Der Fährmann befördert Menschen, Tiere und Fahrzeuge mit einem Kahn oder Boot über einen Fluss oder anderes Gewässer – er wird entweder von der Gemeinde angestellt oder der Fährbetrieb wird verpachtet. Das Recht, eine Fährstelle  (historisch Fährregal)  zu betreiben, wurde im Mittelalter in Deutschland als Fährgerechtsame bezeichnet.
Das Recht zur Vergabe gewerblicher Fährstelle wird in Deutschland heute von den einzelnen Ländern durch die Regelungen im jeweiligen Wasserhaushaltsgesetz ausgeübt.

Gemälde: CHARON bei der Überfahrt über den STYX in die Unterwelt

um 1520 – ‚Charon on Styx‘ [Joachim Patinir]

Der Beruf des Fährmanns ist uralt. Schon die alten Griechen erzählten von Charon, dem greisen Fährmanne der Unterwelt, welcher die Schatten der beerdigten Toten über die Flüsse der Unterwelt setzte, wofür er als ein Lohn ein Geldstück* bekam, das man dem Toten zuvor in den Mund gesteckt hatte.
(* Diese Münze nannten die Griechen: Obolus.)

 

 

 

Holzschnitzerei: Wegweiser zur Fähre

Den Fährmann kennt man hier und dort auch noch heute […], obgleich der Fährbetrieb in manchen Gegenden schon durch einen Brückenbau ersetzt worden ist.
Gewöhnlich weiter abseits vom Dorfe, in der Nähe des Flusses, also etwas einsam, steht das kleine schlichte Fährhaus. Nur wenige Räume enthält es. Drum dient die Diele gewöhnlich gleichzeitig als Küchenraum. Einige Obstbäume es wohl, und zur Seite liegt der Gemüsegarten. In nächster Nähe befinden sich noch zwei bis drei Morgen Ackerland, die dem Fährmanne laut Kontrakt zustehen. Am Flußufer liegt dann noch häufig Wiesenland. Hier sitzt an schönen Nachmittagen des Fährmannes Kind und hütet die beiden Kühen, vielleicht noch ein Kalb dazu, welches man aufziehen will.

 

(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)

 


Berufsbezeichnungen

Fährmann,  Fährführer,  Fährenführer,  Kahnführer  –  (veraltet)  Ferge
Bretonisch:
Dänisch:
Englisch:
Französisch:
Griechisch:
Italienisch:
treizher, treizhour
færgemand
ferryman
passeur
βαρκάρης, πορθμεύς
traghettatore
Katalanisch:
Lateinisch:
Portugiesisch:
Russisch:
Spanisch:
Ungarisch:
raier
navector
balseiro
паромщик, перевозчик
balsero, barquero
révész

verwandte Berufe:  Bootsmann,  Flößer,  Gondelier,  Schiffer


 

Die Fähre ist entweder das Eigentum eines Amtes, einer Stadt, Gemeinde, oder einiger Bauern, welche noch Land am jenseitigen Flußufer liegen haben. Damit man auch vom jenseitigen Ufer jederzeit den Fährmann rufen kann, steht hier ein Baum oder Pfahl, von dem ein Glockenzug über das Wasser und in das Haus des Fährmannes führt. Einzelne Personen setzt er in einem Kahn über das Gewässer. Dies Boot ist an einer Eisenkette befestigt, die mit einer Rolle auf dem Drahtseile entlang läuft, welches den Fluß überspannt. Größere Gesellschaften und besonders Fuhrwerke nehmen in der großen flachen „Fähre“ Platz, welche etwa 9 Meter lang und 4 Meter breit sein kann. Der Fährmann ist natürlich sehr auf Nebenverdienst angewiesen und läßt sich nach einer bestimmten Taxe bezahlen. Ist er von Bauern angestellt, so muß er diese, ihre Leute und Fuhrwerke selbstverständlich jederzeit frei hinüberbringen oder wieder herüberholen. Schlecht ist es mit dem Fährbetrieb natürlich bei regnerischem Wetter wegen des glitschigen Bodens am Flußufer. Eisansätze zur Winterszeit und Hochwasser im Frühling oder Herbste machen den Fährbetrieb oft tage-, ja zuweilen sogar wochenlang unmöglich.

 

alter Stich: dörfliche Fähr-Anlegestelle am Fluss

1649 – Fährbetrieb in Böhmen [F. Brueghel]

Welche Bedeutung eine Fähre in früheren Zeiten für Handel und Verkehr hatte, möge nur folgendes Beispiel zeigen. Das Amt zu Winsen a.d.Luhe errichtete um das Jahr 1600 eine Fähre über die Elbe. Der Fährbetrieb wurde natürlich verpachtet. Damit der Fährmann existieren konnte, hatte er auch eine bestimmte Taxe für Karren mit einem Pferd und solche mit zwei Pferden, für gewöhnliche Wagen mit zwei Pferden und solche mit vier Pferden, für große leere Frachtwagen und für beladene, dann auch für Personen, einzeln oder zu mehreren.

 

Durch diese Fähre wurde jetzt viel Verkehr abgelenkt von der großen Straße nach Hamburg und Lübeck. Diese beiden mächtigen Städte fühlten sich dadurch sehr benachteiligt und geschädigt und legten deshalb mancherlei Beschwerden und Proteste gegen diese neue Fähre ein, aber sie erreichten ihren Zweck schließlich doch nicht. Sie mußten sich eben mit den neuen Verhältnissen abfinden.

Heute kennt man diese einst so bedeutende Fähre nicht mehr. Auf ehernen Strängen wickelt sich nun der Verkehr durch jene Gegend ab, glatt und ungestört. Daß der Fährbetrieb allmählich der weit vorteilhafteren Brücke weichen und der Fährmann sich dann nach anderer Arbeit umsehen muß, wird kein weitsichtiger und praktisch denkender Mensch verhüten wollen. Doch es ist damit dann auch gleich wieder ein Stück dörflicher Romantik dahin!

 

(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)


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Der Fährmann

Kupferstich eines Fährmanns plus Text 'Der Fährmann'

1834, USA

Boote werden benutzt, um Menschen über Flüsse zu tragen und Produkte auf den Markt zu bringen. Hier sehen wir einen Bootsmann, der mit einer langen Pole sein Boot in das tiefe Wasser setzt. Es ist sehr erfreuend, in einem Boot zu segeln, wenn wir einen schönen Wind haben, und eine sichere Hand, um es zu steuern.
In New York und in der Nähe von großen Flüssen sind Boote zu sehen, einige große, einige kleine, mit verschiedenen Namen, wie Skippers oder Fährschiffe; Segelboote oder Peuiaugers, mit einem oder zwei Masten; Sloops, Schooner, Brigs und große Schiffe, so hoch wie Waldbäume und so groß wie Scheunen: ein wundervoller Anblick für Kinder, die auf dem Lande aufgewachsen sind! Als einmal ein Junge nach New York kam und auf eine Schaluppe zeigte, die sich fernab von Newark Bay befand, meinte er, es sei ein Leuchtturm!

 

 


Traditionelle Kahnfähren

sechseckiges Relief eines Fährmanns auf dem Arno

13. Jh, Florenz – Fährmann auf dem Arno [Giotto]

B e t r i e b   d u r c h   M u s k e l k r a f t

Ruderfähre:  bei den frühesten Kahnfähren dient Ruderkraft oder Staken als Antrieb.
Segelfähre:  historisch wurden Fährboote auch mit Segeln betrieben
Seilfähren und Kettenfähren:  weltweit werden zahlreiche kleine Seilfähren und einige Kettenfähren von Hand betrieben, oft mit Kurbeln – In Dänemark findet man noch einige handbetriebene Seilzugfähren für Fußgänger und Fahrradfahrer. Brandenburgs einzige Handseilzugfähre verbindet die Ortsteile Ranzig und Leißnitz über die Spree.

 

B e t r i e b   d u r ch   W a s s e r s t r ö m u n g

Gierseilfähren:  nutzen die Energie des strömenden Wassers von Flüssen aus, indem sie ihren Rumpf schräg zur Strömung einstellen – Die Fähre wird dazu an einem Y-förmigen Seil stromaufwärts verankert, die Arme des Y heißen Gierseile. Durch die Richtung des Gierens (Verkürzung des einen oder anderen Gierseils mit Hilfe von Winden) wird die Fahrtrichtung bestimmt. Das Ende des Seils wird in Ufernähe im Wasser verankert.
Rollfähren:  sind eine Variante der Gierseilfähre, bei der ein Stahlseil nicht im Fluss verankert, sondern (meist über Wasser an Masten) von einem Ufer zum anderen gespannt ist – Auf diesem festen Seil laufen eine oder mehrere Rollen, von denen Seile zur Fähre führen. Die Rollfähre selbst kann ihren Anstellwinkel zur Strömung verändern und somit die Strömung als Antrieb ausnutzen.

 


Der Fährbetrieb der Neuzeit

 

Binnenfähren:  sind allgemein größer als der klassische Kahn und verkehren auf Flüssen, Kanälen, Binnenseen sowie in Häfen – Sie dienen als Teil des öffentlichen (Personen-)Nahverkehrs zum Verbinden von Verkehren über Gewässer als Alternative zu Brücken oder Tunneln. Die Fähre verkehrt dabei meist nach Fahrplan und gegen Entgelt. Daneben existieren immer noch einzelne kleine manuelle Kahnfähren.

Je nach der Transportaufgabe werden heute Personenfähren, Autofähren und Eisenbahnfähren (sog. Trajektschiffe) eingesetzt.

alte Postkarte: gemalte Eisenbahnfähre

vor 1945

Seegehende Fähren bzw. Fährschiffe:  verkehren weltweit regelmäßig als fahrplanmäßige Personen- und/oder Güterbeförderung mittels eines Wasserfahrzeugs zwischen mindestens zwei Häfen oder Anlegestellen, die durch Flüsse, Seen oder Randmeere getrennt sind – Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Schiffstypen, die als Fähre genutzt werden, je nach Länge der Strecke, der benötigten Kapazität sowie nach Geschwindigkeit und Seetüchtigkeit. Eine Personenfähren unterscheiden sich von anderen Fahrgastschiffen dadurch, dass der Verkehrs- und Transportaspekt im Vordergrund steht, d. h. die Fährfahrt selbst dient in erster Linie dem Erreichen des Ufers jenseits des Gewässers.

 


Ausbildung

Im heutigen Sprachgebrauch wird dieser Schifffahrtsberuf in Deutschland als Fährenführer bezeichnet.

Um  Fährenführer  zu werden muss
eine Ausbildung als Bootsführer abgelegt und ein Fährpatent erworben werden.

blaues Abzeichen mit Anker im Steuerrad

Abzeichen für die Sonderausbildung zum Boots- und Fährenführer

 


Fähren außerhalb Europas

 


Buchempfehlung

  • Balduin Möllhausen:  Der Fährmann am Kanadian.  (Reise- und Abenteuerroman)  Leipzig 1906

altes BuchcoverT e x t a u s z u g :  Auch Fähren wurden hier und da angelegt, und die bestanden aus plumt gebauten Prahmen, die mittelst Laufschlingen an ein über den Strom gespanntes Tau befestigt, durch eine einfache Vorkehrung es jedem ermöglichten, sich selbst überzusetzen. Fährleute waren also überflüssig.

Nur auf einer Stelle, ungefähr zwanzig englische Meilen oberhalb der Vereinigung des Kanadian mit dem Arkansas, wo auf beiden Ufern des ersteren zahlreiche Wege und fährten zusammenstießen, hatte sich auf dessen linkem Ufer ein Fährmann niedergelassen. Doch ob Wagen, Reiter oder Fußgänger übergesetzt zu werden wünschten: für das eine wie für das andere mußte in Ermangelung eines Bootes der Prahm in Benutzung genommen werden.
[…]
Ein Hohlweg führte zu der Fähre hinab. Die dazu gehörende Hütte lag gegen dreißig Fuß höher, als der Stromesspiegel, und weit genug von dem Uferrande zurück, um eine grüne Rasenfläche, die durch mehrere von der Axt verschont gebliebene Nadelbäume beschattet wurde, als Vorplatz frei zu lassen.

[…]
Und abermals hieß es durchdringend: „Hol über!“ […] „Hol über, in der Hölle Namen!“ rief der Fremde auf dem jenseitigen Ufer wiederum, und sich aus dem Sattel schwingend, führte er seinen Schimmel an den Fluß, um ihn zu tränken. „Wo ’ne Fähre ist, muß jemand sein, der zum Rechten sieht, oder der Prahm möchte ebensogut aufs Trockene geschleppt und als Waschfaß benutzt werden!

[Balduin Möllhausen  (1825 – 1905), deutscher Schriftsteller]

 

 

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