Der Schwellenhauer.

Schwellen, Gleise, Schienen

2010 [Sulamith Sallmann]

„Mit der Einführung der Eisenbahn mußte sich notgedrungen der Beruf des Schwellenhauers bilden. Und so dauerte es dann nicht lange, da konnte man in unseren heimischen Wäldern die Schwellenhauer bei der Arbeit sehen.
Es taten sich immer mehr Leute zu einer Kolonne zusammen; denn meist wurde die Arbeit in Akkord angenommen, da auf diese Weise am meisten zu verdienen war, und sollte die Akkordarbeit etwas einbringen, so mußten die Leute gründlich miteinander eingearbeitet sein. Das beste Schwellenholz lieferte die Eiche, dann olgt die Buche; Kiefern-, Lärchen- und Fichtenholz sind nicht besonders dauerhaft. Zunächst gingen die Leute im Walde umher, um sich die geeignetsten Bäume auszusuchen und gleich selbst zu fällen. Dann wurden diese Stämme mit der Bogensäge ‚in Längen‘ oder Blöcke geschnitten, und zwar für die Schwellen der Hauptbahnen 4,7 Meter und für die Nebenbahnen 2,5 Meter lang; Weichenschwellen hatten oft sogar eine Länge bis 7,20 Meter. Diese Blöcke wurden alsdann der Länge nach gespalten. In wieviele Stücke, das hing ganz und gar von der Stärke des Stammes ab. Dann begann man, jedes einzelne Stück zu einer Schwelle zu bearbeiten.
Nachdem man mit Schnur und Kreide die Haulinien festgestellt hatte, griff man zum sogenannten ‚Breitbeil‘, welches in seiner Form einer Mondsichel glich, und führte damit den seitlichen Behau aus. Zunächst stellte man die Sohle der Schwelle, dann die beiden Seitenlächen und endlich die deckfläche her. Mit dem ‚Ziehmesser‘ wurden die scharfen Kanten abgeschrägt oder gebrochen. Zuletzt wurden dann noch die einzelnen Flächen fein bearbeitet. Dazu gebrauchte man den „Texel‘ oder ‚Dexel‘. Das ist ein Beil, dessen Blatt quer gestellt ist zum Stiel, also etwa die Form einer Kartoffelhacke hat. Die Schneide ist gradlinig und sehr scharf. Die fertig gehauenen Schwellen müssen nun zunächst lufttrocken werden. Alsdann werden sie in besonderen Anlagen mit Wasserdampf ausgelaugt und endlich imprägniert, damit sie möglichst lange vor Fäulnis geschützt bleiben.
Die Arbeit der Schwellenhauers ist sehr sauer; infolgedessen muß er solide leben und sich tüchtig pflegen. Sonst kann er diesem Berufe nicht längere Zeit nachgehen, zumal er meist bei Tagesanbruch schon zu Walde zieht und erst abends heimkehrt, wenn es dunkelt. Heute werden die hölzernen Schwellen schon immer mehr durch Eisenschwellen ersetzt. Der Beruf des Schwellenhauers ist infolgedessen im Schwinden begriffen. Und wie lange noch, dann treffen wir diesen fleißigen Handwerksmann nirgends mehr an!“
(Hrsg. Ernst Bock: Alte Berufe Niedersachsens. 1926)

 


Berufsbezeichnungen

Schwellenhauer, Schwellenbauer

verwandte Berufe: Eisenbahner, Schienenbauer

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Schwelle, Holz, Eisenbahn, Bahnschwelle

2011 [Foto: Sulamith Sallmann]

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