Die Arbeit der Brillenmacher.

Brille

“Durch Brillen wird das Kleine groß,
das Aug von Unerkenntnis los,
und seine Blödigkeit gebessert:
Liest unser Geist im Buch der Zeit,
durchs Augenglas der Sterblichkeit,
so wird, was ewig ist, vergrößert.”

 


Berufsbezeichnungen

Brillenmacher,

***
verwandte Berufe: Augenoptiker, Perspektivmacher


Sammelbild: Brillenmacher mit Brille in der Hand und drei Gänsen in seiner WerkstattDer Brillenmacher
Von dem Beryll her, dem Halbedelstein stammt das Wort Brille. Älteste Kunde von Augengläsern gibt ein Bericht aus dem Jahre 1300, darin zu lesen von “neulich erfundenen Gläsern, Brillen genannt, ein wahrer Segen für arme Greise mit schwachem Gesicht.” Da noch das Glas längst nicht frei war, von Bläschen, stellte man Brillen aus Bergkristall her. Erst nach 1450 fand ihr Gebrauch eine weite Verbreitung. Aus dieser Zeit sind nur einzelne Meister, später erst ganze Gewerke bekannt.
[Tengelmann-Sammelbilder: Wahrhafftige und Eigentliche beschreibung von den Ständen, Zünften und Handwercken um 1575]

 

 

 


Alte Brillen.
In China trägt man heute Brillen, die ebenso beschaffen sind wie die unsrigen und zumeist auch aus Europa stammen, Vor fünfzig und sechszig Jahren sahen aber Reisende im Reich der Mitte gar absonderliche Augengläser. Sie hatten keine Seitenstangen, sondern wurden mittels Schnüren um den Kopf festgebunden. Das war aber nicht bequem, und man verfiel auf ganz sinnreiche Methoden des

alte Handschrift mit Zeichnungen von zwei alten Brillen

16. Jahrhundert

Brillentragens. Als Beispiel möge nur der auf Seite 776 abgebildete Chinese gelten, der seine Brille durch um die Ohren geschlungene, an den Enden beschwerte Schnüre im Gleichgewicht erhält. Auch sonst waren diese Brillen absonderlich; sie hatten große runde Scheiben, die aus einem bräunlichen Stein geschliffen waren, den die Chinesen Teestein nennen, weil seine Farbe der eines Teeaufgusses gleicht. Es handelt sich um eine Abart des Rauchtopases. Solche Brillen waren in alter Zeit auch in Europa gebräuchlich. Wir erfahren darüber verschiedenes aus dem neu erschienen Buche von Dr. Emil Bock: “Die Brille und ihre Geschichte” (Josef Safár, Wien 1903). Als die Brillen um das Ende des 13. Jahrhunderts in Gebrauch kamen, machte man sie nicht nur aus Glas, sondern sehr häufig auch aus dem gemeinen Beryll, wovon sie auch ihre Namen erhielten. Sie hatten dann meist eine graue oder bräunliche Färbung. Im Jahre 1691 fertigte Christian Porschinen in Königsberg in Preußen sogar Brillen aus Bernstein, indem er geschliffenen Bernstein in Leinöl sott, wodurch dieser gelbe Färbung verlor und durchsichtig wurde. Die Gläser der Brillen macht man damals nicht nur rund und oval, sondern auch vier- und achteckig. Die älteste Form in der wir der Brille begegnen, ist das Leseglas für alte Leute, ein rundes Glas in einer Metallfassung an einem langen Stiel, den man in der Hand hielt. Aus diesen entwicklte sich zu Ende des 15. Jahrhunderts die Brille mit zwei Gläsern, die gleichfalls mit einem sich gabelnden Stiel versehen war. Aber schon zu Anfang desselben Jahrhunderts tauchten die “pöglete Brillen”, d.h. Bügelbrillen auf; zwei Gläser, die mit einem recht plumpen Bügel verbunden waren. Sie saßen aber noch nicht fest auf der Nase und Savonarola empfahl in seinen Predigten, die Brille an dem Schirm einer tiefsitzenden Mütze zu befestigen. Zu derselben Zeit begann man aber auch die Gläser in schwerfällige Gestelle aus Holz oder Leder zu fassen, die mit Schnüren oder dem Leder selbst hinter den Ohren zusammengebunden wurden.

alte Handschrift mit Zeichnungen von alten Brillen

16. Jahrhundert

Daher hießen auch solche Brillen Bindspiegel oder Bindtspiegel. Später erst kamen Fassungen aus Stahl, Gold, Silber, Horn und dergleichen auf. Diese Gestelle waren lange Zeit recht plump und massiv, aber oft fein verziert. Man verwahrte sie auch in schönen Futteralen oder kostbaren Kästchen, denn die Brillen war ursprünglich nicht billig. Ende des 16. Jahrhunderts kostete noch eine Brille auf das heutige Geld umgerechnet 80 bis 160 Mark. Vornehme Leute besorgten sich darum Brillen um sie wie Abraham a Santa Clara sagte, nur zum Staat zu tragen. Mitunter konnte man sie selbst für schweres Geld nicht auftreiben. Als Kurfürst August von Sachsen (1553 bis 1586) in seinem achtundvierzigsten Lebensjahre einen Diener nach Augsburg um eine Brille schickte, bekam sie dieser dort nicht, sondern mußte sich deshalb nach Venedig wenden. Die Bügelbrille wurde bald durch den Klemmer oder die Federparille ersetzt, aber die plumpen Klemmer saßen bis in das 18. Jahrhundert schlecht und unsicher und mußten weit nach vorne in die Nasenwangenfalte geschoben werden. Wir bilden eine Anzahl solcher alten Brillen und Klemmer nach der Regensburger Brillenmacherordnung, einer Handschrift aus dem 16. Jahrhundert, ab. Die handschriftlichen Notizen neben den Bildern sind nur nähere Beschreibungen der einzelnen Instrumente. Lange Zeit hindurch kannt man nicht die optischen Gesetze, auf denen die Wirkung der Brille beruht, man fertigte stärkere Brillen für alte und ältere und schwächere für junge Leute; damit traf man nur selten das Rechte. Die Ärzte hielten es lange für unwürdig, sich mit Brillenverordnung abzugeben; der Handel lag zumeist in Händen reisender Brillenverkäufer, und dabei wurde viel Unfug getrieben. Jemand Brillen aufsetzen oder verkaufen hieß daher auch lange Zeit soviel wie ihn betrügen. Statt zu sagen, das ist Betrug, sagte man, das sind Brillen.
[Quelle: alter Zeitungsbericht von 1903]


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