Die Arbeit der Zuckerhersteller besteht in der Zuckergewinnung
aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben.

Während der Kolonialzeit setzten Europäer in Südamerika und in der Karibik Sklaven für den Zuckerrohranbau von ein.
Diese wurden von Sklavenjägern in West-Afrika gefangen genommen und an Sklavenhändler verkauft, die für die Überfahrt sorgten und an sie dann an die Plantagenbesitzer weiter verkauften. Fern ihrer Heimat – v.a. bedingt durch schlechte Behandlung bei zugleich extrem harter Arbeit – starben viele Sklaven. Zur Sicherung gewünschter Erträge war ein ständiger Nachschub an Sklaven vonnöten. Zwischen 10 bis 15 Millionen Afrikaner wurden im Rahmen des Atlantischen Sklavenhandels nach Amerika verschleppt.

Die Kolonialmächte behielten sich vor, die endgültige Verarbeitung von braunem zu weißem Zucker in ihren Heimatländern durchführen zu lassen, während dies auf den sog. ‚Zuckerinseln‘ verboten war – das führte zu vielen Auseinandersetzungen. Generell war Zucker früher ein Luxusprodukt und lange Zeit mehr wert als andere Gewürze. Selbst Kolonialisten wie England und Frankreich lieferten sich unter einander Seeschlachten um Zucker.

Zuckerrohr, Zucker, Zuckerrohranbau

um 1880 – ‚Saccharum officinarum‘ [Francisco Manuel Blanco]

Das Zuckerrohr ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Süßgräser. Für ein gesundes Wachstum braucht es 25 bis 30°C und reichlich Wasser, weshalb es gut nur in subtropischem und tropischem Klima wächst.
Für die Zuckergewinnung sind lediglich die Rohre bedeutend. Sie wachsen aus einem weit in den Boden hineinragenden Wurzelstock heraus, werden bis zu 7 m hoch und  2-5 cm dick. Im Rohr befindet sich ein süßes Mark, das in der Regel zwei Drittel der Halme füllt. Der Zuckergehalt dieses Marks beträgt bis zu 18 %.

 

Vom Zuckerrohr zum Rohrzucker – Historische Meilensteine

  • ca. 15000 v.Chr. – Melanesien (Urheimat des Zuckerrohrs)
  • ca. 10000 bis 8000 v.Chr. – Neukaledonien
  • ca. 300 v.Chr. – über Celebes, Borneo, Java und Sumatra kam Zuckerohr nach Indien. Die Inder tranken den Saft des Zuckerrohrs, frisch oder leicht vergoren. Außerdem ließen sie den Saft in Gefäßen eintrocknen und hart werden, wodurch sie eine Art braunen Zucker (Gur, Khandsari, Jaggery) erhielten. Von Indien aus galang Zuckerrohr dann schließlich auch nach China.

 

  • ca. 600 – Persien (damaliges Sassanidenreich): erstmals gelang die Gewinnung von purem Zucker durch Scheidung von Melasse (Ablaufsirup). Während der Sirup nach unten absackte und -tröpfelte lagerte sich leicht kristalliener Zucker in kegelförmigen Tontöpfen ab, die auf die Siruptöpfe aufgesetzt wurden. Der abgelagerte Zucker nahm in den Tongefäßen die Form des uns bekannten Zuckerhutes an.

 

  • ca.   650 – erlernten die Arbaber das Zuckersieden von den Persern und beförderten den Zuckerrohranbau rund ums Mittelmeer.  (im Arabisch heißt Zucker übrigens ’sukar‘)
  • ca.   650 – Syrien und ZypernZuckerhesteller, Zuckerrohr, Zuckersiederei
  • ca.   700 – Marokko
  • ca.   750 – Spanien
  • ca.   900 – Malta
  • ca.   960 – Sizilien
  • ca. 1100 – Palästina

 

  • ca. 1100 bis 1500 – war Venedig der mittelalterliche Haupt-Handelsplatz für Zucker  (von dort gelangte als Mitbringsel von Kreuzzüglern  Zucker über die Alpen auch nach Deutschland). Die Pestepidemie im späten Mittelalter dezimierte die Zuckerrohrproduktion im Mittelmeerraum und mit der Entdeckung der Neuen Welt (und dem ebenda dafür besser geeigneten Klima) verlor sie endgültig an Bedeutung.

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  • ca. 1400 – Portugiesische Inseln
  • ca. 1425 – auf der Insel Madeira wurden (von Sizilien aus) erste Zuckerrohrmühlen errichtet
  • ca. 1431 – Azoren
  • ca. 1450 – Kapverdischen Inseln
  • 1471 –  eroberte Zucker aus Madeira den Europäischen Markt
  • 1480 – Kanarische Inseln
  • 1492 – Antillen-Insel ‚St. Thomas‘ (Jungferninseln)

 

  • 1493 – Christoph Kolumbus verbrachte Zuckerrohrschößlinge in die Karibik und ließ in der Dominikanischen Republik und auf Haiti Zuckerrohr anpflanzen
  • 1511 – Kuba
  • 1515 – Puerto Rico
  • 1520 – Brasilien
  • 1630 – Barbados
  • 1664 – Jamaika
  • 1665 – Martinique
  • 1791 – Louisiana, Nordamerika (damals Französische Kolonie)
  • 1794 – Florida
  • 1835 – Pazifische Inseln (von Louisiana aus)

 


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 Anbau und Verarbeitung von Zuckerrohr

 

Die Zuckerrohr-Ernte

Die Ernte des Zuckerrohrs erfolgt nach 9-20 Monaten, wenn die Blätter gelb geworden sind und sich im Mark der höchste Zuckergehalt befindet. Mitunter treiben die Pflanze auf dem abgeernteten Feld ein zweites Mal aus und man kann erneut geerntet werden.

 

 


Die Zuckerrohrmühle

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Modell einer Zuckerrohrpresse (Quetsche) für Handbetrieb

 

Die Zuckerrohrmühle ist eine Weiterentwicklung der einfachen Zuckerrohrquetsche oder -presse. Vom Prinzip her ist sie einen sog. Walzenmühle. Durch zwei gegeneinander laufende Walzen wird das Zuckerrohr hindurch gedrückt und der Saft aus dem darin enthaltenen Mark heraus gepresst. Mechanisch bewegt wurden die Walzen früher mittels Holzbalkenvorrichtungen entweder durch Mannes- oder Pferdekraft. Wo es möglich war, wurden auch Mühlen mit Wind- oder Wasserkraft betrieben und im Rahmen der Industrialisierung kam schließlich Elektrizität hinzu.

Julia Mann – Mutter von Thomas und Heinrich – lebte als kleines Mädchen im südlichen Brasilien auf der Insel Boa Vista gegenüber von Paraty.
In ihren Memoiren (sie nennt sich selber Dodo und ihren Vater Pai) schrieb sie:

„Pai ließ eine grosse Mühle betreiben, durch welche Zuckerrohr gepresst wurde; diese Mühle bestand aus drei oder vier grossen Balken, welche von Pferden gedreht wurden. Die Mühle befand sich unterhalb der Wohnräume, in welche einmal eines der Pferde fröhlich über die Treppe heraufsprang und Dodo heftig erschreckte.“

 

Die Zuckersiederei

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1570, Sizilien – ‚Die Kunst des Zuckermachens‘ [Phillipp Galle]

„Die(se) bisher älteste Darstellung zur Saftgewinnung und -verarbeitung von Zuckerrohr stammt aus dem 16. Jahrhundert. […] Es wird die Kunst der Zuckergewinnung auf Sizilien dargestellt, von der Rohrzuckerernte bis zum fertigen Zuckerhut, gezeichnet von Stradanus, gestochen von Ph. Galle, veröffentlicht 1570 in der Bilderfolge Nova reperta. Der Kupferstich ist eine künstlerisch verdichtete Komposition von Arbeitsvorgängen und Verfahrensschritten aus idealisierter Sicht. Nicht Sklaven, die solche Arbeit verrichtet haben, sind hier am Werk, sondern gut gekleidete Bürger, möglicherweise lokale Persönlichkeiten aus der Umgebung der Künstler […]

Im Hintergrund wird Zuckerrohr geerntet, mit einem Esel herangeschafft, in Stücke geschnitten, in der Wassermühle zerkleinert und mit der Spindelpresse ausgepreßt. Der Saft fließt in einen Bottich, wird eingedickt, der Sirup in Formen gefüllt, in denen er kristallisiert. Die aus den Formen herausgelösten Zuckerhüte trocknen und werden versandt.“

[Zucker-Museum Berlin – Hrsg. Hubert Olbrich, 1989]

 

 


 

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