Der  Glasbläser  ist ein Handwerker, der Gegenstände aus Glas herstellt.

Glasbläser, HandwerkAus erhitzten Glasstäben formt er Gebrauchsgefäße,
Figuren, Perlen und dekorativen Objekten (z.B. Christbaumschmuck),
wie auch Glasteile für Thermometer, Instrumente und Apparate,
sowie Laborgefäße und Leuchtreklame.

Ab dem ausgehenden Mittelalter benutzten Glasbläser auch Öllampen mit Blasebalg zum Erhitzen der Glasstäbe, um aus dem erweichten Glas allerlei Objekte zu formen. Daher überliefert ist die Bezeichnung  ‘Glasblasen vor der Lampe’.  In Italien hatte man im 17. Jahrhundert diese Technik schon bis zur Meisterschaft entwickelt. Die Öllampen sind zwar längst durch Gas(gebläse)brenner ersetzt worden, aber der Name hat sich erhalten.

 

 


Berufsbezeichnungen

Glasbläser
Englisch:
Finnisch:
Französisch:
Griechisch:
Italienisch:
Lateinisch:
Niederländisch:
Norwegisch:
glassblower
lasinpuhaltaja
souffleur de verre
υαλοποιός
soffiatore del vetro
vitrearius
glasblazer
glassblåser
Polnisch:
Rumänisch:
Russisch:
Schwedisch:
Slowenisch:
Spanisch:
Türkisch:
Ungarisch:
dmuchacz, dmuchaszkła
suflător de sticlă, sticlar
стеклодув
glasblåsare
steklopihač
vidriero
cam üfleyicisi, cam ustası
üvegfúvó

Spezialisierungen:   Baumschmuckbläser,   Glasgestalter,   Glasmurmelbläser,  Glasschleifer
Thermometerbläser,   Glasapparatebauer (früher: Glasinstrumentenmacher),   Neonglasbläser,
Glasbläser für Augenprothetik (Ocularist),   Tieraugenformer
verwandte Berufe:   Waldglasmacher,   Glaser


 

Die Arbeit der Glasbläser

Zeichnung: emsiges Treiben in einer Glasbläserei

um 1800, England

Glas wird aus Quarzsand, Kalk, Soda und verschiedenen Zusätzen zur Läuterung und Entfärbung  hergestellt. Um dieses genau auszuwiegende Gemenge schmelzen zu können, wird eine Temperatur von über 1480 Grad Celsius benötigt; die Verarbeitungstemperatur beträgt 1100 bis 1200 Grad Celsius.
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Die Technologie und auch die Glasmacherwerkzeuge haben sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert. Der Chemiker Johann Kunkel gab 1678 das Werk ‘Ars Vitraria Experimentalis‘ heraus. Die darin abgebildeten Werkzeuge werden in fast gleicher Form heute noch verwendet: “Die Glas-Schere … damit man das überflüssige Glas abschneidet” und “das Blaß-Rohr der Glasmacher, an einem Theil mit Holtz umgeben, wegen der Hitze, damit man desto leichter mit solchen hantieren könne.” 
Dieses ‘Blas-Rohr’, die sog. Glasmacherpfeife, ist bis heute das wichtigste Arbeitsinstrument des Glasmachers. Das etwa eineinhalb Meter lange Eisenrohr, mit dem sich vielfältigen Hohlkörper blasen lassen, kam erst nach der Zeitenwende in Gebrauch.
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Die Mundglasmacher werden bis auf den heutigen Tag diejenigen genannt, die unmittelbar an den Hafenöfen der Glasfabriken arbeiten. Als Glasbläser galten jene, die vorgefertigte Glasröhren vor der Flamme des Bunsenbrenners zu zierlichen Glasgegenständen weiterbearbeiten.
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Der Arbeitsvorgang
Zeichnung: Mann bläst Glas vor großem Ofen

1827, England

Die Verarbeitung der zähflüssigen Glasmasse erfolgt seit altersher unmittelbar an den Hafenöfen. Der Glasmacher “taucht seine Pfeife in den Glashafen, dreht sie langsam um und entnimmt etwas Glas, das wie ein zäher und leimartiger Saft in Form einer Kugel an der Pfeife haften bleibt. Er nimmt aber nur so viel Glas, wie zu der gewünschten Form nötig ist, drückt es auf den Marmor und rollt es hin und her, damit es sich binde, und bläst es dann an der Pfeife in Form einer Blase auf …” – so beschrieb im 16. Jahrhundert Georg Agricola die Kunst des Glasmachens, und nicht anders bietet sich das Bild dar, das sich in der Gegenwart an den Hafenöfen in den Glasfabriken zeigt.
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Was nach Agricola “in Form einer Blase” entsteht, nennt der Fachmann heute  K ü l b e l . Beim ständigen Drehen der Pfeife in einer Eisen- oder Holzform wird das Külbel zum gewünschten Gegenstand ausgeblasen. Ist das Glas erstarrt, wird der Körper herausgenommen, von der Pfeife abgetrennt und der Henkel angesetzt. Danach schneidet man mit der Rundschere das überflüssige Glas am Rand ab. In einem 21 Meter langen Kühltunnel wird der Glaskörper innerhalb von zwei Stunden langsam auf die Raumtemperatur abgekühlt, um thermische Spannungen zu vermeiden. Anschließend erfolgt das Beschleifen, Bemalen oder Gravieren der Rohlinge, wie das unveredelte Glas genannt wird. “

[Bernd Wurlitzer:  Historische Werkstätten, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989]

 


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Werkzeuge, Utensilien & Hilfsmittel

Grafik: Ansicht und Querschnitt einer Glasmacherpfeife

Pfeife – 1873

 

  • Gebläse  (Blasebalg, Wassertrommel-, Wasserstrahl-, Kolben- oder Zentrifugalgebläse)
  • Gebläselampe  (Öllampe mit kl. Blasebalg, Gasgebläsebrenner)
  • Glasschere, Glasmesser, Glasschneider
  • Kohle-, Grafit- oder Metallauftreiber
  • eiserne Strukturzangen, Pinzetten, Piekser, Dorne u.ä.
  • Marmorplatte oder Eisenblech
  • Drehbank
  • Holzgabeln
  • Holz- oder Gußformen
  • Kork- und Gummistopfen in verschiedenen Größen  (zum Verschließen von Rohrenden)
  • Schale mit Sand  (zum Ablegen der heißen Glasteile)
  • Glasrohlinge  (Glasstäbe und Glasröhren)
  • Glasmacherpfeife  (ggf. auch Blasschlauch)
  • Hafenofen  (sog. Glashafen) oder anderer Schmelzofen
  • Schutzbrille und Schutzhandschuhe

 

Kupferstich: Arbeitszene am Hafenofen sowie schematische Ansichten und Querschnitte des Ofens -1825

Hafenofen – 1825

 


Die Glasarten

Aus den Grundstoffen Kalk, Soda und Quarzsand entstehen unter Zugabe diverser Zusätze verschiedene Glassorten.

  • Natronglas, auch Thüringer Glas  (leicht schmelzbar)
  • Bleiglas, auch Flintglas  (leicht schmelzbar)
  • Kaliglas, auch Böhmisches Glas  (schwer schmelzbar)
  • Jenenser Normalglas  (Natron 14,5%, Kalk 7%, Thonerde 2,5%, Zinkoxyd 7%, Kieselsäure 67%, Borsäure 2%)
  • Uranglas

 


 

 


Film von Pathé 1945

 

 

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