Mädchen und Jungen hatten vor allem die angefeuchteten Blätter vom Stengel und der Hautrippe abzustreifen. In den Manufakturen wurden dafür doe jüngsten Arbeitskräfte oder ältere Menschen eingesetzt. Der Tabakstaub rief Lungentuberkulose und andere Krankheiten hervor. Die Lebenserwartung der Tabak- und Zigarrenmacher lag unter dem Durchschnitt.
Die Tabakpflanze war der nach der Entdeckung Amerikas nach Europa gelangt. Auf der Iberischen Halbinsel soll im Jahre 1559 erstmals Tabak auf euopäischem Boden angebaut worden sein. Vom Heilmittel entwickelte sich der Tabak bald zum Genußmittel, das geschnupft und gekaut wurde. Vielerorts wurden Verordnungen gegen das Rauchen erlassen, so 1723 in Plauen und 1742 in Altenburg.
In Schleiz sollen Tabakraucher bestraft worden sein, indem man sie mit einer aus Tabakspfeifen gefertigten Spottkette durch den Ort führte.
Die Zigarrenmacher zogen meist mit dem Tragekorb voller Zigarrenkisten durch die umliegenden Dörfer und Städte, in denen sie Kolonialwarenhändler, Gastwirte und auch private Kunden aufsuchten. In einigen Fällen verkauften sie ihre Zigarren an den Verleger, der ihnen den Tabak geliefert hatte.
Die Technologie der Zigarrenherstellung, wie sie sich um 1840 entwickelt hatte, blieb für nahezu 100 Jahre unverändert. Die industrielle Zigarrenproduktion verdrängte die Heimarbeit nach dem ersten Weltkrieg, bis sie völlig erlosch.“
(aus: Bernd Wurlitzer: Historische Werkstätten, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989)


Berufsbezeichungen

Zigarrenmacher

Die Zigarrenfabrikation

„Auf dem Wickeltisch lagen die Einlage, die Umblätter und die Deckblätter. Mit der Hand wickelte der Zigarrenmacher eine entsprechende Anzahl Blätter als Einlage, die er mit dem angefeuchteten Umblatt umhüllte. Diese Rohzigarre, der Wickel, kam in ein zweiteiliges Formbrett, um eine gleichmäßige Länge, Stärke und Form zu erzielen. Eine größere Anzahl dieser Formen wurde mit einer Schraubzwinge zusammengepreßt. Große Geschicklichkeit war für das Einrollen des Wickels in das Deckblatt erforderlich, mit dem die Zigarre ihr endgültiges Aussehen bekam. Ein Tupfer Klebstoff sorgte dafür, daß sich das Deckblatt nicht wieder aufrollte. Ein geübter Zigarrenmacher soll am Tag etwa 300 Zigarren geschafft haben.
Zuletzt versah man die Zigarren mit einem Ring, der sogenannten Bauchbinde. Die ersten Zigarrenringe tauchten um 1850 als Seidenschleifen auf. Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann diese Zierstreifen farbig gedruckt. Als Erfinder der Bauchbinde wird der Pflanzer Gustav Block genannt, der in Kuba gelebt hat. In umfangreichen Katalogen boten spezielle Betriebe Bauchbinden an, und die Zigarrenmacher wählten sich daraus die ihrer Meinung nach zugkräftigste Benennung für ihre Zigarren.“
(aus: Bernd Wurlitzer: Historische Werkstätten, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989)


 

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Zigarrenfabrik Robert Herrmann – Erdmannsdorf

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