Lumpensammler  zogen früher von Dorf zu Dorf und durch städtische Straßen und Gassen.

Holzschnitt: vor am Boden sitzendem Lumpenweib steht vornehmer Herr mit alter Kleidung in Händen

1704, Niederlande

Sie erfragten, erkauften und sammelten Alttextilien,
wie auch Stoffreste (sg. Hadern).
Da sie – ausgestattet mit einem zweckdienlichen Hakenstab –
meist auch umher liegenden Unrat nach Lumpen durchsuchten,
standen sie unter keinem guten Ruf, verbreiteten einen unangenehmen Geruch
und wurden entsprechend gering geschätzt.

Farbillu L wie Lumpensammler, aus ABC-Fibel des 19. Jh

19. Jahrhundert – [ABC-Fibel]

Aquarell: selbst in Lumpen gekleideter Lumpensammler mit Hakenstock

um 1830 – Haderlump

kolorierter Stahlstich: Lumpenfrau mit Rückentragekorb und Stöckchen

1850 – Haderlumpenweib

 

 

 

 

 

 

 

 

gerahmter SpuchZerlumpte Wäsche wirft der Mensch Gutdünkel
Etwa in einen fistern Winkel,
Da liege ich, bis kompt heran
Mit einer Pfeif ein armer Mann,
Der geht im Dorfe umb und umb
Und schreit mit aller Macht: Haderlump,
Haderlein, Haderlein. Plunderlein,
Bringt her beschissene Windelein!

 


Berufsbezeichnungen

Lumpensammler,   Lumpensammlerin,   Lumpenmann,   Lumpenfrau,   Haderlump,   Haderlumpenweib
–  veraltet:   Hodeler,   Hödel
–   lokal historisch:   (Berlin) Plundermatze,   (Thüringen) Luntemann,   (Pfalz) Lumpenkrämserin,   (Ruhrgebiet) Klüngelskerl
Englisch:
Französisch:
Griechisch:
Italienisch:
Luxemburgisch:
ragman, ragpicker, rag-and-bone man
chiffonnier, chiffonnière
ρακοσυλλέκτης
straccivendolo
lakerten
Niederländisch:
Polnisch:
Russisch:
Slowenisch:
Spanisch:
lompenboer
haderłok, gałganiarz, łachmaniarz
cтарьевщик
nabiralec-cunj
trapero

verwandte Berufe:   Altstoffhändler,   Schrottsammler,   Altreißer,   Abdecker


 

 

[…] In der Regel waren es arme, invalide, arbeitsunfähige, teils aus Randgruppen stammende Menschen, die diesem Gewerbe nachgingen. […] In Nürnberg war das Sammeln von Lumpen von Frühzeit an das Vorrecht von Frauen, auch in Wien sind Frauen als Lumpensammlerinnen überliefert, während der Anteil der Frauen an diesem Gewerbe erst im 19. Jahrhundert wuchs.

 

sw Druck: Frau und Mann mit Lumpenbündel, -sack und Stock unterwegs am Waldrand

1881 [R. Brend’amour]

Bei den Lumpensammlern, aber auch im Lumpenhandel waren viele Juden vertreten, besonders in der österreichisch-ungarischen Monarchie.

 

kolorierter Stich: Lumpenweib mit Hundekarren

1870, New York

Das Erscheinungsbild der in ihrem „Reich“ herumziehenden Lumpen-sammler war meist erbärmlich; ihre Gesichter und Hände waren von Dreck und Staub geschwärzt, und ihre abgetragene, zerschlissene Kleidung ähnelte mitunter mehr der zusammen-getragenen Lumpenfracht, die sie auf Karren hinter sich herzogen oder von vorgespannten Hunden ziehen ließen.

 

Ihre Tätigkeit wurde lange Zeit als unehrliches Gewerbe diskriminiert, man bezeichnete sie als Haderlumpen und überschüttete sie mit unflätigen Worten, wenn sie beispielsweise ihre stinkenden Hadern irgendwo zum Trocknen ausbreiteten.

 

 

 


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