Die Arbeit der Perlenfischer besteht im ‚Ernten‘ von Perlmuscheln
entweder vom Meeresboden – dann handelt es sich um  S e e p e r l m u s c h e l n  (Meleagrina margaritifera) –
oder vom Grund eines Flußbettes – dann hadelt es ich um  F l u ß p e r l m u s c h e l n  (Margaritana margaritifera).

„Schon die ‚Alten‘ erhielten Perlen von der arabischen Seite des Persischen Meerbusens und aus dem Indischen Meer zwischen Ceylon und der Koromandelküste, und dort wird auch jetzt noch Perlenfischerei getrieben. In Indien reicht die Kenntnis der Perlen bis ins höchste Altertum; auch in der Bibel werden sie erwähnt, und in Ägypten wurden sie nach der Vertreibung der Hyksos häufiger.
Viel später lernte man sie in Europa kennen, wo sie Theophrast zuerst erwähnt. Von den Griechen kamen sie zu den Römern […] In Rom kam der Luxus mit Perlen seit den Feldzügen des Pompejus, noch mehr seit der Unterwerfung Alexandrias auf, und es wurden für größere Perlen ganz enorme Summen gezahlt.
Kolumbus fand den Perlenschmuck bei den Indianern und entdeckte die Insel Margarita (bei Venezuela), an deren Küste die Indianer Perlen fischten. Hier und bei den kleinern Inseln Coche und Cubagua, bei El Tirana, nordöstlich und bei Macanao, nordwestlich von Margarita, auch an der Halbinsel Goajira (westlich vom Golf von Maracaibo), wird Perlenfischerei noch jetzt betrieben. […] Auch an der Westküste Mexikos waren Perlen den Eingebornen bekannt, und die Europäer richteten später Fischereien im Golf von Kalifornien, besonders bei La Paz, ein. An der Küste Nordaustraliens wird die Perlenfischerei hauptsächlich des Perlmutters wegen betrieben.“

[Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1902]

 

Perlenfischer, Perlentaucher, Perlen

1698 – ‚Der Perlen-Fischer‘ [Christoph_Weigel]

 

 

 

 

 

 

Der Perlen-Fischer
Die Tugend ziert ihr Haus mit Glanz und Reichtum aus

Der Muschlen Silber, zartes Gut,
wird aus dem Schos gesalzner Flut
von tieffen Tauchernabgerissen.
So muß, wer nach der Weißheit strebt,
die auff dem Grund der Wahrheit schwebt,
der niedern Demut seyn beflissen.

 

 


Berufsbezeichnungen

Perlenfischer, Perlentaucher
verwandte Berufe: Taucher

 

Perlentaucher, Perlenfischer, Perlen

um 1950, Japan/Mikimoto


Die Perlen

Perlentaucher, Perlmuschel, Perle„Die Perlen gleichen in ihrem Bau der ‚Perlmutter‘, welche die innern Schichten der Schale bildet, d. h. sie bestehen aus zahlreichen ganz dünnen Schichten organischer Substanz und kohlensaurem Kalk, sind daher nichts andres als eine Absonderung von Perlmutter an einer Stelle, an der ein ungewöhnlicher Reiz auf die Muschel ausgeübt wird. Dies geschieht nun z. B. durch leblose Gegenstände, die beim Offenstehen der Schale hineingeraten sind, oder durch Parasiten […]

Je nach der Farbe der Muschel sind die Perlen bläulich oder gelblich oder, wenn am Rande der Muschel entstanden, schwärzlich. Die kleinsten Perlen haben nur Sandkorngröße, die größte bekannte dagegen ist birnförmig, 35 mm lang und 27 mm breit. Kleine Perlen findet man zu mehreren (sogar bis über 80) in einer einzigen Muschel.

[Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1902]

 

 


 

 


Wissenswertes & Lustiges

  • Fluß-Perlmuscheln in der Lüneburger Heide

„Die Perlfischerei blüht noch heutzutage im Persischen Golfe, im Roten Meere, bei Ceylon,
an den Inseln des großen Ozeans, im Meerbusen von Panama und Mexiko, an der Küste von Kalifornien und Westaustralien.
Weniger bekannt dürfte es wohl sein, daß auch die Lüneburger Heide früher reich an Perlmuscheln war und daß darum auch einst bei uns die Perlfischerei ein interessanter und lohnender Beruf war. Da die Flüsse und Bäche der Lüneburger Heide mit ihrem klaren, aber kalkarmen Wasser dieser Muschel prächtige Lebensbedingungen boten, so konnte der Perfischer hier zuzeiten wohl auf seine Rechnung kommen.
Berühmt wegen des Muschelreichtums waren besonders das Flußgebiet der Ilmenau, Luhe und Este. Reiche Beute lieferte die Gerdau im Amte Oldenstadt, und ein Nebenfluß der Elste heißt noch heutzutage der ‚Perlbach‘. Die Muscheln selbst waren etwa 10 Zentimeter lang und 4 bis 5 Zentimeter breit, dazu dunkel gefärbt. Zuweilen fand man Bänke von 20-30 dieser Mucheln vor. Aber die Perlen waren im allgemeinen doch ziemlich sparsam, konnte man doch oft fünfzig bis hundert Muscheln öffnen, bevor man eine einzige Perle fand. Der Wert dieser Perlen richtete sich ganz nach der Größe (zuweilen 3,5 bis 5 Millimeter Durchmesser), der Färbung und ihrem Glanze. Es wurden häufig wirklich kostbare Perlen gefunden, die den ausländischen in nichts nachstanden.
Die Perlfischerei war bei uns aber ein herrschaftliches Regal. Die Perlfischer in den einzelnen Ämtern wurden auf ihr Amt vereidigt und unterstanden einem Inspektor.


Eine Verordnung des Herzogs Georg Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg lautete:
‚Von Gottes Gnaden Herzog zu Braunschweig und Lüneburg.
Demnach Wir in Gnaden verordnet, daß der Perlenfang von gegenwärtigen, Madame de Harrbourg, Kammerdiener, Jaques Rennier, als dazu von Uns sonderlich verordneten Inspektore durch die dazu bestellten Perlen-Fischer, als Jakob Peppern zu Wülffen, Hans Rickemann zu Toppenstedt, Amts Wilsen, und Jakob Bungenern zu Bölsen, Amts Bodenteich, hinwieder, angetreten und fortgesetzt werden soll: so befehlen Wir Unseren Beamten in denen Örtern, wo der Perlenfang exerziert (ausgeübt) wird, hiermit gnädigst, daß sie vorberührten (vorbenannten) Jaques Rennier und dessen obgedachte (oben benannten) beeidigte Gesellen zu sothanen (solchen) Perlenfang verstatten (berechtigt sind), und Rennier im Notfall von einem Ort zum andern mit einer Wagenfuhr forthelfen sollen, gestalt (dazu) denn auch jeder an seinem Orte, daß aller Unterschleif (Diebstahl) und Partieren (heimlicher Handel) vermieden bleiben, fleißig mit Aufsicht führen, hiermit ernstlich befehligt wird.

Celle, den 22.April 1671          Georg Wilhelm‘

Alle Perlen mußten gegen eine Prämie oder Finderlohn von den Fischern an den Staat abgeliefert werden, der dann seinerseits für guten Absatz sorgte, und so stand zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts die Perlfischerei im Hannoverlande in hoher Blüte. Die Behörden suchten mit aller Strenge dem heimlichen, unbefugten Perlfang zu steuern. Und doch wurden durch ‚Wildfischer‘ und unehrliche Beamte heimlich und für wenig Geld dann und wann Perlen ins Volk gebracht.

Denunzianten aber bekamen gute Prämien, und ‚harte Leibesstrafen‘ hatten sich die Übeltäter zu vergegenwätigen; doch die Unkosten wurden mit der Zeit zu groß für die Regierung. Da die Perlfischerei recht emsig betrieben wurde, so konnte ein merklicher Rückgang an Muscheln nicht ausbleiben; die Behörde gab die Perlenfischerei nun auf, ließ eines Tages also ihr ausschließliches Privilegium fallen, und nun konnte fangen, wer da wollte. Natürlich waren es nun in erster Linie die Schäfer und Hirten, welche sich die Zeit damit vertrieben, und manche von ihnen brachten es zu außerordentlicher Geschicklichkeit und hinreichender Ausbeute. So verdienten sie also ein schönes Stück Geld nebenher.
Das Fangen setzt eine genaue Kenntnis des Flußbettes voraus und Geschicklichkeit, die Muscheln an die Oberfläche zu befördern.
Uneingeweihte Fischer haben durch vorzeitiges Öffnen der Muscheln manche Perle in ihrer Entwicklung gestört, auch wurden vielfach dabei Wassermilben getötet, welche mit die Ursache zur Bildung von Perlen sind.
Langsam aber sicher ist dann später die Perlfischerei wegen des übertriebenen Fischens und wegen der Flußregulierungen, wodurch sich die Daseinsbedingungen der Perlmuscheln immer schlechter gestalten, ganz zurückgegangen und heute so gut wie völlig vorbei.
Das Gewerbe der Perlfischer, welches einst große Erfolge aufzuweichen hatte, ist damit zugrunde gegangen und wird nach menschlichem Ermessen auch wohl nie wieder bei uns neu erstehen.“

[Alte Berufe NiedersachsensHrsg. Ernst Bock, 1926]

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  • Humor

Perlenfischer

1955 – Comic [Bob Heinz]

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