Die Arbeit der Glasbläser.

Glasbläser, glass blower

London, 1827

Glas wird aus Quarzsand, Kalk, Soda und verschiedenen Zusätzen zur Läuterung und Entfärbung  hergestellt. Um dieses genau auszuwiegende Gemenge schmelzen zu können, wird eine Temperatur von über 1480 Grad Celsius benötigt; die Verarbeitungstemperatur beträgt 1100 bis 1200 Grad Celsius. Die Technologie und auch die Glasmacherwerkzeuge haben sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert. Der Chemiker Johann Kunkel gab 1678 das Werk ‚Ars Vitraria Experimentalis‘ heraus. Die darin abgebildeten Werkzeuge werden in fast Form heute noch verwendet: ‚Die Glas-Scheer…damit man das überflüssige Glas abschneidet‘ und ‚Das Blaß-Rohr der Glasmacher, an einem Theil mit Holtz umgeben, wegen der Hitze, damit man desto leichter mit solchen hantieren könne.‘
Diese ‚Blas-Rohr‘, die Glasmacherpfeife, ist bis heute das wichtigste Arbeitsinstrument des Glasmachers. Das etwa eineinhalb Meter lange Eisenrohr, mit dem sich vielfältigen Hohlkörper blasen lassen, kam erst nach der Zeitenwende in Gebrauch.
Die Mundglasmacher werden bis auf den heutigen Tag diejenigen genannt, die unmittelbar an den Hafenöfen der Glasfabriken arbeiten. Als Glasbläser gelten jene, die vorgefertigte Glasröhren vor der Flamme des Bunsenbrenners zu zierlichen Glasgegenständen weiterbearbeiten.
Die Verarbeitung der zähflüssigen Glasmasse erfolgt seit altersher unmittelbar an den Hafenöfen. Der Glasmacher ‚taucht seine Pfeife in den Glashafen, dreht sie langsam um und entnimmt etwas Glas, das wie ein zäher und leimartiger Saft in Form einer Kugel an der Pfeife haften bleibt. Er nimmt aber so viel Glas, wie zu der gwünschten Form nötig ist, drückt es auf den Marmor und rollt es hin und her, damit es sich binde, und bläst es dann an der Pfeife in Form einer Blase auf…‘ So beschrieb im 16.Jahrhundert Georg Agricola die Kunst des Glasmachens, und nicht anders bietet sich das Bild dar, das sich in der Gegenwart an den Hafenöfen in den Glasfabriken zeigt.



Was nach Agricola ‚in Form einer Blase‘ entsteht, nennt der Fachmann ‚Külbel‘.

Glasbläser, Glasherstellung, Handwerk

um 1789-1815 [Sammelbild]

Beim ständigen Drehen der Pfeife in einer Eisen- oder Holzform wird das Külbel zum gewünschten Gegenstand ausgeblasen. Ist das Glas erstarrt, wird der Körper herausgenommen, von der Pfeife abgetrennt und der Henkel angesetzt. Danach schneidet man mit der Rundschere das überflüssige Glas am Rand ab. In einem 21 Meter langen Kühltunnel wird der Glaskörper innerhalb von zwei Stunden langsam auf die Raumtemperatur abgekühlt, um thermische Spannungen zu vermeiden. Anschließend erfolgt das Beschleifen, Bemalen oder Gravieren der Rohlinge, wie das unveredelte Glas genannt wird. “
[aus: Bernd Wurlitzer: Historische Werkstätten, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1989]


Berufsbezeichnungen

Glasbläser, glass blower (engl.)
Fachrichtungen: Glasgestaltung, Christbaumschmuck, Kunstaugen

Werkzeuge und Ausrüstung der Glasbläser

Werkzeuge, Glasbläser

Frankreich, 1770

  • Gebläse (z.B. Blasebalg, Wassertrommelgebläse, Wasserstrahlgebläse, Kolbengebläse, Zentrifugalgebläse)
  • Gebläselampe (z.B. Öllampe, Gasgebläselampe)
  • Glasmesser
  • Hilfsflammen
  • Aufreiber
  • eiserne Flachzange
  • Eisenblech
  • Kork- und Gummistopfen in verschiedenen Größen, zum Verschließen von Rohrenden
  • Schale mit Sand (zum Ablegen der heißen Glasteile)
  • Holzgabel
  • Glasröhren
  • Glas(Pfeife)
  • Hafenofen (Glashafen)
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Glasbläser, Glasherstellung, Glasindustrie

„Das Blasen der Flaschen“ [Sammelbild: Liebig]

Das Glasmaterial

  • Kalk
  • Quarzsand
  • Soda

    Die Glasarten

    Ballonflaschen, Glasflaschen

    Ballonflaschen, 2008 [Foto: Sulamith Sallmann]

  • Natronglas, auch Thüringer Glas (leicht schmelzbar)
  • Bleiglas, auch Flintglas (leicht schmelzbar)
  • Kaliglas, auch Böhmisches Glas (schwer schmelzbar)
  • Jenenser Normalglas (Natron 14,5%, Kalk 7%, Thonerde 2,5%, Zinkoxyd 7%, Kieselsäure 67%, Borsäure 2%)
  • Uranglas


Glasbläser, Handwerk, Glas

Berlin [Foto: Sulamith Sallmann]


Film von Pathé 1945

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