Kalksteintagebau, Kalkstein, Abbau, Tagebau, Rüdersdorf

Kalksteintagebau – 2017, Rüdersdorf [Sulamith Sallmann]

Der Kalkstein

Der Kalksteinabbau

Wo sich früher ein großer Kalkberg in die Höhe reckte, findet man nun ein tief ausgeschürftes Tal. Teilweise bis zu 50m unterm dem Meeresspiegel liegend. Vorallem Muschelkalk, Schaum- und Wellenkalk, der in Rüdersdorf im Kalksteintagebau seit 1254 abgebaut wird, stammt aus dem Trias und ist 240 Millionen Jahre alt. Die Förderung erfolgte in den vergangenen Zeiten in Steinbrüchen im Handbetrieb. 1774 ging man dazu über, mit Schwarzpulver den Kalkstein herauszusprengen. Später setzte man dann die Schrambergbauweise, auch (Pfeiler)bruchsturzabbau genannt, ein. Die Stollensysteme wurden ca. 6m tief schachbrettartig unten in die 30m hohe Wand angelegt. Dann sprengte man die Pfeiler mit vorher angelegten Sprengpatronen weg und der Berg stürzte in sich zusammen. Die Steinbrecher mussten die Stücke auf transportierbare Größe und Schwere mit Hammer, Brecheisen und Hacke zurechtarbeiten. Sie wurden dann von ihnen in Schubkarren gestapelt und dem Bergschreiber zur Kontrolle und Abrechnung vorgefahren. In einer Woche konnten vier Steinbrecher ungefähr 100 Tonnen Kalk brechen. Der Bergmeister hatte die Aufsicht über die Steinbrecher. Die 4-100kg schweren Steine wurden verschifft. Kleinere Stückchen wurden lediglich zur Befesting der Wege benutzt. In diesem Zusammenhang findet man das Maß „Landprahm“. So nannte man einen Lastkahn. 1 Landprahm entsprach somit der Ladung eines Lastkahns, was in etwa 13 Kubikmetern entspricht.
1950 ging man dazu über im Großbohrlochverfahren Kalk zu gewinnen und der Kalkstein wird seitdem her mit Elektrobaggern verladen. Dampfloks, später dann E-Loks zogen die schweren Wagons umher. schließlich kam die Seilbahn zu Einsatz. Mitlerweile wird der Transport der Kalksteine mit fahrbaren Brechern und Transportbändern erledigt. Heutzutage wird der Kalk großflächig in industrieller Weise mit riesigen Maschinen für die Kalk- und Zementindustrie voraussichtlich bis 2062 gefördert. Ein Megabagger reißt das Gestein aus dem Felsen und lädt sein Gut direkt in 100t Kipper.


Verarbeitung des Kalksteins

Ab 1516 wurde der Kalk zu Branntkalk verarbeitet und zu Bauzwecken benutzt. Ende des 18.Jh. war es sehr in Mode den Kalkstein als Werkstein zu benutzen. 1885 begann man mit der Zementproduktion. Drei Jahre später mit der hydralischen Kalkherstellung. 1913 folgte der Kalksandstein, 1925 der Sackkalk, 1935 der Grobsplit und schließlich 1940 die Herstellung von Stahlbetonfertigteilen.

Bohlenbinderhaus

Unter dem Dach wurde der Kalkstein zu den Öfen transportiert.

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Die Kalköfen

Zunächst wurden die Kammersetzöfen eingesetzt. Dann entwickelte man die Rumfordöfen und verbesserte sie zu den durchlaufenden Rüdersdorfer Öfen.

Rumfordöfen („Rüdersdorfer Öfen“)

hier bis 1876 in Betrieb:
Rumfordofen 1, erbaut 1804 mit Zirkelbogenbrücke 1826 erbaut
Rumfordofen 2 mit Bohlenbinderhaus 1817 erbaut

 

Rüdersdorfer Kalkofen, Kalkstein, Rumfordofen, KalkAls Repräsentant der kontinuierlichen Öfen gilt der Rüdersdorfer (Fig. 4 u. 5). Er besteht aus dem Schacht, welcher durch die Futtermauer d und das von dieser durch einen mit Asche oder Schutt gefüllten Zwischenraum getrennte Rauhgemäuer e gebildet wird, und besitzt außerdem eine Umhüllungsmauer c, so daß zwischen dieser und dem Rauhgemäuer ein Raum bleibt, welcher durch Gewölbe in Zellen geteilt ist. Letztere benutzt man zur Aufbewahrung von Material. Während des Ganges des Ofens ist der untere Teil des Schachtes mit gar gebranntem Kalk gefüllt, der durch die vier Zugöffnungen a an der Schachtsohle von Zeit zu Zeit gezogen wird. Der Schacht hat eine Höhe von etwa 14 m. Etwa 4 m über der Sohle befinden sich die Feuerungen b für Torf und Holz, welche zu drei oder fünf um den Ofen herum angebracht und mit Rost und Aschenfall versehen sind. Um die Arbeiter vor der von dem gezogenen Kalk ausströmenden Hitze zu schützen, ist ein Kanal angebracht, durch welchen die Hitze in die Gewölbe gelangt. Der einmal angeheizte Ofen wird so lange im Gang erhalten, bis Reparaturen erforderlich werden.“
(Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Wien und Leipzig 1885-1892)

 

 

 

Schachtofenbatterie („Kathedrale des Kalkes“)

Schachtöfenbatterie, Schachtöfen, Schachtofen, Kalksteinverarbeitung

Schachtöfenbatterie – 2017, Brandenburg/Rüdersdorf [Sulamith Sallmann]

mit 18 Rumfordöfen, erbaut von 1871-77;  von 1876-1967 in Betrieb: Nachfolger der Rumfordöfen

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Kalkscheune: Magazingebäude

hier wurde der Kalkstein in Fässern eingelagert.

Kammerofenanlage

erbaut 1666 für die Branntkalkherstellung

Kalkbrennerei

Der Transport des Kalksteins

über das Wasser auf dem Bülowkanal und dem Heinitzkanal

Die Nutzung des Heinitzkanal ab 1804 war eine technische Revolution im Rüdersdorfer Bergbau! Er führte durch den Berg ganz nah an das Abbaugebiet heran und die lästigen Transportwege entfielen.

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auf Schienen

Der Bergbau ist das Pionierwesen der Eisenbahn. Den hier starteten die ersten Versuche, metallene Schienen zum leichteren Abtransport einzusetzen. Im Rüdersdorfer Tagebau wurden sie spätestens ab 1871 verwendet.

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Seilscheibenpfeiler

Seilscheibenpfeiler, Rüdersdorf

Seilscheibenpfeiler – 2017, Brandenburg/Rüdersdorf [Sulamith Sallmann]

1871 erbaut, ab 1872 Schrägaufzug zur Beförderung auf Schienen des Kalksteins aus dem Tagebaubruch

Seilbahn-Umlenkstation

1959 erbaut; von hier aus wurde der Kalkstein weiter zu den Zementwerken transportiert


Bergbau, Tor, Hammer, Symbol

Museumspark Rüdersdorf, 2017 [Sulamith Sallmann]

Glockenturm

1829 (neu erbaut 2004)

Labor

zur Bestimmung des Kalkgehalts des abgebauten Kalksteins

Steinmetzbetrieb

war zunächst bis 1914 in Betrieb, dann nach eine Unterbrechung wieder ab 1934



Weitere Informationen zur Anfahrt, zu den Besuchszeiten, den Preisen und Angeboten (z.B. historische und geologische Führungen) finden sie auf den Seiten des Museumparks und Kulturhaus Rüdersdorf.

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